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07.06.2006
 

Datendiebstahl

Daten von mehr als zwei Millionen US-Soldaten verschwunden

Eine Festplatte, die einem US-Beamten gestohlen wurde, enthielt auch Daten von 2,2 Millionen aktiven Angehörigen des US-Militärs. Die US-Regierung spricht von einem beispiellosen Verlust - und fürchtet um die Sicherheit der Streitkräfte. Wo die Daten inzwischen sind, weiß niemand.

Washington - So mancher dürfte inzwischen fieberhaft suchen nach der externen Festsplatte, die Anfang Mai aus dem Privathaus eines Angestellten des Ministeriums für Kriegsveteranen (Department of Veteran Affairs, VA) gestohlen wurde. Der Mann, der seinen Job inzwischen los ist - ebenso wie sein Vorgesetzter - hatte die Festplatte samt einem Dienstlaptop unerlaubt mit nach Hause genommen - und von dort wurde sie dann bei einem Einbruch gestohlen.

Logo des Department of Veteran Affairs: "Monumentaler Datenverlust"
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Logo des Department of Veteran Affairs: "Monumentaler Datenverlust"

Schon vor Wochen war die Beunruhigung groß gewesen, weil die Festplatte 26,5 Millionen Datensätze mit Privatem über ebensoviele Veteranen der US-Armee enthielt. Nun stellte sich etwas heraus, was die Beunruhigung noch einmal gewaltig steigert - die Festlatte enthält auch Daten von aktiven Soldaten, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf das Ministerium.

1,1 Millionen Soldaten sollen von dem Datenklau betroffen sein, zusätzlich 430.000 Angehörige der Nationalgarde und 645.00 Reservisten. Namen, Geburtstdaten und Sozialversicherungsnummern sind einem VA-Sprecher zufolge abhanden gekommen. Etwa 80 Prozent aller aktiven Militärangehörigen seien somit betroffen.

Sicherheitsexperten des Zentrums für strategische und internationale Studien in Washington (CSIS) sagten gegenüber der "Washington Post", mit den entwendeten Daten könnte herausgefunden werden, wo Mitarbeiter des US-Militärs lebten. Diese oder ihre Angehörigen könnten somit zum Ziel ausländischer Regierungen und Geheimdienste werden. Für diese Art der Informationen gebe es einen globalen Schwarzmarkt.

Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums sprachen von "monumentalem" Datenverlust und zeigten sich besorgt über die Sicherheit der US-Streitkräfte. Bisher hätten die Behörden aber keine Hinweise gefunden, dass die gestohlenen Informationen missbraucht wurden, so die "Washington Post".

Es ist nach wie vor unklar, ob der Dieb überhaupt weiß, welch brisantes Material er da in seinen Besitz gebracht hat. Die Polizei von Montgomery County veröffentlichte jetzt eine Beschreibung des Laptops und der externen Festplatte. "Er könnte bei einem Flohmarkt oder in einem Second-Hand-Laden aufgetaucht sein", sagte ein Polizeisprecher der "Washington Post".

Veteranengruppen kritisierten die Regierung dafür, so spät auf den Diebstahl reagiert zu haben. Sie sehen ihre persönlichen Rechte verletzt und klagen nun auf Entschädigung. Das Ministerium für Kriegsveteranen bekommt die Daten auch der aktiven Truppenteile, weil diese bestimmte Förderungen wie etwa Zuschüsse zum Bausparvertrag beantragen können.

Identitätsdiebstahl ist in den USA beunruhigend verbreitet. Schon im Februar 2005 hatten Diebe beispielsweise das Unternehmen ChoicePoint, das private Konsumentendaten sammelt, mit einem Trick zur Herausgabe von Daten über 150.000 Einzelpersonen gebracht. Seitdem tobt in den USA eine Debatte über die Frage, wie man die stetig wachsenden Informationsmengen über Privatleute zuverlässig sichern kann. Ohne viel Erfolg: Laut der "New York Times" wurden seitdem weitere 55 Millionen Datensätze auf unterschiedlichem Wege gestohlen - die jetzt abhanden gekommenen nicht mitgerechnet.

cis/abi

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