Von Holger Dambeck
Es war ein typischer Kuhhandel. Politiker von SPD und CDU hatten Telekom-Managern zugesichert, dass diese ihr neues Hochgeschwindigkeits-DSL-Netz vorerst ganz allein nutzen können, ohne das die Regulierungsbehörde dazwischenfunkt. Als Gegenleistung für dieses im Koalitionsvertrag garantierte Monopol versprach die Telekom die Sicherung von 5000 Arbeitsplätzen und Investitionen von drei Milliarden Euro bis 2007. Das superschnelle DSL wird benötigt, damit Fernsehen über das Internet funktioniert.
Doch aus dem vor dem Hintergrund europäischen Rechts anrüchigen Deal wird nun nichts. Die Telekom muss nach einer Entscheidung der EU-Kommission ihren Mitbewerbern Zugang zu ihrer Breitbandinfrastruktur und grundsätzlich auch zu ihrem geplanten neuen Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) gewähren. Die Kommission genehmigte heute in Brüssel eine entsprechende Regelung der Bundesnetzagentur.
Im November hatte die deutsche Regulierungsbehörde VDSL aus dem Breitbandzugangsmarkt herausgenommen. Nach Intervention der Kommission änderte sie ihren Vorschlag jedoch. EU-Kommissarin Viviane Reding sagte: "Der Wettbewerb im Breitbandbereich ist in Deutschland bisher schwächer ausgeprägt als in den meisten anderen Mitgliedsstaaten."
Die EU-Kommission war von Anfang an gegen die Pläne der Bundesregierung, die Telekom vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Die Telekom hatte darauf bestanden, dass sie ihr geplantes VDSL-Netz zunächst allein nutzen kann und der Konkurrenz nicht zur Verfügung stellen muss. Andernfalls, so drohte Telekom-Chef Kai Uwe Ricke, könne man weniger neue Stellen schaffen, so dass der angekündigte Stellenabbau bei der Telekom noch größer ausfallen würde als geplant.
Dass die Telekom sich mehr Schutz vor Konkurrenten wünscht, ist nachvollziehbar, denn dem Konzern laufen die Kunden weg. Bei Anrufen ins Ausland greifen immer mehr Telekom-Kunden zu billigen Vorwahlen. Ihren DSL-Anschluss ordern sie bei Alternativanbietern wie Arcor, Alice oder 1&1, die einfach günstiger sind als die Angebote aus dem Telekomkonzern.
Bei VDSL-Anschlüssen, mit denen die Telekom ins sogenannte Triple Play einsteigen will, hoffte das Unternehmen auf eine staatlich abgesicherte Schutzzeit, um als Monopolist wie in alten Zeiten Preise festlegen und abkassieren zu können. Zu Recht hat die EU-Kommission das jetzt untersagt. Triple Play heißt, dass der DSL-Anschluss nicht nur Internet, sondern auch IP-Telefonie und IP-Fernsehen bieten soll. Den Löwenanteil der Bandbreite beansprucht das IP-Fernsehen - fürs Surfen und Telefonieren sollen kleinere Teile der Bandbreite fest reserviert sein, so dass alle drei Dienste auch problemlos parallel funktionieren.
Um die dafür erforderlichen Bandbreiten zu erreichen, will die Telekom bis 2007 ihr Kupferkabelnetz zwischen Hauptverteilern und den Verteilern an den einzelnen Straßenzügen in den 50 größten deutschen Städten mit Glasfaser aufrüsten. Die schnellen Breitbandanschlüsse sollen so Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde ermöglichen.
Dass die Telekom nach der Brüsseler Entscheidung ihr Investitionsprogramm radikal zusammenstreicht, ist eher unwahrscheinlich. Denn wenn der Konzern nicht noch mehr Umsatz an die Konkurrenz verlieren will, muss er Kunden mit neuen Angeboten locken beziehungsweise den Wechsel zu teureren Angeboten schmackhaft machen.
Dazu könnte IPTV zählen, zumal der Telekom-Konzern erst vorgestern die Rechte für die Internet-Übertragung der Fußball-Bundesliga ab 2006 erworben hat. Über IPTV können hunderte TV-Kanäle in DVD-Qualität übertragen werden - prinzipiell sogar in High Definition (HDTV). In Belgien und Hong Kong ist IPTV bereits verfügbar; Swisscom will sein Angebot im kommenden Jahr starten.
Die Telekom wird die Brüsseler Entscheidung also kaum davon abhalten, in Triple Play einzusteigen. Entlassungen lassen sich damit aber sicher gut rechtfertigen.
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