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30.05.2006
 

Pornbritannia

Nackte Wahrheiten über das Web

Bibliothek des Weltwissens, Trödelmarkt für Trash- und Häppcheninfos oder Schmuddelecke für Sexsüchtige? Über die Qualitäten des WWW gibt es geteilte Meinungen. Was die nackten Tatsachen angeht, gibt es jedoch Erkenntnisse: Es ist alles viel schlimmer als befürchtet.

Es gibt nichts, was es im Web nicht gibt, aber eines gibt es in Hülle und Fülle: Pornografie. Wie hoch ihr Anteil am Gesamtaufkommen der im Web verfügbaren Angebote wirklich ist, ist nicht gesichert. Dass Suchbegriffe mit sexuellem Hintergrund die Charts der Suchmaschinen aber so unumstritten anführen würden, dass sie von den Suchdienstleistern gar nicht mehr aufgeführt werden, dagegen schon. Denn natürlich ist die Internet-Branche um ein sauberes Image bemüht.

Immer da, immer nackt: Das Web hat Pornografie allgegenwärtig gemacht

Immer da, immer nackt: Das Web hat Pornografie allgegenwärtig gemacht

Doch Schätzungen zufolge setzen die Betreiber kommerzieller pornografischer Webseiten unglaubliche 30 Milliarden Euro im Jahr um - eine Zahl, deren Bedeutung man nur vor dem Hintergrund der zahlreichen kostenlosen und auch illegalen Angebote wirklich begreift. Kein Zweifel: Der Rotlichtbezirk im Web ist zu groß, um ihn wegzureden - und so groß, dass er auch in Zeiten immer treffsicherer Suchmaschinen kaum zu ignorieren ist. Gut die Hälfte aller Kinder in Großbritannien, das ist einer aktuellen Studie von Nielsen Webratings zu entnehmen, sind bereits über Pornografie gestolpert, als sie nach etwas ganz anderem suchten.

Kunststück: Wer nach beliebigen Vornamen sucht, findet "Vanessa" oder "Erika" eben schnell auch nackt. Noch nie war Hardcorepornografie so allgemein und leicht verfügbar wie heute.

Und die Möglichkeiten werden natürlich genutzt. Die Nielsen-Studie, die für sich in Anspruch nimmt, nicht anekdotisch, sondern repräsentativ zu sein, geht davon aus, dass gut 25 Prozent aller Web-Nutzer Konsumenten von Online-Pornografie sind. Der britischen Zeitung "Independent", die die Studie in Auftrag gab, war das am Wochenende ein ganzes Special zum Thema mit Hintergrund- und Erfahrungsberichten wert.

"The Internet is for porn"

Die Zahlen der Studie beschreiben sozialen - oder wenn man so will: kulturellen - Sprengstoff. Rund 40 Prozent der männlichen Bevölkerung in Großbritannien, behauptet Nielsen, sind Pornosurfer. Damit aber nicht genug: Es sind Frauen, die die Statistik ganz besonders vorantreiben. So sei die Zahl der britischen Porno-Surferinnen in den letzten zwölf Monaten um satte 30 Prozent auf 1,4 Millionen gestiegen. Insgesamt setzten Großbritanniens Surfer regelrecht Rekorde: Nirgendwo wachse der Online-Pornomarkt schneller als dort. Schon jetzt sei den Briten die Cyber-Schmuddelei satte eineinhalb Milliarden Euro im Jahr wert. 

In die Kategorie anekdotischen, nicht per empirischer Forschung gesammelten Wissens gehört dagegen die Information, dass rund 40 Prozent aller Paare in Großbritannien, die eine Eheberatung aufsuchen, von Problemen berichten, die durch Internet-Pornografie verursacht worden seien. Die, zitiert der "Independent" Phillip Hodson von der British Association for Counselling and Psychotherapy, wirke offenbar als Ersatzbefriedigung im Sinne des Wortes: Der Pornokonsum wirke sich negativ auf das Sexualleben von Paaren aus. Aus "sexfaulen" Männern würden welche, die gleich ganz auf Intimität verzichteten.

Rechner läuft, Beziehung kaputt?

Doch Pornografie ist scheinbar nicht das einzige Problem, das das Web für Paare in petto hat. Gleich zwei aktuelle australische Studien behaupten, das Web wirke destabilisierend auf Beziehungen. Einer der Hauptgründe: Online-Flirtereien und "Cyber-Sex". Gut 50 Prozent aller angeblichen Singles, die sich dort in einschlägigen Börsen tummelten, lebten in Wahrheit mit Partnern und suchten nichts als den virtuellen oder echten Seitensprung. Schätzungen zufolge spielt "Internet-Untreue" bereits in gut fünf Prozent aller Scheidungsverfahren eine Rolle.

Die Frage nach den sozialen und psychologischen Implikationen der Pornografie-Flut über das Web wird seit Jahren ohne große Konsequenzen debattiert. Der Internet-DNS-Verwaltung ICANN lagen bereits seit Ende der Neunziger Vorschläge vor, durch die Schaffung einer Pornografie-Domain und die Einrichtung einer .kids-Zone das WWW stärker zu segmentieren - und so Schutzzonen und Rotlichtbezirke zu schaffen. Bisher verweigerte sich ICANN allen solchen Vorschlägen, zuletzt  angeblich auf Druck konservativer Kreise in den USA.

Fürsprecher findet die Online-Porno-Szene allerdings auch in Kreisen von Web-Aktivisten und Bürgerrechtlern: Sie lehnen jede Form der Zensur ab und sehen die Pornoangebote als vielleicht nicht unbedingt wünschenswerte, aber hinzunehmende Facetten der freien Meinungsäußerung. Kritiker der Schutzzonen-Forderung verweisen auf Filter wie die Software der ICRA, die inzwischen wirklich recht gut funktionieren. Ihr Nachteil: Wer nutzt schon Filter?

pat

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insgesamt 189 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.06.2006 von Dare Devil:

Eine rote Meile im Internet muss ja nicht unbedingt etwas mit staatlicher Zensur zu tun haben. Ernsthaft, solange Erwachsene weiterhin für sich die Entscheidung treffen können solche Seiten zu besuchen gibt es doch wirklich keinen [...] mehr...

17.06.2006 von the_immortal: Zeit für EINSICHT

Wie lange noch werden sich die Diskussionen der Menschen um den heißen Brei drehen? Das Thema Pornographie ist kaum wirklich das Thema. Sondern was von allen Seiten aus menschlicher Sexualität gemacht wird. Da ist einerseits [...] mehr...

09.06.2006 von DJ Doena:

Da gabs doch die coole Szene in "Kuck mal wer da spricht". Sowohl James als auch Mickey gucken einer Frau in den (großen) Ausschnitt. Und James fragt so: "Denkst du an das selbe wie ich?" Und Mickey [...] mehr...

09.06.2006 von chevy57: Pssst!

Sagen Sie das bloß nicht laut! Hier findet sich nämlich ruck-zuck jemand, der (oder die) diesen Gedanken aufgreift und eine entsprechende Petition an den Bundestag verfasst. Und bei dem Irrsinn, der dieser Tage in Berlin [...] mehr...

08.06.2006 von The_Big_Lebowski: Ich darf mich vorstellen.

Hallo erstmal, ich darf mich vorstellen. Ab heute bin ich hier Forumsmitglied. Wem mein Name zu lang ist, darf mich Big L. nennen. Zur Sache: Es gibt Programme, die indizierte Seiten automatisch sperren. Das [...] mehr...

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