Auch so kann Big Business aussehen: Vier technikverliebte Manager-Promis sitzen über einem Steak oder Hamburger in einem spießigen Schnellrestaurant. Google-Gründer Larry Page, sein Geschäftsführer Eric Schmidt und die Jungunternehmer Steve Chen und Chad Hurley essen zu Abend - und bringen ihren Deal auf den Weg: Die vier schieben im Ambiente eines Denny's-Restaurants 1,65 Milliarden Dollar virtuell über den Tisch. So beschreibt Kevin Maney, Tech-Kolumnist der Zeitung "USA Today", den etwas anderen Vertragsabschluss, der jetzt die Internet-Welt bewegt: Google kauft das Videoportal YouTube.
Nach dem Essen sagte Hurley: "Wir haben dort über unsere gemeinsamen Möglichkeiten und die gemeinsame Begeisterung gesprochen", was Videos im Internet angehe. Google habe "die Ressourcen, uns beim Vorantreiben zu helfen" - genau das ist der Punkt, der jetzt auch die vielen Skeptiker zum Einlenken bringt. Vor dem Abschluss hatten sie sich kritisch zu Wort gemeldet. Jetzt aber, nachdem Google tatsächlich zugeschlagen hat, scheint sich der Wind zu drehen als sei "Google" ein magisches Wort, das alle Bedenken wegzaubert.
Jason Calacanis zum Beispiel, selbst ein Star der Web-2.0-Wirtschaft, gratulierte schon vorab herzlich: "Dieser Deal ist total sinnvoll", schrieb der "Weblogs Inc."-Gründer in seinem Blog. Dabei hatte er selbst in den vergangenen Monaten YouTube immer wieder heftig kritisiert, vor allem wegen Copyright-Verletzungen.
Die Kritik, YouTube verletze das Urheberrecht, war immer der zentrale Kritikpunkt an dem Portal - und führte zu Vergleichen mit der letztlich als Geschäftsmodell gescheiterten Tauschbörse Napster. YouTube, finden viele Beobachter, hat Erfolg mit Inhalten, die anderen gehören: zusammengeschnittenen Musikvideos, Schnipseln von Sport-, Nachrichten- und Comedysendungen.
Zinedine Zidanes Kopfstoß im WM-Finale zum Beispiel war schon Stunden nach dem Spiel bei YouTube zu finden, im Original und verarbeitet in zahllosen Mash-ups. Kritiker prognostizierten: Sobald YouTube wirklich Geld verdient, kommen Klagen und Gerichtsprozesse. Dann werde die derzeitige Hauspolitik nicht mehr reichen, beanstandete Inhalte sofort zu enfernen.
Marc Cuban, der schon 1998 mit broadcast.com Medieninhalte ins Netz brachte, kommentiert in seinem Blog heute: "Ich glaube immer noch, dass Google verrückt ist." Googles Anwälte würden nun "sehr sehr beschäftigt sein", sagt Cuban - schränkt aber ein: "Ich glaube nicht, dass man Google kaputtklagen kann."
Trommelfeuer der Allianzen
Cuban hatte kürzlich noch gesagt, nur "ein Idiot" würde YouTube kaufen. Er war einer der größten Kritiker des Deals. Seine neuen Äußerungen zeigen, wie die Google-Magie die Wahrnehmung verändert hat: Wenn überhaupt jemand die zweifellos vorhandenen Probleme des YouTube-Modells lösen kann, dann ist es Google. Das Unternehmen hat erstens die Marktmacht, sich mit den Rechtehinhabern zu einigen - und das Trommelfeuer von Allianzen, die sich schon gestern formierten, spricht für sich.
Zweitens verfügt Google über die juristische Erfahrung und die Ressourcen, sich mit allen trotzdem auftauchenden Konflikten auseinanderzusetzen. Die eigene Rechtsabteilung beschäftigt sich seit Jahren mit Urheberrechtsproblemen, ob bei der Buch-Digitalisierung oder der Bildersuche im Netz. Bisher war sie sehr erfolgreich.
Drittens hat das Unternehmen die technische Kompetenz, Lösungen für das Copyright-Problem zu schaffen. Ein per Algorithmus von allem Zweifelhaften befreites YouTube - das ist vermutlich der für die Zukunft anvisierte Idealzustand. Ob die 67 YouTube-Angestellten allein ihn erreicht hätten, darf bezweifelt werden.
"Ist es das wert? Wahrscheinlich nicht"
Bleibt die Frage, warum Google, das kürzlich erst mit viel Aufwand einen eigenen Videodienst ins Netz gestellt hat, einen anderen Videodienst kauft - und dann noch für so viel Geld.
