Frage: Sie haben drei verschiedene Universitäten besucht, aber keinen einzigen Studiengang abgeschlossen. Warum?
Will Wright: Warum ich drei Colleges besucht habe oder warum ich keins abgeschlossen habe?
Frage: Beides.
Wright: Ich habe schon auf der Schule immer nur das gemacht, was mich gerade interessierte. Mein erstes Studium war Architektur, kurze Zeit später wollte ich Maschinenbauingenieur werden, danach Pilot. Bei meinem Luftfahrtstudium gab es den Erstkontakt mit Computern. Ich kaufte mir den ersten Apple-Computer und brach mein Studium ab. Ich wollte Programme schreiben.
Frage: Den Pilotenschein haben Sie aber noch, oder? Wann sind Sie das letzte Mal geflogen?
Wright: Das ist schon eine ganze Weile her. Vor einer Weile hatte ich mir vorgenommen, Helikopterstunden zu nehmen, bin aber bis jetzt noch nicht dazu gekommen.
Frage: Sie haben, nicht zuletzt durch den Verkauf Ihres Entwicklungsstudios Maxis an Electronic Arts und den Erfolg von "Die Sims", einen Haufen Geld verdient. Trotzdem sieht man Sie kaum Dinge tun, die andere Leute gern tun, die schnell zu Reichtum gekommen sind. Zum Beispiel mit einem Ferrari-Cabrio über den Highway brettern. Wofür geben Sie das ganze Geld aus?
Wright: Ich kaufe Teile von Raumfähren.
Sie sammeln Raumfahrt-Schrott?
Wright: Ich interessiere mich schon lange für die russische Raumfahrt. Die Geschichte, die Technik. Vor einigen Jahren habe ich angefangen, Teile aus ausgemusterten russischen Raumfähren zu sammeln. Zum Beispiel Kontrolltafeln. Ich habe eine aus jeder Generation der "Sojus"-Raumkapseln. Außerdem einige Sitze und Einstiegsluken. Gerade helfe ich unserem örtlichen Raumfahrtmuseum, mit meinen Stücken eine Ausstellung zu machen.
Frage: Ist das ein teures Hobby?
Wright: Nein, noch nicht einmal. Man muss allerdings viel recherchieren, suchen. Aber das habe ich als Kind schon gern getan, zumindest in dieser Angelegenheit. Ich meine, wir wissen alles über unser Raumfahrtprogramm – aber so gut wie nichts über das der Russen. Und es ist absolut faszinierend zu sehen, was die Russen trotz ihrer extrem eingeschränkten Ressourcen geleistet haben.
Frage: Wie kommen Sie denn an die Teile? Ebay? Rüberfliegen? Haben Sie Leute vor Ort, die in Ihrem Auftrag Teile kaufen?
Wright: So ziemlich alles, ehrlich gesagt. Diesen Sommer fliege ich selbst nach Russland und besichtige einen ihrer Raumflughäfen. Vielleicht kann ich da ja wieder etwas mitnehmen.
Frage: Gibt es ein Stück in Ihrer Sammlung, auf das Sie besonders stolz sind?
Wright: Ja, auf jeden Fall. Ich habe eine Kontrolltafel der "Wostok", die 1963 gebaut wurde und die erste richtige Raumkapsel war. Ansonsten … schwer zu sagen, ich habe eine Menge Kram. Zum Beispiel ein fast komplettes Interieur einer "Sojus"-Kapsel. Mein Haus ist ziemlich vollgestellt.
Frage: Was sagt Ihre Frau dazu?
Wright: Wir haben das Ganze kurzerhand zum Einrichtungsstil erklärt.
Frage: Sie haben noch ein weiteres Hobby: Roboter. Früher haben sie bei den "Robot Wars" mitgemacht, einer Fernsehshow, bei der sich Hobbybastler mit ihren selbst gebauten Robotern beharken. Machen Sie das immer noch?
Wright: Nein, denn diese Wettbewerbe gibt es leider nicht mehr. Acht Jahre lang war ich aber dabei, mit meiner Tochter. Wir haben jedes Jahr einen neuen Roboter gebaut und sind damit gegen die anderen Roboter angetreten.
