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Kopierschutz und Copyrights Es geht auch ohne

2. Teil: Im zweiten Teil: Frankreich hört auf, P2P-Nutzer wie Heroindealer zu behandeln. Kommt doch noch ein "Bagatellvergehen Kopie"? Der Trend jedenfalls scheint klar: Nach Jahren der Kundenverfolgung erinnert man sich daran, dass die ja auch Rechte haben. Weiter...

Erstere soll nach seiner Vorstellung die ganze Härte des Gesetzes mit Geldstrafen bis zu 300.000 Euro und bis zu drei Jahren Haft treffen. Letztere solle man bei rechtlich bedenklichem Tausch- oder Kopierverhalten in einem abgestuften System ermahnen: Zunächst per mahnender E-Mail, dann per ordentlich zugestelltem Brief und schließlich mit Geldbußen von 300 bis 1500 Euro. Prinzipiell aber würde der Entwurf das Recht auf Kopien nicht nur bejahen, sondern sogar festschreiben: Bis zu fünf Kopien sollen dem zahlenden Kunden demnach verbrieft werden - au revoir, DRM-Software!

Ein Problem wäre das nicht nur für Firmen, die CDs und DVDs mit DRM-Software vertreiben, sondern auch für die diversen Download-Shops. Deren Lizenzen mit der Musikindustrie beruhen zu einem guten Teil auf DRM-Vereinbarungen.

So weit wie in Frankreich wären die Verbraucherverbände in Großbritannien gern. Der einflussreiche National Consumer Council (NCC) rief am Dienstag die Regierung dazu auf, ein Gesetz zum Schutz der Verbraucherrechte zu verabschieden - und zwar zum Schutz vor den Bestrebungen der Industrie. Die sorge mit ihren DRM-Programmen dafür, dass verbriefte Verbraucherrechte ausgehebelt würden. Also bedürfe es eines Gesetzes zum Schutz der Nutzungsrechte des Verbrauchers in digitalen Zeiten.

Mit Blick auf den sogenannten "Rootkit"-Skandal, bei dem Sony BMG einen Kopierschutz für CDs eingesetzt hatte, der nicht nur ein Sicherheitsrisiko darstellte, indem er den Rechner für Hacks und Viren öffnete, sondern auch aktiv Programme des Käufers beschädigte, erklärte NCC-Chefin Jill Johnstone einem Parlamentsausschuss: "Wegen der derzeitigen Situation sehen sich Konsumenten mit Sicherheitsrisiken für ihre Geräte konfrontiert, mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten der von ihnen gekauften Produkte, unzureichenden Informationen darüber und unfairen Vertragsbedingungen."

Gründe genug, meint der NCC, DRM-Software und Anverwandte schlicht zu verbieten. Und der Widerstand gegen Kopierschutz und Co ist nicht auf Europa begrenzt.

Am Montag verabschiedete die Regierung in Südkorea ein Gesetz, das wirkt, als hätten die Verfasser in Paris abgeschrieben. Auch hier setzen die Gesetzeshüter auf abgestufte Strafen, die neben das Delikt der schweren Produktpiraterie faktisch ein Bagatellvergehen stellen, dessen sich Schätzungen zufolge neun Millionen Franzosen und zehn bis elf Millionen Deutsche gewohnheitsmäßig schuldig machen: Sie werfen ihren CD- oder DVD-Brenner an oder loggen sich bei einer P2P-Börse ein.

Für solche Geräte bezahlt der Nutzer inzwischen nicht nur in Deutschland pauschal Abgaben, die in der generellen Erwartung erhoben werden, dass mit den Geräten Kopien gefertigt werden. Industriekritiker sehen in solchen Pauschalen prinzipiell einen gangbaren Weg: Stichworte wie die "Kultur-Flatrate" beschreiben ein Refinanzierungsmodell, bei denen den Autoren und Urhebern pauschale Entlohnungen für Kopien zukommen sollen.

Nur so, wie solche Abgaben bisher erhoben und verteilt werden, erscheinen sie eher als "Wiedergutmachungszahlungen" für erlittene Umsatzverluste der Entertainment-Industrie. Allein schon, die Pauschale am Gerät festzumachen und nicht an der Nutzung, ist letztlich ein Witz - in Deutschland allerdings einer mit Tradition.

