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25.04.2006
 

Blogger-Vergehen

Pulitzer-Preisträger kommentierte sich selbst

Von Holger Dambeck

Es war ein gefundendes Fressen für medienkritische US-Blogger: Pulitzer-Preisträger Michael Hiltzik hat sich und seine Texte in Kommentaren auf fremden Blogseiten gelobt - und zwar anonym. Sollten Journalisten besser die Finger vom Bloggen lassen? 

Bloggen ist in. Seit auch der hinterletzte Trendscout glaubt, dass darin - und in Podcasts, Mash-ups und Community-Sites - die Zukunft des Internets liegt, müssen auch Journalisten klassischer Zeitungen und Zeitschriften nebenher noch ein bisschen bloggen - im Auftrag ihres Arbeitgebers.

Das funktioniert aber nur bedingt, wie man auch in den Webtagebüchern deutscher Zeitungsredakteure nachlesen kann. Es ist zwar ziemlich einfach, eine Stilform - die der Blogs - zu übernehmen - den Spirit von Blogs, was dieser auch immer sein mag, erreicht man dadurch jedoch nicht automatisch.

In den USA ist nun ein bloggender Pulitzer-Preisträger, Michael Hiltzik, in die Eigenkommentarfalle getappt. Sein Arbeitgeber, die "Los Angeles Times", hat das Internet-Blog des Redakteurs bis auf weiteres eingestellt, weil dieser Kommentare unter anderem Namen veröffentlicht hatte.

Die Postings von Hiltzik würden im Einzelnen noch geprüft, sagte eine Sprecherin des Zeitungsverlags. Hiltzik habe aber bereits eingeräumt, Kommentare unter anderem Namen in seinen Blog gestellt zu haben. Hiltzik erhielt 1999 zusammen mit einem Kollegen einen Pulitzer-Preis für eine Serie von Artikeln über Korruption in der Unterhaltungsindustrie.

Verstoß gegen Ethik-Richtlinien

Hiltzik hatte sich offenbar über Verrisse seiner Texte so sehr geärgert, dass er deren Autoren unter einem Pseudonym die Meinung sagte. Dies geschah mit der Kommentarfunktion in den Blogs seiner Kritiker. Später verwies er in seinem eigenen Tagebuch auf die für ihn freundlichen Kommentare in der Blogosphäre, die er aber selbst verfasst hatte.

Herausgekommen war das Ganze, nachdem ein Blogger, mit dem sich Hiltzik öfter unter Pseudonym gezofft hatte, Verdacht schöpfte und anfing, IP-Adressen zu vergleichen. Der so entlarvte Hiltzik versuchte sich noch damit zu rechtfertigen, dass es im Internet ja die Möglichkeit zur anonymen Meinungsäußerung gebe - aber als Entschuldigung wollte ihm das niemand abnehmen. Sein eigenes Blog wurde vorerst dichtgemacht. Eine Sprecherin der "Los Angeles Times" erklärte, man betrachte die anonymen Postings als Verstoß gegen die Ethik-Richtlinien des Blattes.

In US-Blogs begann daraufhin eine Grundsatzdiskussion über die Frage, ob Redakteure klassischer Medien überhaupt bloggen sollten und ob das Ganze nicht von Vornherein zum Scheitern verurteilt sei.

Bob Cauthorn von der Seite Citytools.net meinte in einem Kommentar auf der Seite Online Journalism Review, dass die klassischen Verlage so ihre Schwierigkeiten mit der Interaktivität hätten. "Selbst wenn die Öffentlichkeit Kommentare abgibt, wollen die Medien das letzte Wort haben." Medienmacher seien noch zu sehr auf den Modus "Wir sprechen, ihr hört zu" geeicht.

Haben Journalisten keine eigene Meinung?

Nick Denton von Gawkers Media sieht sogar ein generelles Problem für Journalisten, die bloggen. "Reporter sind geschult, Meinung beseite zu lassen, und machen deshalb uninteressante Blogs", sagte er gegenüber Online Journalism Review. Ein nur teilweise nachvollziehbares Argument - schließlich schreiben zumindest einige Journalisten auch regelmäßig Kommentare.

Ganz generell zeigt der Fall Hiltzik aber, wie leicht die Kommentarfunktion von Blogs missbraucht werden kann (und im Einzelfall sicher auch missbraucht wird). Vor allem, wenn anonym gelobt und getadelt wird, kann der Leser nie sicher sein, ob er hier nicht gerade eine Scheindebatte verfolgt, die ein eitler Autor am Leben erhält.

Bei Verbraucherportalen konnte man schon vor einigen Jahren beobachten, wie PR-Texter im Auftrag von Firmen, die sich schlecht dargestellt fühlten, auffällig positive Produktbewertungen verfassten. Blogs dürfte ein ähnliches Schicksal drohen - zumindest all jenen, die sich mit wirtschaftlich relevanten Themen befassen. Womöglich muss man sich dann von der anonymen Kommentarfunktion verabschieden, um glaubwürdig zu bleiben.

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