Frage: Wussten Ihre Kontrahenten, wer Sie sind?
Wright: Nein, für die Leute war ich ein ganz normaler Typ.
Frage: Apropos "normal": Sie haben zwei der erfolgreichsten Videospiele aller Zeiten entwickelt. man könnte sagen, Sie sind ein Star.
Wright: Ich fühle mich aber vor allem wie ein Aushängeschild für die Presse. "Die Sims" wurde von einem Team von 70 Leuten gemacht. Ich bin nur ein Teil dieses Teams, trotzdem werde immer ich vor die Presse gezerrt. Ich bin quasi ein Marketing-Instrument.
Frage: Gefällt Ihnen das nicht?
Wright: Ich akzeptiere es. Aber sagen wir es mal so: Es nicht das Schönste an meinem Job.
Frage: Sie sind mit Peter Molyneux befreundet, einem Videospielentwickler, der mit "Populus" und "Black&White" ähnlich visionäre Spielkonzepte verwirklicht hat wie Sie. Sehen Sie ihn oft?
Wright: Leider nicht mehr so oft wie früher. Es gab eine Zeit, in der wir uns sehr, sehr häufig gesehen haben, wir standen kurz davor, unsere Firmen zusammenzulegen. Allerdings haben wir das dann am Ende finanziell nicht hingekriegt. Wir verstehen uns sehr gut, aber Peter hat zurzeit extrem viel zu tun bei Lionhead (seinem Studio, Anm. d. Red.), leider.
Frage: Worüber reden Sie, wenn Sie sich treffen? Über Spiele?
Wright: Ja, meistens schon. Wir tauschen uns über Gedanken oder Projekte aus, die sich in der Konzeptionsphase befinden. Werfen uns gegenseitig Ideen an den Kopf. Mit Sid Meyer (ebenfalls Entwickler, "Civilization", "Pirates", Anm. d. Red.) ist es ähnlich.
Frage: Mit Ihrem Spiel "Die Sims" haben Sie es als erster Entwickler geschafft, auch Frauen langfristig für Videospiele zu begeistern. 40 Prozent war der Anteil der weiblichen "Sims"-Spieler. Bedeutet Ihnen das etwas?
Wright: Auf jeden Fall. Wir hatten von Anfang an gehofft, dass sich die Dinge so entwickeln würden. Es war nicht unser einziges Ziel, aber zumindest eine Sache, die wir gerne erreichen wollten. Interessanterweise war ein Großteil des Teams, das an "Die Sims" gearbeitet hat, auch weiblich, nämlich ebenfalls 40 Prozent. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass Frauen an der Entwicklung beteiligt sind, wenn das Spiel auch Frauen ansprechen soll.
Frage: Spielt Ihre Frau "Die Sims"?
Wright: Nein, genau genommen hat sie kein einziges meiner Spiele gespielt. Meine Tochter ja, meine Frau nicht.
Frage: Verletzt Sie das?
Wright: Nein, meine Frau ist Künstlerin und hasst Computer. Manchmal bittet sie mich, ihr etwas vorzuspielen, damit sie sich ein Bild davon machen kann.
Frage: Gab es in Ihrem Leben einen bestimmten Moment, ein Ereignis, das in irgendeiner Weise, sei es als konkretes Element oder aber nur als Inspiration, den Weg in eins Ihrer Spiele gefunden hat?
Wright: Ja, das gibt es. Vor einigen Jahren, ungefähr zu der Zeit, als ich anfing, mich mit dem Konzept für "Die Sims" zu beschäftigen, ist unser Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt. Wir hatten nichts mehr, mussten unser Leben komplett neu einrichten. Ein Haus kaufen, Kleidung, Zahnbürste, Auto, einfach alles. Ich fand es spannend zu beobachten, wie und in welcher Reihenfolge wir unser Leben wieder aufbauten. Und genau darum geht es auch bei den "Sims". Als Spieler muss man sich auch ein Leben aus dem Nichts aufbauen.
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