ThemaGamers' CornerRSS

Alle Kolumnen

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.04.2006
 

Interview mit Xbox-Manager

"Blu-ray erinnert uns an Betamax"

Chris Lewis ist bei Microsoft für den europäischen Markt für Spielkonsolen zuständig. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE stichelt er gegen den Konkurrenten Sony, klagt über die Schwierigkeiten mit der Xbox 360 in Japan und verrät, wie Microsoft sich den deutschen Gamer vorstellt.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Xbox-360-Konsolen wurden weltweit bislang verkauft?

Chris Lewis: Ende Juni werden wir zwischen 4,5 und 5,5 Millionen abgesetzt haben. Wir haben in 19 Ländern angefangen, inzwischen sind wir in 30 Ländern vertreten. Ende Juni werden 80 Spiele für die Konsole auf dem Markt sein, einschließlich Spielen, die man von unserem Onlinedienst "Arcade" herunterladen kann. Es ist toll, dass Europa direkt beim Start dabei war, so wie die USA und Japan. Europa ist der entscheidende Markt für unseren weltweiten Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Der Markt, mit dem Sie vermutlich am wenigsten zufrieden sind, ist wohl Japan. In den ersten Wochen des Jahres 2006 wurden dort immer noch mehr von Nintendos Gamecube- und Sonys Playstation2-Konsolen verkauft als von der Xbox 360.

Lewis: Das ist ein schwieriger Markt für uns. Es ist entscheidend, dass wir dort die richtigen Spiele herausbringen. Wir machen Fortschritte, aber es ist schwierig. Wir versuchen, sicherzustellen, dass wir die richtigen Inhalte, die richtigen Leute und das richtige Marketing für Japan bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Ein französischer Sony-Manager hat vor kurzem gesagt, die Playstation 3 (PS3) werde etwa 600 Euro kosten - die Ankündigung wurde aber kurz darauf relativiert. Hätte Sony mit so einem hohen Preis eine Chance auf dem Markt?

Lewis: Wir wollen uns nicht von dem ablenken lassen, was die ankündigen oder nicht ankündigen. Was die sagen, wird vielleicht nie Realität. Es ist interessant, aber wir sind sehr darauf konzentriert, was wir tun. Es ist mir eigentlich egal, wann sie mit der neuen Konsole starten. Ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir tanzen zu unserem eigenen Rhythmus. Die Verbraucher stimmen mit ihren Geldbeuteln ab. Wir haben die Next-Generation-Konsole, es gibt sie jetzt, in High Definition, mit tollen Inhalten. Warten wir ab, was von dort tatsächlich kommt.

SPIEGEL ONLINE: Die PS3 wird ein Blu-ray-DVD-Laufwerk für hochauflösende Filme enthalten - das könnte für viele ein Argument sein, sich eine zuzulegen ...

Lewis: Blu-ray erinnert uns im Moment an eine andere Technologie von Sony, nämlich Betamax. So wie seinerzeit VHS glauben wir, dass HD DVD das Format ist, dem sich Verbraucher, Filmstudios und Spielefirmen zuwenden werden. Was die zusätzlichen Kosten durch das Blu-ray-Laufwerk betrifft: Wir glauben, es geht darum, den Konsumenten eine Auswahl zu bieten, nicht, sie über Gebühr für eine Technologie zahlen zu lassen, die sich erst noch beweisen muss. Es ist ein interessanter Spielzug - wir beobachten das, aber ich denke, unser Angebot ist breiter und flexibler. Es belastet die Verbraucher nicht mit einem Kostenfaktor, der möglicherweise vergeudet ist.

SPIEGEL ONLINE: Kommt das externe HD-DVD-Laufwerk für die Xbox 360?

Lewis: Mit Sicherheit, ja. Wir werden bei der Electronic Enternainment Expo (E3) in Los Angeles mehr darüber sagen. Es wird den Leuten die Möglichkeit geben, HD DVD zu nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Xbox 360 hat kein HDMI-Interface (siehe Kasten) - man wird also gar keine HD-DVD-Filme ansehen können, weil der obligatorische Verschlüsselungsmechanismus fehlt.

Lewis: Alles was ich sagen kann ist - es gibt da interessante Entwicklungen. Wir werden sicherstellen, dass das HD-DVD-Gerät alle Voraussetzungen erfüllt, damit die Konsumenten High-Definition-DVDs genießen können.

SPIEGEL ONLINE: Man wird sich damit also Hollywoodfilme in hoher Auflösung ansehen können.