Hierzulande genügt schon die grundsätzliche Möglichkeit, ein Gerät für eine bestimmte Sache zu nutzen, um daraus einen Gebührenanspruch zu legitimieren. Die GEZ führt mit PC-Abgaben und vielleicht auch bald solchen auf multimediafähige Handys vor, wie das geht. Ähnlich begründet die Gema Ansprüche auf PC-Abgaben, weil man damit prinzipiell Musik hören kann. Die PC-Hersteller fragen da zu Recht, wie viele Abgaben man ihnen noch aufdrücken darf.

Gerechter wäre eine Kopier-Pauschale, die sich einerseits am tatsächlichen Kopiergerät, anderseits an der dokumentierbaren Nutzung festmachen könnte: Zum Beispiel durch die Erhebung einer "Maut" für Breitband-Verbindungen.

Ein Paradebeispiel dafür, wie sinnfrei die Erhebung von pauschalen Gebühren auf den PC selbst sein kann, ist die Geräteabgabe, die Ende letzten Jahres die Verwertungsgesellschaft Wort vor Gericht erstreiten konnte. Zwölf Euro sollen künftig bei jedem PC-Kauf an die VG Wort wandern, die dieses Geld dann an die Rechteinhaber und Urheber digital vertriebener Schriftwerke verteilen soll.

Der bigotte Haken an der Sache: Online-Autoren, die das absolute Gros der Texte erstellen, für die hier kassiert wird, sind von der Ausschüttung der Tantiemen ausdrücklich ausgeschlossen. Irgendwo ankommen wird das Geld wohl trotzdem.

