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14.09.2006
 

Wohltätigkeit

Google will an guten Taten verdienen

Nachdem Microsoft-Gründer Bill Gates Milliarden Dollar in seine wohltätige Stiftung steckt, möchte Google nicht nachstehen. Dort allerdings will man nicht nur Gutes tun - sondern auch damit Geld verdienen.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin erlaubten sich einen Scherz. Nicht nur, dass der eben gekürte Chef der "philantropischen" Neugründung Google.org den schönen Namen Dr. Larry Brilliant trägt und einst bei einem Guru im Himalaja in die Lehre gegangen ist - Google.org soll auch gleichzeitig wohltätig und profitabel sein. Eine Milliarde Dollar will Google zunächst in die Neugründung stecken - eine im Vergleich etwa zur Gates-Stiftung durchaus eher bescheidene Summe. Der Arbeitsauftrag des "philantropischen Arms von Google": Armut, Krankheiten und die globale Erwärmung bekämpfen, mit Gewinn.

Google: Geld für gute Taten
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Getty Images

Google: Geld für gute Taten

Einer der ersten Pläne der neuen Organisation ist die Förderung eines äußerst energieeffizienten Hybrid-Autos, das mit einer Kombination aus Ethanol, Benzin und Elektrizität angetrieben werden soll. Brilliant selbst brachte ein eigenes Projekt mit auf seinen neuen Posten: Ein Früherkennungs- und Warnsystem für den Ausbruch ansteckender Krankheiten will der Mediziner entwickeln. Nachdem er einen Vortrag zu diesem Thema in einer Runde aus Google-Topmanagern gehalten hatte, heuerten Page und Brin Brilliant als Chef ihres Philantropie-Unternehmens an.

Google.org hat zwar einen traditionell wohltätigen Kern namens Google-Foundation, der sich auch an die Regeln für Non-Profit-Organisationen halten muss. Diese Stiftung bekommt aber nur 90 Millionen Dollar - der Rest wird in eine Art Venture-Capital-Unternehmen mit hehren Zielen gesteckt. Neben den Spar-Autos und dem Epidemie-Erkennungs-Programm sollen andere Projekte finanziert werden - und im Erfolgsfall Unternehmen gegründet.

Die Behandlung als reguläres Unternehmen habe den Vorteil, dass genau das möglich sei, so Brilliant zur "New York Times": "Wir können Firmen gründen, Branchen aufbauen, Lobbyarbeit machen, einzelnen Personen Geld geben und Profit machen." Für die geförderten Projekte bestehe andererseits aber kein Erfolgszwang - was auf dem Ideenmarkt ein Wettbewerbsvorteil sein könnte. "Wenn wir unser Geld nicht zurückbekommen - na und?", sagte Brilliant dem Blatt, "die Betonung liegt auf sozialen Erlösen, nicht auf wirtschaftlichen."

Eine schillernde Figur als Chef

Kritiker fürchten allerdings, dass der Zwischenstatus der Neugründung problematisch werden könnte - spätestens wenn die Mutter Google mal Geld braucht, und die Aktionäre der Versuchung nicht widerstehen können, in den eigentlich fürs Philantropische gedachten Topf zu greifen.

Der neue Chef jedenfalls ist eine hinreichend schillernde Figur. Nachdem er in den frühen Siebzigern bei einem indischen Guru in die Lehre gegangen war, beteiligte er sich in einem Uno-Team an der Ausrottung der Pocken in Indien. Dann gründete er die Seva Foundation, die sich in Asien und Lateinamerika um vorbeugende und heilende Maßnahmen gegen Blindheit bemüht.

Und auch Silicon-Valley-Punkte hat Brilliant schon gesammelt: 1985 war er einer der Mitbegründer von "The Well", einer auch heute noch als Meilenstein betrachteten frühen Netz-Community, gewissermaßen der Urmutter all der MySpaces, YouTubes und Flickrs von heute. Auch einige IT-Unternehmen hat er bereits geleitet. Zuletzt arbeitete er wieder für die Uno, in einem Programm zur Bekämpfung der Kinderlähmung in Indien. Dem Magazin "Wired" berichtete Brilliant schon im Juli über seine erstaunliche Biographie - und über sein Pläne für Google.org.

cis

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