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Neues Urheberrecht Was ist erlaubt? Was ist verboten?

2. Teil: Im zweiten Teil: Verbraucherschützer protestieren, die Industrie hält den Ball flach - die Reaktionen zeigen, wer wie glücklich mit der neuen Regelung ist. Die Debatte geht nun erst richtig los. Weiter...

Die Gesetzesvorlage habe, so Bettin, das "Urheberrecht endgültig verkocht". Zu guter Letzt sei die Ministerin auch noch bei der Bagatellklausel eingeknickt."

Markus Beckedahl, Vorstand des Netzwerks neue Medien pflichtet ihr bei: "Für das private Kopieren von Musik drohen nun drei Jahre Haft - auch auf dem Schulhof. Zwar können die Verfahren aufgrund von Geringfügigkeit eingestellt werden - doch sind hier die Verbraucher von der Laune und regionalen Befindlichkeiten der Staatsanwaltschaften abhängig. So kann es passieren, dass die nicht-gewerbliche Weitergabe von Mix-CDs an Freunde in Bayern Anlass für eine strafrechtliche Verfolgung sein kann, während es im Norden nicht verfolgt wird."

Edda Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert: Es sei nun zu befürchen, dass - durch den von Zypries ebenfalls in Aussicht gestellten Auskunftsanspruch der Copyright-Halter gegenüber Internet-Providern - auf Eltern jugendlicher Internetnutzer eine Flutwelle von Abmahnungen mit erheblichen Anwaltskosten zukomme. Nun müsse man fürchten, auch wegen kleinerer Verstöße strafrechtlich belangt zu werden, obwohl für den Verbraucher in den meisten Fällen nicht erkennbar sei, welche Downloads legal und welche illegal sind.

Das aber weist Justizministerin Brigitte Zypries im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weit von sich: "Wenn Sie morgen im Internet eine Kopie von 'Basic Instinct 2' herunterladen, wissen Sie doch, dass die da definitiv nicht hingehört." Ansonsten seien die Befürchtungen vor massenhaften Abmahnungen oder Anzeigen völlig überzogen. Schon die bisherige Praxis zeige, dass die Staatsanwaltschaften die Verfahren, die Bagatellcharakter hätten, in aller Regel einstellten. Gewerbsmäßige Raubkopie müsse dagegen mit Härte unterbunden werden.

Doch die Kritik endet nicht beim Thema Bagatellklausel. Auch mit der angeblichen Aufrechterhaltung des Rechtes auf Privatkopie sei es so weit nicht her, argumentiert Markus Beckedahl vom Netzwerk neue Medien. Es sei doch paradox, "dass das Anfertigen privater Kopien zulässig, aber die Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen unter Strafandrohung verboten ist."

Tatsächlich schreibt der noch vom Bundestag zu genehmigende Gesetzesentwurf fest, dass es ein prinzipielles Recht auf Kopien zum privaten Gebrauch gibt. Allerdings heißt es in dem Entwurf auch: "Auf eine Durchsetzung der Privatkopie gegen technische Schutzmaßnahmen des Verwerters wird verzichtet."

Im Klartext: Dem Bürger wird zwar ein Recht eingeräumt, zugleich aber der Industrie erlaubt, die Wahrnehmung dieses Rechtes zu verhindern.

