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14.03.2006
 

Murdochs späte Einsicht

Aus Zeitung wird News-Seite

Jetzt hat auch Rupert Murdoch das Potential des Internets für die Medienbranche erfasst. Mehr noch: Der Skeptiker hat sich zum Web-Propheten gewandelt. Die Zeitung sieht er im Niedergang – und vergleicht die Blogosphäre mit der Entdeckung der neuen Welt.

"Die Medien", sagte Rupert Murdoch am gestrigen Abend in einer einsichtsvollen Rede vor dem traditionsreichen Zeitungsverleger-Club "Worshipful Company of Stationers and Newspaper Makers" in London, "werden wie Fast Food werden." In der Zukunft würden die Nachrichten-Konsumenten die Ware Nachricht "wo, wann und wie sie wollen" abrufen, über Geräte, die an Sonys PSP erinnerten - und auf jedem anderen denkbaren elektronischen Wege. Die Zeit der Zeitung in ihrer gedruckten Form aber ginge dem Ende entgegen, so der Zeitungs-Zar Murdoch, Kopf eines der einflussreichsten klassischen Medienunternehmen der Gegenwart. Mehr noch: Die Ära der Medien-Zaren selbst ginge zu Ende - und ausdrücklich schloss er da sich und sein Unternehmen News Corp. ein.

Medien-Saulus wird New-Media-Paulus: Der einstige Internet-Skeptiker Rupert Murdoch sieht die Zukunft der Zeitung ans Web gebunden
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Medien-Saulus wird New-Media-Paulus: Der einstige Internet-Skeptiker Rupert Murdoch sieht die Zukunft der Zeitung ans Web gebunden

"Wer glaubt, eine glorreiche Vergangenheit schütze ihn vor den durch den technologischen Fortschritt befeuerten Umwälzungen, wird scheitern und fallen", so Murdoch. "Es ist von höchster Wichtigkeit, dass Zeitungen ihren Lesern die Auswahl ermöglichen, journalistische Inhalte über die Seiten der Zeitung oder über Webseiten wie 'Times Online' anzubieten oder - und das ist wichtig - über jede andere technische Plattform, die der Leser attraktiv findet, wie Mobiltelefone, mobile Lesegeräte, iPods, was auch immer."

Murdoch, der soeben seinen 75. Geburtstag feierte, ist ein Spätbekehrter. Wie viele Medienunternehmer, die ihre Wurzeln tief im Zeitungs- und Fernsehgeschäft haben, ignorierte er lange die ab Mitte der Neunziger durch das Internet eingeleiteten Umwälzungen der Medienlandschaft. Nur wenige Kollegen und Konkurrenten wie beispielsweise der Verleger der "New York Times", Arthur Sulzberger, erkannten das Ausmaß der Veränderungen der Medienwelt zu einem frühen Zeitpunkt. Auf einem Medienkongress Ende der Neunziger hatte Sulzberger ganz ähnliche Thesen zur Veränderung der Lese- und Rezeptionsgewohnheiten der Medienkonsumenten geäußert wie nun Murdoch. "Wenn die Konsumenten danach verlangen, ihre Zeitung telephatisch geliefert zu bekommen, werden wir auch das versuchen", hatte Sulzberger damals gesagt.

Spät, aber sehr gründlich geht der Medien-Tycoon Murdoch nun jedoch noch einen Schritt weiter: Die technischen Umwälzungen verändern nicht nur das Nachfrageverhalten von Seiten der Medienkonsumenten, erklärte er seinen Verleger-Kollegen. Sie verändern den kommunikativen Raum selbst, nehmen so "dem Redakteur, dem Chefredakteur und dem Verleger" Macht und Einfluss und "ermächtigen die Leser". Die eroberten sich soeben den medialen Raum des Internet in dieser "zweiten Ära der großen Entdeckungen". Blogs, Fotoseiten und Community-Angebote wie MySpace (das Murdochs News Corp. kürzlich für stolze 580 Millionen Dollar gekauft hatte) unterstrichen, wie weit die Veränderungen gingen.