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insgesamt 661 Beiträge
DJ Doena 20.05.2005
Zuerstmal: Nein ich bin kein Raubkopierer, meine DVDs sind alle "original" (zu diesem Begriff später). Jetzt aber: Das Wort Raubkopie ist ein Kampfbegriff der Content-Industrie, die selbst nichts produziert, sondern [...]
Zuerstmal: Nein ich bin kein Raubkopierer, meine DVDs sind alle "original" (zu diesem Begriff später). Jetzt aber: Das Wort Raubkopie ist ein Kampfbegriff der Content-Industrie, die selbst nichts produziert, sondern lediglich vermarktet - sich aber hinstellt, als würde ohne sie die Welt untergehen. Raub impliziert einen Diebstahl unter Androhung bzw. Anwendung von Gewalt, sei es körperlicher oder mit Hilfe von Waffen. All dies geschieht aber beim "raubkopieren" nicht. Beim raubkopieren wird lediglich eine vom Verwerter nicht genehmigte Kopie eines Stückes erstellt. Es wird auch keineswegs ein Original kopiert, schließlich ist die handelsübliche CD/DVD auch nur eine Kopie vom Master - allerdings sind sie eine genehmigte. Der Einfachheit halber werde ich die Begriffe Raubkopie und Original verwenden, auch wenn sie sachlich falsch sind) §53 gab uns im alten Urheberrecht die Möglichkeit, von einem Original eine gewisse Anzahl Kopien zu fertigen. Dies hat man getan, weil man den Einzelnen nicht überwachen konnte und wollte. Als Ausgleich wurden die Verwertunsgesellschaften eingeführt. Diese nehmen pauschal für einen Rohdatenträger eine Gebühr und führen diese an die eigentlichen Urheber weiter. Bekannt sind sie unter dem Namen GEMA, VG Wort, etc. D.h. jedesmal wenn ich eine 10er Schachtel CD-Rohlinge kaufe oder den firmeninternen Fotokopierer anschmeisse, bekommen diese Gesellschaften Geld von mir - auch wenn ich selbst der Urheber des kopierten Materials bin. Und so hat sich eine nette kleine Allianz zusammengetan aus Vermarktern, die nichts produzieren, sondern nur verkaufen und Verwertungsgesellschaften, die ebenfalls nichts produzieren sondern nur Gebühren eintreiben. Und beschissen werden sowohl die Urheber, als auch die Verbraucher, da beide Organisationsteile das Geld wie ein schwarzes Loch anziehen, aber nach hinten für die eigentlichen Produzenten aka Urheber kaum was abfällt. Und weil sie sich da so schön einig sind, wird seitens der Vermarkter versucht, kopieren rechtlich und technisch zu unterbinden, was die Verwertungsgesellschaften nicht im geringsten daran hindert, immer höhere Gebühren für das Rohmaterial zu fordern, sowie immer neue Geräte als gebührenpflichtig zu deklarieren. Und so kommt es, dass angeblich der PC als ganzes, zusätzlich der Brenner und der Drucker als "primär zum vervielfältigen" benutzt wird, und deshalb gebührenpflichtig wird, obwohl die meisten Originale aufgrund des Kopierschutzes gar nicht mehr kopiert werden dürfen (das können steht auf einem anderen Blatt).
DJ Doena 20.05.2005
Und so sieht mancher Verbraucher nicht mehr ein, warum er 17,99€ für eine (Un-)CD ausgeben soll, wenn er sogar schon den Film für 9,99€ bekommt und nicht sichergestellt ist, dass dieser auf seinen Geräten überhaupt abspielbar ist. [...]
Und so sieht mancher Verbraucher nicht mehr ein, warum er 17,99€ für eine (Un-)CD ausgeben soll, wenn er sogar schon den Film für 9,99€ bekommt und nicht sichergestellt ist, dass dieser auf seinen Geräten überhaupt abspielbar ist. Des weiteren ist die Argumentation der Vermarkter, dass jede Raubkopie eine entgangene Einnahme ist, für psychologischen Unsinn. Viele (natürlich nicht alle) laden sich Filme, die sie sich ohne diese Möglichkeit trotzdem nicht im Kino angesehen hätten, manche werden vielleicht sogar gerade wegen der Kopie (die ihnen gefallen hat) noch einmal ins Kino gehen. Die Einnahmeverluste der Musikindustrie sind meiner Meinung nach eher auf die extrem gefallene Qualität der Musik zurückzuführen. Wer beim ersten Album nicht gleich Topquoten bringt ist schon wieder raus aus dem Business und hat gar keine Chance sich zu entwickeln und evtl. zum Superstar zu werden und dann für die Vermarkter zum Goldesel zu werden. Des weiteren ist es für mich als Kinogänger und DVD-Sammler ein echtes Ärgernis, als permanenter Verbrecher tätuliert zu werden (man bekommt das Gefühl, die Content-Industrie sieht den Verbraucher nicht als Kunden, sondern als Feind). Egal in welchen Film ich gehe oder welche DVD ich einlege, ich werde mindestens einmal daran erinnert, dass ich zu den Arschfickern mit den schwedischen Gardinen komme, wollte ich es auch nur wagen, ihre DVD/CD zu kopieren oder den Film abzufilmen. Diese Intros sind (antürlich!) nicht überspringbar und kommen jedesmal, wenn ich meine legal erworbene DVD in den Player einlege. Und hier kommt der Kasus Knacksus: Der Filmkopierer wird sich von diesem lächerlichen Spot nicht abhalten lassen und der Käufer fühlt sich ans Bein gepinkelt! Toll gemacht, Content-Industrie, so entsteht Kundebindung!! (Wer den Sarkasmus findet, möge ihn weiterverwenden).
FjodorM 20.05.2005
