Die Kette der Probleme, die sich der Musikkonzern Sony BMG mit seinem Kopierschutzsystem eingehandelt hat, reißt nicht ab. Die Staatsanwaltschaft des amerikanischen Bundesstaates Texas weitete ihre Klage gegen den Konzern wegen versteckter Spyware im Kopierschutzsystem XCP am gestrigen Mittwoch aus. Bereits im November hatte der Generalstaatsanwalt Greg Abbott Klage wegen Bruchs des texanischen Anti-Spyware-Gesetzes erhoben, da das Unternehmen mit XCP das Verhalten der Nutzer ausspioniere.
Zur Klageerweiterung kam es nun, weil das Kopierschutzsystem selbst dann installiert wird, wenn der Nutzer zuvor die Lizenzbedingungen abgelehnt hat. In einer Stellungnahme sagte Abbott nun, man entdecke "fortwährend neue Methoden, die Sony nutzt, um texanische Verbraucher zu täuschen, die im Glauben sind, ganz einfach nur Musik zu kaufen".
Schon vor einigen Wochen sah sich Sony mit heftiger Kritik konfrontiert, da sich XCP bis zur Unsichtbarkeit tief im Computer eingräbt, wie es sonst nur von "Malware", Schad- und Schnüffelprogrammen wie Viren, Spyware oder Trojanern, bekannt ist. Das ebenfalls von Sony verwendete MediaMax-System tarnt sich in ähnlicher Weise und öffnet auf damit ausgestatteten Computer Sicherheitslücken. Hackern und Viren erlaubt das die Einschleusung versteckter Codes, womit befallene Computer auch bei aktiviertem Schutz durch eine Firewall nicht länger vor Angriffen geschützt sind.
Bald nach Bekanntwerden der Sicherheitsrisiken wurden verschiedene Malicious Codes entdeckt, die sich dieser Funktion bedienten und auf Computern beinahe unsichtbar waren. Eine Variante des Sober-Wurms ging dabei gerade für deutschsprachige Nutzer besonders tückisch vor, da er deutsche Länder-Domains erkennt und bei Besitzern von GMX-E-Mail-Accounts deutschsprachige Nachrichtentexte verwendet
Sony BMG bestritt stets, die MediaMax-Software würde sich verbergen und in der Art von Spyware persönliche Nutzerdaten sammeln. Dennoch hat der Musikanbieter eigenen Angaben zufolge 52 mit dem Kopierschutzsystem ausgestattete CDs zurückgerufen, darunter Titel von Künstlern wie Ray Charles, Frank Sinatra, Louis Armstrong und Celine Dion.
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