Medien werden wie Fastfood

Und die seien nicht nur verlockend und voller Chancen, sondern auch bedrohlich. Gerade innerhalb der Zeitungsbranche macht Murdoch da Angst vor der eigenen Courage aus. Das aber bringe gar nichts: "Für Sie ist dies ein Zeitalter der Ängstlichkeit. Eine Ära, in der Technologie und Wissenschaft riesige Bedrohungen darzustellen scheinen, statt für große Chancen zu stehen. Tatsächlich sehen wir uns mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert."

Denen man sich stellen müsse, wenn man nicht untergehen wolle: Friss oder stirb, pass Dich an oder sterbe aus, hieß das im Klartext. Und darum hätten klassische Medienunternehmen auch gar keine Wahl, als sich auf diesen Umbruch der Medienlandschaft einzulassen: "Ich glaube", sagte der Zeitungsverleger Murdoch, "dass die traditionelle Zeitung noch lange Jahre leben wird, aber zugleich, dass Druckerschwärze auf Papier nur noch ein Weg von vielen sein wird, auf denen wir unsere Leser erreichen." Immer wieder floss dabei die "junge Leserschaft" in seine Rede ein und beschrieb damit treffend, dass gerade die abgrundtiefe Krise der Zeitungen weltweit vor allem durch einen Bruch der Mediengewohnheiten zwischen den Generationen bedingt ist - junge Leser kehren der papiergebundenen Zeitung, die per definitionem die Nachrichten von gestern verbreitet, in Massen den Rücken und lesen stattdessen online.

Aus dieser Krise sieht Murdoch nur noch einen Weg: An den technischen Entwicklungen an vorderster Front teilzunehmen und zugleich qualitativ hochwertige, "dynamische und aufregende Inhalte" zu schaffen.

Die Verleger und Medienmacher, die sich darauf einließen, verglich Murdoch mit Christoph Kolumbus und den anderen großen Entdeckern im "ersten Zeitalter der großen Entdeckungen". Wir, so Murdoch, lebten in einer zweiten solchen Ära, in einem Zeitalter, in der jede Veränderung, aber auch alle Stabilität abhinge vom "freien Fluss der Information", die wichtiger sei als jemals zuvor. Murdoch: "Wir alle, nicht nur die Eliten, befinden uns auf einer Reise. Und wie weit das Ziel gesteckt ist, dem uns Technologie entgegen tragen wird, hängt nur ab vom Maß unserer Kreativität, unserer Zuversicht und unseres Mutes."

Frank Patalong

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04.09.2009 von rabenkrähe:

...... Nur wird für diesen kleinen Luxus eine Elite immer mehr bezahlen müssen, als Massenmedium wird jedenfalls die Zeitung nach bisherigem Muster verlorengehen, oder immer größeren Einheiten und Zusammenschlüssen weichen [...] mehr...

04.09.2009 von felixw: In Zukunft ja, aber noch ein paar Jahrzehnte Papier

Das aktuelle Zeitungssterben in den USA und auch die Verkaufsrückgänge haben mehr mit der Krise zu tun. Prinzipiell haben Sie recht, jedenfalls sehe ich das auch so. Ich habe vor etwa 12 Jahren mit dem Lesen von E-Books begonnen [...] mehr...

17.08.2009 von saul7: Bin nicht sicher,

dass das "Zeitungssterben" in den USA ein lang anhaltendes Phänomen bleiben wird. Sicherlich sind einige der Pleiten auch auf die wirtschaftliche Gesamtsituation in den USA (rückläufige Werbeaufträge) zurückzuführen. [...] mehr...

17.08.2009 von PaulNeu:

1. In den USA hat das Zeitungssterben schon begonnen. Was in den USA passiert, wird hier mit zeitlicher Verzögerung auch kommen. 2. Das Ebook der Zukunft wird ähnlich sinnlichen Bezug ermöglichen, bei Bedarf auch in edlem [...] mehr...

17.08.2009 von saul7: Ich halte

diese Themen wie "Stirbt das Buch"?, "Stirbt die Zeitung"? et cetera für interessant. Und meine Meinung dazu ist eindeutig: Weder das Buch noch die klassische Tageszeitung oder die Periodika werden jemals gegen [...] mehr...

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