Jason Calacanis, der heute das Webportal Netscape leitet, kommentierte die Summe mit den Worten: "Ist es das wert? Wahrscheinlich nicht, aber weil Google eine eigene Werbemaschinerie hat, sind sie vermutlich der einzige Bieter, der diesen Preis bezahlen und sich das Geld wieder zurückholen kann." Sechs bis sieben Jahre würde es dauern, bis Google sich "allein mit Google-Suchboxen überall auf der Seite" seine 1,6 Milliarden Dollar wieder eingespielt hätte, schätzt Calacanis.
Entscheidend sei aber ein anderer Punkt: Mit dem Abschluss habe man das letzte der drei größten Webangebote eingefangen, das bisher nicht über Googles Adsense-Programm mit Werbung beschickt wurde: "AOL, MySpace und YouTube." Mit MySpace hat Google vor kurzem ein Geschäft über 900 Millionen Dollar abgeschlossen, von AOL hat Google fünf Prozent aufgekauft. Für die kommenden fünf Jahre, glaubt Calacanis, hat Google sich nun einen entscheidenden Vorteil gesichert gegenüber den Konkurrenten im Web-Werbemarkt: Microsofts Adcenter und das Yahoo Publisher Network.
YouTube ist einfach klebriger
Das dritte Fragezeichen im Zusammenhang mit dem Deal betrifft Googles eigenes Angebot: Google Video macht im Grunde nichts anderes als YouTube. Nutzer laden Videos auf die Seite, bewerten sie und schaffen so eine Hitliste, die anderen das Stöbern erleichtert. Nur ist Google Video bei weitem nicht so erfolgreich: Laut den Web-Analysten von Hitwise bekommt YouTube 46 Prozent des Video-Traffics im Internet ab - MySpace liegt bei 23, Google Video nur bei 10 Prozent.
Die durchschnittliche Verweildauer bei YouTube liegt über 18 Minuten - bei Google sind es nur gut 9 Minuten. Das wichtigste Argument für YouTube sind allerdings seine Nutzer. 50 Millionen sollen regelmäßig vorbeikommen, und ihre gemeinsame Entscheidungsmacht sorgt dafür, dass für die Zielgruppe Interessantes auf der Startseite landet. Nicht die Masse der Filmchen ist für den einzelnen Nutzer letztlich entscheidend, sondern auch die Chance, tatsächlich Sehenswertes zu entdecken in der Flut von Kurzvideos.
YouTube sei "der klare Gewinner, was die Social-Networking-Seite angeht", sagte Google-Chef Eric Schmidt bei der gestrigen Pressekonferenz. Man habe aber nicht vor, Google Video einen leisen Tod sterben zu lassen. Wie genau das Unternehmen zwei konkurrierende Angebote unter einem Dach in Einklang bringen will, bleibt abzuwarten. YouTube jedenfalls soll seinen Namen und seine Unabhängigkeit behalten.
Neben Chen und Hurley, die sich natürlich per Video auf YouTube über ihren neuen Reichtum freuen, steht jedenfalls schon ein weiterer Gewinner der Transaktion fest: Sequoia Capital. Das Venture-Capital-Unternehmen mit den hervorragenden Verbindungen im Silicon Valley hatte insgesamt 11,5 Millionen Dollar in YouTube investiert. Nun, schätzt die "New York Times", ist Sequoias Anteil an YouTube 495 Millionen Dollar wert.
Die Risikokapitalisten hatten einst auch einem anderen Startup-Unternehmen in den Markt geholfen - Google.
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ist irgendwie logisch. Was ich nicht gut finde sind die Verknüpfungsmöglichkeiten der Medienindustrie mit geographischen Daten (GoogleEarth) Letzteres gehört eindeutig in die Hände von Zivil- und planungsingenieuren [...] mehr...
Und weiter gehts: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,616605,00.html Warum sollte man auch ein Interesse haben, dass die eigene Musik von Leuten gehört wird.... mehr...
Über ein Jahr ist vergangen und verändert hat sich nicht viel. Außer dass sehr viel mehr Videos von "Rechteinhabern" gesperrt werden. Was ich bei ganzen Serien-Folgen noch verstehen kann, ist mir bei Musik-Videos oder [...] mehr...
Isch hab da mal ne Frage: Gibt es eigentlich analog zu Videoplattformen wie youtube, myvideo usw. auch Musikplattformen, in denen Musikstücke auf eben solche Seiten eingestellt werden können? Bin auf den Gedanken gekommen, weil [...] mehr...
Ich hab da die passende Antwort für dich... Die richtig guten und Videos findes du auf http://www.komerca.tv also da findes du richtig gute Videos also probiers mal ;) mehr...
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