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DJ Doena 20.05.2005
Zuerstmal: Nein ich bin kein Raubkopierer, meine DVDs sind alle "original" (zu diesem Begriff später). Jetzt aber: Das Wort Raubkopie ist ein Kampfbegriff der Content-Industrie, die selbst nichts produziert, sondern [...]
Zuerstmal: Nein ich bin kein Raubkopierer, meine DVDs sind alle "original" (zu diesem Begriff später). Jetzt aber: Das Wort Raubkopie ist ein Kampfbegriff der Content-Industrie, die selbst nichts produziert, sondern lediglich vermarktet - sich aber hinstellt, als würde ohne sie die Welt untergehen. Raub impliziert einen Diebstahl unter Androhung bzw. Anwendung von Gewalt, sei es körperlicher oder mit Hilfe von Waffen. All dies geschieht aber beim "raubkopieren" nicht. Beim raubkopieren wird lediglich eine vom Verwerter nicht genehmigte Kopie eines Stückes erstellt. Es wird auch keineswegs ein Original kopiert, schließlich ist die handelsübliche CD/DVD auch nur eine Kopie vom Master - allerdings sind sie eine genehmigte. Der Einfachheit halber werde ich die Begriffe Raubkopie und Original verwenden, auch wenn sie sachlich falsch sind) §53 gab uns im alten Urheberrecht die Möglichkeit, von einem Original eine gewisse Anzahl Kopien zu fertigen. Dies hat man getan, weil man den Einzelnen nicht überwachen konnte und wollte. Als Ausgleich wurden die Verwertunsgesellschaften eingeführt. Diese nehmen pauschal für einen Rohdatenträger eine Gebühr und führen diese an die eigentlichen Urheber weiter. Bekannt sind sie unter dem Namen GEMA, VG Wort, etc. D.h. jedesmal wenn ich eine 10er Schachtel CD-Rohlinge kaufe oder den firmeninternen Fotokopierer anschmeisse, bekommen diese Gesellschaften Geld von mir - auch wenn ich selbst der Urheber des kopierten Materials bin. Und so hat sich eine nette kleine Allianz zusammengetan aus Vermarktern, die nichts produzieren, sondern nur verkaufen und Verwertungsgesellschaften, die ebenfalls nichts produzieren sondern nur Gebühren eintreiben. Und beschissen werden sowohl die Urheber, als auch die Verbraucher, da beide Organisationsteile das Geld wie ein schwarzes Loch anziehen, aber nach hinten für die eigentlichen Produzenten aka Urheber kaum was abfällt. Und weil sie sich da so schön einig sind, wird seitens der Vermarkter versucht, kopieren rechtlich und technisch zu unterbinden, was die Verwertungsgesellschaften nicht im geringsten daran hindert, immer höhere Gebühren für das Rohmaterial zu fordern, sowie immer neue Geräte als gebührenpflichtig zu deklarieren. Und so kommt es, dass angeblich der PC als ganzes, zusätzlich der Brenner und der Drucker als "primär zum vervielfältigen" benutzt wird, und deshalb gebührenpflichtig wird, obwohl die meisten Originale aufgrund des Kopierschutzes gar nicht mehr kopiert werden dürfen (das können steht auf einem anderen Blatt).
DJ Doena 20.05.2005
Und so sieht mancher Verbraucher nicht mehr ein, warum er 17,99€ für eine (Un-)CD ausgeben soll, wenn er sogar schon den Film für 9,99€ bekommt und nicht sichergestellt ist, dass dieser auf seinen Geräten überhaupt abspielbar ist. [...]
Und so sieht mancher Verbraucher nicht mehr ein, warum er 17,99€ für eine (Un-)CD ausgeben soll, wenn er sogar schon den Film für 9,99€ bekommt und nicht sichergestellt ist, dass dieser auf seinen Geräten überhaupt abspielbar ist. Des weiteren ist die Argumentation der Vermarkter, dass jede Raubkopie eine entgangene Einnahme ist, für psychologischen Unsinn. Viele (natürlich nicht alle) laden sich Filme, die sie sich ohne diese Möglichkeit trotzdem nicht im Kino angesehen hätten, manche werden vielleicht sogar gerade wegen der Kopie (die ihnen gefallen hat) noch einmal ins Kino gehen. Die Einnahmeverluste der Musikindustrie sind meiner Meinung nach eher auf die extrem gefallene Qualität der Musik zurückzuführen. Wer beim ersten Album nicht gleich Topquoten bringt ist schon wieder raus aus dem Business und hat gar keine Chance sich zu entwickeln und evtl. zum Superstar zu werden und dann für die Vermarkter zum Goldesel zu werden. Des weiteren ist es für mich als Kinogänger und DVD-Sammler ein echtes Ärgernis, als permanenter Verbrecher tätuliert zu werden (man bekommt das Gefühl, die Content-Industrie sieht den Verbraucher nicht als Kunden, sondern als Feind). Egal in welchen Film ich gehe oder welche DVD ich einlege, ich werde mindestens einmal daran erinnert, dass ich zu den Arschfickern mit den schwedischen Gardinen komme, wollte ich es auch nur wagen, ihre DVD/CD zu kopieren oder den Film abzufilmen. Diese Intros sind (antürlich!) nicht überspringbar und kommen jedesmal, wenn ich meine legal erworbene DVD in den Player einlege. Und hier kommt der Kasus Knacksus: Der Filmkopierer wird sich von diesem lächerlichen Spot nicht abhalten lassen und der Käufer fühlt sich ans Bein gepinkelt! Toll gemacht, Content-Industrie, so entsteht Kundebindung!! (Wer den Sarkasmus findet, möge ihn weiterverwenden).
FjodorM 20.05.2005