Ich nehme an, dieser Forenstrang bezieht sich mehr oder minder direkt auf den Artikel über die bereits aufgetauchten ersten Kopien von Star Wars III. Star Wars egal wie viel ist ein Produkt, dessen Zielgruppe eine bereits [...]
Ich nehme an, dieser Forenstrang bezieht sich mehr oder minder direkt auf den Artikel über die bereits aufgetauchten ersten Kopien von Star Wars III. Star Wars egal wie viel ist ein Produkt, dessen Zielgruppe eine bereits existierende Fangemeinde ist. Dies trifft zwar nicht auf jeden Film zu, dafür aber im Großen und ganzen auf die gesamte Musikindustrie, welche genau so heult wie (wenn nicht gar schlimmer als) die Filmindustrie. Und Produkte für Fans haben eine ganz schöne Eigenschaft: Fans gehen trotzdem ins Kino, Fans kaufen trotzdem die Special Edition DVD, auch wenn sie bereits den Film aus dem Netz geladen haben. Für die Industrie ist der entstehende Schaden nahe Null. Des weiteren gilt für so ziemlich alle "raubkopierten" Produkte: Sie sind Zusatz. Wer ein Musikstück oder einen Film mag, kauft sich die CD oder DVD. Das, was heruntergeladen wird, besitzt der böse Kriminelle bereits, oder würde es sich sowieso nicht kaufen. Wieder ist der Verlust respektive entgangene Gewinn nahe Null. Der einzige Verlust, den die Musik- oder Filmindustrie macht, ist der Ansehensverlust, den sie sich selbst zufügt, in dem sie in ihren Kampagnen den Kunden als Kriminellen abstempelt. Und wer nicht kriminell sein will, will folglich auch wieder Kunde sein. Der Grund für den fallenden Gewinn der Musikbranche: Einheitsgedudel, Kreativitätsmangel, Sampling (ist das nicht auch Raubkopie, nämlich von geistigem Eigentum anderer?) Talentmangel (Hauptsache sie sieht gut aus, ob sie singen kann ist unwichtig) und soooooo viele Hypes, dass sie sich gegenseitig relativieren und annulieren. Auch Hysterie ist inflationär, wenn es zuviel davon gibt nimmt sie keiner mehr wahr.
Nevermind 20.05.2005
Danke fuer die fundierte Darlegung, DJDOENA. Ich sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. [...]
Danke fuer die fundierte Darlegung, DJDOENA. Ich sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. Dass dies so nicht stimmt, weiss man seit den 60ern, als man die (immer noch stark verwendete!) Audiokassette diskutierte. Es gibt nun mal Titel, die will man unbedingt im Original besitzen, auf andere verzichtet man eben, wenn man keine Kopie kriegen kann. Wenn die Industrie Originale verkaufen will, dann muss sie etwas dafuer tun! Ein erster Schritt zur Verkaufsfoerderung waeren/sind (immerhin wird das mittlerweile zum Teil erkannt!) CDs, die sich problemlos nicht nur auf (herkoemmlichen) CD-Decks, sondern auch auf mikroprozessorgesteuerten Decks (PC, Auto-Player) abspielen lassen. Es ist nicht hinzunehmen, ein Produkt zu kaufen, das letztlich in der Verwendung stark eingeschraenkt ist - zum Teil ist diese Einschraenkung auf den CDs kaum zu erkennen, wenn man sich nicht auskennt (ich wiederhole: in den letzten 2 Jahren hat sich das etwas gebessert). Wenn ich eine CD/DVD kaufe, beanspruche ich das Recht, meine Kopien zu ziehen, auch wenn dies das Brechen des Kopierschutzes bedeutet. Es ist auch klar, dass jemand, der einen PC erwirbt, auch dessen Features nutzen will.
christian simons 20.05.2005
Sind Sie da so sicher? In meinem Dunstkreis erlebe ich folgendes Verhalten: Filme werden zwar einerseits aus dem Netz geladen, um ein Provisorium für die weit in der Zukunft liegende DVD-Veröffentlichung zu haben. Tonträger [...]
Zitat von NevermindIch sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. Dass dies so nicht stimmt, weiss man seit den 60ern, als man die (immer noch stark verwendete!) Audiokassette diskutierte.
Sind Sie da so sicher? In meinem Dunstkreis erlebe ich folgendes Verhalten: Filme werden zwar einerseits aus dem Netz geladen, um ein Provisorium für die weit in der Zukunft liegende DVD-Veröffentlichung zu haben. Tonträger werden andererseits "gesaugt", um sich den Kauf der CD zu sparen. (Der Vergleich mit der alten Audiokassette hinkt da etwas, da es damals zwischen offiziellem Tonträger und Privataufnahme immer gewaltige Qualitätsunterschiede gab.) Sehen Sie sich mal in einem Media- oder Pro-Markt um: Hochbetrieb vor den DVD-Regalen, gähnende Leere in der Musikabteilung... Man erzähle mir nicht, dass dies nicht auch etwas mit "Bittorent" und Co. zu tun hat, wo man in einen Musikdownload mit Original-Qualität nur wenige Minuten, aber in einen Filmdownload von oft zweifelhafter Qualität mehrere Stunden investieren muss. Ich persönlich kann aber auch nicht den Moralapostel spielen, weil ich im Falle einer nur in den USA aktuell ausgestrahlten Fernsehserie, deren DVD-Box ich frühestens im August dieses Jahres ordern kann (was ich dann auch tun werde.), jede Woche sündig werde. Ich bin also kein RAUBkopierer, sondern ein LEIHkopierer, der die Rechnung mit ein paar Monaten Verzögerung zahlt. :-)
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