Lewis: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Hat das Laufwerk also seinen eigenen HDMI-Ausgang?

Lewis: Sie werden bei der E3 mehr zu dieser Frage hören.

HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr

HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').

SPIEGEL ONLINE: Einige Webseiten haben Bilder aus einer angeblichen Microsoft-Broschüre veröffentlicht, die eine Kamera zeigen, die an Sonys EyeToy erinnert. Fast parallel hat Sony angekündigt, die PS3 werde Videoblogging unterstützen. Planen sie für den Onlinedienst Xbox Live das gleiche?

Lewis: Auch dazu kann ich im Moment noch nichts sagen, außer "demnächst in diesem Theater".

SPIEGEL ONLINE: EyeToy ist ja in Europa und Japan sehr erfolgreich, ebenso wie der Nintendo DS mit seinem Touchscreen, die "Buzz"-Druckknöpfe für Quizspiele und Ähnliches. Die Menschen scheinen Gefallen an anderen Interaktionsmöglichkeiten zu finden als mit herkömmlichen Controllern. Nintendo setzt mit seiner Revolution-Konsole ganz auf dieses Prinzip. Hat Microsoft da eine wichtige Entwicklung verschlafen?

Lewis: Ich gebe Ihnen recht, dass die Leute große Lust auf solche alternativen Peripherie-Geräte haben. Das ist uns bewusst, und wir werden die richtigen Entwicklungen auf den Weg bringen, um daraus Kapital zu schlagen. Es ist wichtig für uns, alle Arten von Spielern anzusprechen, Familiengruppen, jüngere Spieler, ältere Spieler, Männer und Frauen. Unsere Investitionen in diesem Bereich, den Sie ansprechen, werden für unseren Erfolg entscheidend sein.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Nutzer loggen sich ungefähr bei ihrem Onlinedienst Xbox Live ein mit der neuen Konsole?

Lewis: Mit der ersten Xbox loggten sich etwa 10 Prozent der Kunden in das Netzwerk ein. Mit der Xbox 360 sind ungefähr 50 Prozent an Xbox Live angeschlossen. Zehn Millionen Artikel wie Trailer, Spieldemos, Musikvideos und Xbox-Live-Arcade-Spiele sind schon heruntergeladen worden. Das ist eine höhere Downloadquote als iTunes am Anfang hatte. Das zeigt, wie wichtig Online-Gaming für die Xbox ist und wie begeistert die Leute sich daran beteiligen. Der Bereich Online-Entertainment besteht ja nicht nur aus Spielen. Wir haben zum Beispiel gerade erst eine exklusive Partnerschaft mit der Plattenfirma Epic-Records angekündigt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eben die Lionhead-Studios von Star-Designer Peter Molyneux aufgekauft. Wird "Populous"-Erfinder Molyneux dabeibleiben? Schließlich hat er schon einmal seine eigene Firma verlassen, nachdem sie von Electronic Arts aufgekauft worden war.

Lewis: Peter arbeitet sehr gern mit uns zusammen. Wir kooperieren schon einige Zeit. Er wird weiterhin in Guilford als Chef der Lionhead-Studios arbeiten, und er ist darüber ebenso froh wie wir.

SPIEGEL ONLINE: Ist dieser Kauf - nachdem Microsoft schon renommierte Studios wie Bungie ("Halo") und Rare ("Goldeneye", "Kameo") übernommen hat - ein weiterer Schritt zu exklusiven Inhalten für die neue Konsole? Lernen Sie von Nintendos extrem restriktiver Lizenzpolitik?

Lewis: Wir brauchen tolle, exklusive Spiele, um zu gewinnen, das ist eine der entscheidenden Lektionen, die wir ständig lernen. In verschiedenen Teilen Europas gibt es verschiedene Bedürfnisse. Der deutsche Markt hat einen etwas anderen Geschmack als der in Großbritannien oder Spanien. Wir müssen die Inhalte entsprechend anpassen.

SPIEGEL ONLINE: Wie stellt man sich bei Microsoft denn die deutschen Gamer vor?

Lewis: Hier ist es wichtig, dass Spiele auf intelligente Art Spaß machen. Unsere Strategiespielreihe "Age of Empires" ist hier sehr erfolgreich. Sie haben eine riesige, begeisterte Fangemeinde hier für solche Spiele. Wir bemühen uns sehr zu verstehen, was für jeden einzelnen Markt wichtig ist, und Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel.

Die Fragen stellte Christian Stöcker

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Gamers' Corner

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP