Hannover - Das Thema "Gewaltspiele" gerät - mit oder ohne aktuellen Anlass - seit Jahren mit schönster Regelmäßigkeit in die Diskussion. Seit einigen Wochen ist es wieder soweit: In den USA entdeckte Senatorin Hillary Clinton das Thema zum wiederholten Mal als publikumswirksamen Aufhänger für eine das eigene Profil schärfende Wertedebatte. Prompt schwappte das Thema über den Atlantik: Seit einigen Wochen mehren sich wieder die Verbotsrufe gegen so genannte "Gewaltspiele" vor allem aus den Reihen der Union. Ein generelles Verbot von "Killerspielen", was auch immer damit gemeint sein mag, sieht sogar der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vor.
Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, gilt als einer der vehementesten Gegner von "Gewaltspielen"
So auch diesmal, wenn auch nicht so, wie das vom "pro Verbot"-Lager vielleicht erwartet wurde: "Das ist Quatsch", konstatierte Pfeiffer im Rahmen einer Diskussion zum Thema auf der Cebit in Hannover.
Stattdessen fordert er, den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen mit Hilfe von Verordnungen und dem Schulgesetz einzudämmen. Wer effektiv etwas gegen Gewaltspiele erreichen wolle, solle stattdessen den "jungen Leuten die Gelegenheit zum Spielen" nehmen, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Zum Beispiel per Schulgesetz: Wer bis zum Nachmittag in einer Ganztagsschule die Bank drücke, habe gar keine Gelegenheit, vor PC oder Konsole zu verrohen.
Blöd und brutal durch Ballerspiele?
Ganz nebenbei entdeckt Pfeiffer darin auch ein Rezept gegen eine von ihm vermutete Verblödung per Daddel-Exzess. Denn in einigen Computerspielen sieht Pfeiffer "neue Erklärungen für das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie".
So bringe es "der durchschnittliche männliche Hauptschüler" auf fünf Stunden Medienkonsum am Tag: "Das ist ein krankes Leben", sagte Pfeiffer in dem von der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" moderierten Streitgespräch mit jugendlichen Computerspielern auf der Cebit.
Das von Pfeiffer geleitete Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hatte kürzlich eine Studie zu "Gewalt und Medien im Leben von Kindern und Jugendlichen" erstellt.
Die Ergebnisse hatten ihn zu der Forderung nach Einführung der Ganztagsschule geführt. Je mehr Zeit Kinder an Fernseher, Computer oder Spielkonsole verbrächten, desto schlechter seien sie in der Schule und desto anfälliger für Jugendgewalt. Wer Ego-Shooter und Kampfspiele spiele, bei dem erhöhe sich die Gewaltbereitschaft enorm.
Der Europameister des Autorennspiels "Need For Speed", Niklas Timmermann, verteidigte die Computerspiele: Bei "Taktikspielen" wie dem Ego-Shooter Counterstrike gehe es auch darum, "mal durchzugreifen" und "auf den Tisch hauen" zu können. Das fördere Qualitäten, die man später als Führungskraft im Berufsleben gebrauchen könne.
Auf der Cebit kämpfen an diesem Wochenende Hunderte Spieler bei den "World Cyber Games" um die Europameisterschaft bei populären Spielen wie "WarCraft 3", "Need for Speed" und "Counterstrike".
pat/AP
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