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10.03.2006
 

Trend zu Musik-Abodiensten

Musicload macht Napster Konkurrenz

Von Frank Patalong

Bisher war Napster als reiner Abodienst, der Musik quasi verleast, etwas Besonderes unter den Musik-Downloadshops. Jetzt nimmt auch T-Online die Idee auf und könnte Napster in Bedrängnis bringen: Kein Shop wird so heftig beworben wie Musicload.

Eigentlich geht auf dem Markt der Musikdownloads kein Weg an iTunes vorbei. Stolze 80 Prozent der weltweiten Downloads werden über Apples Shop verkauft, mehr als 350 legale Downloadshops konkurrieren um die übrigen Krümel. Allein in Deutschland wehrt sich - wie weiland Asterix und seine Kumpel gegen Rom - ein kraftvoller Musikladen erfolgreich gegen Apples Dominanz: Musicload heißt der Downloaddienst von T-Online, der sich hierzulande den Markt mit Apple teilt.

Musicload-Werbung: Von Jugendzeitschriften bis zur TV-Werbung omnipräsent im "Media-Mix"
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Musicload-Werbung: Von Jugendzeitschriften bis zur TV-Werbung omnipräsent im "Media-Mix"

Und zwar in ziemlich gleiche Teile. Musicload verkauft in Deutschland nur wenige Hunderttausend Titel weniger im Jahr als Apples iTunes. Der Rest der Branche läuft unter "und außerdem gibt's da noch...". Der Erfolg von Musicload ist dabei so etwas wie ein Beweis für die Kraft der Werbung: Apples iTunes ritt auf einer beispiellosen Welle von Medienaufmerksamkeit an die Spitze, Musicload folgte in Deutschland kraft einer Werbekampagne ("Ich lad' Musik bei Musicload"), die den Shop im deutschen Fernsehen fast omnipräsent machte.

Da mitzuhalten ist für den Rest der Wettbewerber nicht leicht. Zumindest weithin namentlich bekannt ist unter diesen Shops noch Napster, stand der Name doch einst Synonym für den spektakulären Beginn der P2P-Evolution, die erst dazu führte, dass die Musikindustrie ihre Selbstblockade aufgab und Download-Shops erlaubte.

Napster setzte sich von allen anderen Shops ab, indem es mit einer Art Musik-Leasing auf den Markt kam: Für rund 10 Euro erhält man Zugriff auf die Musikdatenbanken des Unternehmens, die mit rund zwei Millionen Songs gefüllt sein sollen. Die kann man am Rechner hören, per Netzwerk mit der Stereoanlage verschalten, für 5 Euro mehr auf portable Systeme übertragen, aber nicht brennen. Wer das will, zahlt noch mal pro Song - doch warum sollte man das tun? Der Grundgedanke des Napster-Modells ist, alle Musik einfach verfügbar zu machen, in einer nicht stofflichen Form. Man "besitzt" keine Musik mehr, sondern man verfügt über sie - wer das Abo kündigt, verliert den Zugang zu den Daten entsprechend.

Für die angeblich aussterbende Spezies der Platten- und CD-Sammler klingt das wie ein Alptraum. Letztlich ist es aber konsequent: Der Trend hin zu P2P, gebrannten CDs und Downloads hat die Ware CD/Album an sich durchaus entwertet. Für Sammler hat auch der Medienträger selbst einen Wert. Technik-affinen P2P-Nutzern, Selbstbrennern und Downloadern ist der Medienträger dagegen - zumindest theoretisch - zunehmend egal. Pragmatiker mögen es vorziehen, Angebote wie Napster einfach als eine Art "Radio on demand" zu deuten, bei denen man sich das Programm aus einem schier unendlich großen Angebot selbst zusammenbasteln kann. So oder so: Es klingt nicht dumm.

Musik-Abos werden zum Trend

Dachten sich auch die Köpfe von T-Online, die ihr Angebot nun um einen "Musicload nonstop" erweitern wollen. Wie viel genau ihr Musikleasing kosten werde, stehe noch nicht fest, hieß es auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Cebit, denn die Verhandlungen mit der Musikindustrie liefen noch.

Das Geschäftsmodell des neuen Dienstes ist mit zwei Worten schnell beschrieben: siehe Napster.

Der könnte nun weiter unter Druck geraten. Dass es der Firma nicht sonderlich gut geht, ist bekannt: Anfang Februar entließ Napster zehn Prozent seiner Angestellten, nachdem die Firma das dritte Mal in Folge einen Millionenschweren Quartalsverlust ausweisen musste. Erst vor wenigen Tagen wetterte Napster-Chef Chris Gorog gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, das liege letztlich an Microsoft. Dem Softwareriese sei es nicht gelungen, eine einheitliche Programmplattform zu schaffen, auf der die Kompatibilität verschiedener DRM-geschützter Musikangebote bis hin zum MP3-Stick gewährleistet sei. Und weil die Kunden Software-bedingt zu viele Probleme mit den verschiedenen Downloadangeboten erlebten, blieben sie eben aus.

An Napsters grundlegendem Konzept liege es jedenfalls nicht, glaubt nicht nur T-Online, die sich von der Erweiterung des Dienstes erhoffen, die letzten paar Prozentpunkte gegenüber Apple aufzuholen, die Musicload wirklich zur Nummer Eins machen würden. Auch die Betreiber von Jamba setzen aufs gleiche Pferd: Schon ab 1. Mai will das bisher vor allem durch nervtötende Klingeltöne ("Crazy Frog", "Sweety") aufgefallene Berliner Unternehmen online Musik verleasen - nach dem Modell Napster. Fünfzehn Euro soll der Dienst kosten, der zudem wenig mehr als ein Zehntel der Musikdatenbank mitbringt, über die Napster verfügt. Gewohnt keck wagen die Berliner trotzdem gleich den Marktgang in "Europa", nicht nur in Deutschland.

So mausert sich das bisher exotische Nischenkonzept des Musikleasings zum neuen Trend, den gleich mehrere Napster-Konkurrenten erproben wollen. Unter "außerdem gab's da noch" (siehe oben) ist dann noch zu vermerken, dass der zart sprossende Trend gleich auch noch auf dem Mobilmarkt ankommt: Parallel zur Telekom-Tochter T-Online verkündete Konkurrent Vodafone, einen Abo-Musikdienst fürs Handy anbieten zu wollen.

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