Ich nehme an, dieser Forenstrang bezieht sich mehr oder minder direkt auf den Artikel über die bereits aufgetauchten ersten Kopien von Star Wars III. Star Wars egal wie viel ist ein Produkt, dessen Zielgruppe eine bereits [...]
Ich nehme an, dieser Forenstrang bezieht sich mehr oder minder direkt auf den Artikel über die bereits aufgetauchten ersten Kopien von Star Wars III. Star Wars egal wie viel ist ein Produkt, dessen Zielgruppe eine bereits existierende Fangemeinde ist. Dies trifft zwar nicht auf jeden Film zu, dafür aber im Großen und ganzen auf die gesamte Musikindustrie, welche genau so heult wie (wenn nicht gar schlimmer als) die Filmindustrie. Und Produkte für Fans haben eine ganz schöne Eigenschaft: Fans gehen trotzdem ins Kino, Fans kaufen trotzdem die Special Edition DVD, auch wenn sie bereits den Film aus dem Netz geladen haben. Für die Industrie ist der entstehende Schaden nahe Null. Des weiteren gilt für so ziemlich alle "raubkopierten" Produkte: Sie sind Zusatz. Wer ein Musikstück oder einen Film mag, kauft sich die CD oder DVD. Das, was heruntergeladen wird, besitzt der böse Kriminelle bereits, oder würde es sich sowieso nicht kaufen. Wieder ist der Verlust respektive entgangene Gewinn nahe Null. Der einzige Verlust, den die Musik- oder Filmindustrie macht, ist der Ansehensverlust, den sie sich selbst zufügt, in dem sie in ihren Kampagnen den Kunden als Kriminellen abstempelt. Und wer nicht kriminell sein will, will folglich auch wieder Kunde sein. Der Grund für den fallenden Gewinn der Musikbranche: Einheitsgedudel, Kreativitätsmangel, Sampling (ist das nicht auch Raubkopie, nämlich von geistigem Eigentum anderer?) Talentmangel (Hauptsache sie sieht gut aus, ob sie singen kann ist unwichtig) und soooooo viele Hypes, dass sie sich gegenseitig relativieren und annulieren. Auch Hysterie ist inflationär, wenn es zuviel davon gibt nimmt sie keiner mehr wahr.
Nevermind 20.05.2005
Danke fuer die fundierte Darlegung, DJDOENA. Ich sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. [...]
Danke fuer die fundierte Darlegung, DJDOENA. Ich sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. Dass dies so nicht stimmt, weiss man seit den 60ern, als man die (immer noch stark verwendete!) Audiokassette diskutierte. Es gibt nun mal Titel, die will man unbedingt im Original besitzen, auf andere verzichtet man eben, wenn man keine Kopie kriegen kann. Wenn die Industrie Originale verkaufen will, dann muss sie etwas dafuer tun! Ein erster Schritt zur Verkaufsfoerderung waeren/sind (immerhin wird das mittlerweile zum Teil erkannt!) CDs, die sich problemlos nicht nur auf (herkoemmlichen) CD-Decks, sondern auch auf mikroprozessorgesteuerten Decks (PC, Auto-Player) abspielen lassen. Es ist nicht hinzunehmen, ein Produkt zu kaufen, das letztlich in der Verwendung stark eingeschraenkt ist - zum Teil ist diese Einschraenkung auf den CDs kaum zu erkennen, wenn man sich nicht auskennt (ich wiederhole: in den letzten 2 Jahren hat sich das etwas gebessert). Wenn ich eine CD/DVD kaufe, beanspruche ich das Recht, meine Kopien zu ziehen, auch wenn dies das Brechen des Kopierschutzes bedeutet. Es ist auch klar, dass jemand, der einen PC erwirbt, auch dessen Features nutzen will.
christian simons 20.05.2005
Sind Sie da so sicher? In meinem Dunstkreis erlebe ich folgendes Verhalten: Filme werden zwar einerseits aus dem Netz geladen, um ein Provisorium für die weit in der Zukunft liegende DVD-Veröffentlichung zu haben. Tonträger [...]
Zitat von NevermindIch sehe auch den Hauptfehler/die Hauptverarschung seitens der Content-Industrie in dem Ansatz/der Behauptung, kopierte CDs/DVDs wuerden gekauft, haette der User sie nicht kopiert. Dass dies so nicht stimmt, weiss man seit den 60ern, als man die (immer noch stark verwendete!) Audiokassette diskutierte.
Sind Sie da so sicher? In meinem Dunstkreis erlebe ich folgendes Verhalten: Filme werden zwar einerseits aus dem Netz geladen, um ein Provisorium für die weit in der Zukunft liegende DVD-Veröffentlichung zu haben. Tonträger werden andererseits "gesaugt", um sich den Kauf der CD zu sparen. (Der Vergleich mit der alten Audiokassette hinkt da etwas, da es damals zwischen offiziellem Tonträger und Privataufnahme immer gewaltige Qualitätsunterschiede gab.) Sehen Sie sich mal in einem Media- oder Pro-Markt um: Hochbetrieb vor den DVD-Regalen, gähnende Leere in der Musikabteilung... Man erzähle mir nicht, dass dies nicht auch etwas mit "Bittorent" und Co. zu tun hat, wo man in einen Musikdownload mit Original-Qualität nur wenige Minuten, aber in einen Filmdownload von oft zweifelhafter Qualität mehrere Stunden investieren muss. Ich persönlich kann aber auch nicht den Moralapostel spielen, weil ich im Falle einer nur in den USA aktuell ausgestrahlten Fernsehserie, deren DVD-Box ich frühestens im August dieses Jahres ordern kann (was ich dann auch tun werde.), jede Woche sündig werde. Ich bin also kein RAUBkopierer, sondern ein LEIHkopierer, der die Rechnung mit ein paar Monaten Verzögerung zahlt. :-)
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