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Entwarnung Die Legende von den Babyfressern

2. Teil: Im zweiten Teil: Die Seitenbetreiber geben indirekt die Falschdarstellung zu, beharren aber auf ihrem grundsätzlichen Wahrheitsgehalt. Prinzipiell, behaupten sie, werde Kannibalismus in China geduldet. Klar wird auch, woher ihre vehemente Anti-Peking-Haltung rührt: China-Intern entpuppt sich als Gründung von Falung-Gong-Aktivisten. Weiter...

Zumindest dem Autor des China-Intern-Artikels selbst muss man vorwerfen, falsche Tatsache veröffentlicht zu haben. Denn die völlige Verdrehung der Entstehungsgeschichte der Bilder kann nur bewusst geschehen sein: Von der Schilderung des Restaurantbesuchs bis hin zu detaillierten Erläuterungen zu den Fotos besteht kein Zusammenhang zwischen der dokumentierten und bestätigten Entstehung der Bilder im Rahmen einer Videokunst-Aktion und der angeblichen Entstehungsgeschichte, wie sie im Artikel geschildert wird.

Auch darum wollte SPIEGEL ONLINE von den Betreibern der Webseite China-Intern wissen, wie es zu dieser Veröffentlichung hatte kommen können.

Ein Telefongespräch wünschen die Betreiber nicht. Ihr "Impressum" auf der Webseite nennt keine Kontaktnummer. Als verantwortlicher Redakteur im Sinne des Presserechts wird ein Klaus Müller genannt. Die Denic weist hingegen einen Robert G. als Betreiber der Webseite aus. Beide sind über Telefonbuch und Auskunft nicht zu erreichen ("Klaus Müller" ist ein häufiger Name am Wohnort des Redakteurs. Unter der von ihm angegeben Adresse ist jedoch niemand dieses Namens verzeichnet).

Unsere E-Mail ging darum an beide. Drei Tage dauerte es, bis die Antwort erfolgte. In Kurzform geben wir im folgenden die Fragen und den Tenor der Antworten wieder.

Wir wollten wissen:

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen bekannt, dass die von Ihnen kolportierte Geschichte bereits seit 2001 im Internet kursiert?

Antwort: Ja, aber nach Meinung der Betreiber von China-Intern sei auch diese Geschichte falsch, da die Fotos angeblich wirklich einen kannibalischen Akt dokumentierten. Anscheinend fühlten sich die Webseitenbetreiber dadurch moralisch gedeckt, die Fotos mit einer neuen Geschichte zu verbinden.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen bekannt, dass die Geschichte auf einer gewollten Fehldarstellung einer Kunstauktion des chinesischen Künstlers Zhu Yu basiert?

Antwort: "Wir wissen, wen die beiden genannten Bilder darstellen. Das, was im Westen, vor allem in englischer Sprache über Zhu Yu geschrieben wurde, stimmt nicht mit unseren Informationen überein."

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen bekannt, dass diese Legende bereits 2000/2001 sowohl von Scotland Yard, als auch vom FBI untersucht und als ebensolche bestätigt wurde?

Antwort: Ja, aber die Untersuchung durch FBI und Scotland Yard sei nicht gründlich gewesen und deshalb nicht relevant. Redakteur Klaus Müller wörtlich: "Weiß der FBI-Untersuchende mehr als der Kannibale selbst?"

SPIEGEL ONLINE: Wer ist der Verfasser Ihres Artikels, und woher nimmt er seine Informationen?

Antwort: Autoren des "wesentlichen Teils" des Artikels seien "Chinesen, die aber aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden".

Die Seitenbetreiber wiederholen ansonsten den generellen Kannibalismus-Vorwurf gegen das Regime in Peking.

Die Falun-Gong-Verbindung

China-Intern bezeichnet sich selbst als "eine nicht kommerzielle Webseite mit Informationen über Wirtschaft, Menschenrechte und Kultur mit dem Schwerpunkt China". Das Linkverzeichnis der Webseite stellt sie in einen Kontext mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte IGFM, aber auch mit einem eng vernetzten Kreis von spezifisch China-kritischen und Pro-Tibet-Webseiten.

Sowohl der verantwortliche Redakteur von China-Intern, als auch der Webseitenbetreiber engagieren sich allerdings auch kräftig innerhalb einer anderen Organisation: Falun Gong respektive Falun Dafa. Diese hat aufgrund zahlreicher dokumentierter Menschenrechtsverletzungen gegenüber ihren Mitgliedern und vehementer Verfolgung in China gute Gründe für eine China-kritische Haltung.

Seitenbetreiber G. selbst unterhält die Webseite Falungong.de. Klaus Müller trat für die Organisation Falun Dafa als Kläger gegen die "Neue Presse Coburg" auf, nachdem diese im Juni 2003 kritisch über einen Auftritt von Falun Gong auf einem Umzug zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Kronach berichtete. Die Zeitung hatte Falun Gong als "Sekte" bezeichnet, was Müller gerichtlich unterbinden lassen wollte.

Ohne Erfolg: Das Urteil in diesem Verfahren wie in der Berufungsentscheidung im Januar 2005 legitimierte den Gebrauch der Bezeichnung Sekte für Falun Gong.

Müller scheint in die Strukturen von Falun Dafa eng eingebunden. Falun Dafa benennt ihn als Kontaktperson für Interessierte und gibt hier auch eine Handynummer an: Die allerdings ist mindestens seit Dienstag nicht zu erreichen. Per E-Mail aber bestätigt er, dass China-Intern "einstmals von fünf oder sechs (...) Falundafa-Praktizierenden gegründet wurde, um die mörderischen Machenschaften des chinesischen Regimes den Deutschen etwas klarer zu machen".

Auf 35.000 Besuche im Monat komme China-Intern inzwischen und biete eine Plattform für andere Meinungen zu China, die der "grenzenlosen Chinaeuphorie", in der die "deutsche Presse und Wirtschaft" versunken (sic!) sei, entgegen stünden.

Die Lösung des Rätsels um die erfundene Geschichte von den Babyfressern lautet offensichtlich: Mit Propaganda gegen Propaganda.

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  • 2. Teil: Im zweiten Teil: Die Seitenbetreiber geben indirekt die Falschdarstellung zu, beharren aber auf ihrem grundsätzlichen Wahrheitsgehalt. Prinzipiell, behaupten sie, werde Kannibalismus in China geduldet. Klar wird auch, woher ihre vehemente Anti-Peking-Haltung rührt: China-Intern entpuppt sich als Gründung von Falung-Gong-Aktivisten. Weiter...
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