Von Frank Patalong
Es gibt Chancen, die sollte man nicht verpassen. Vor einigen Wochen bot die Kaufhauskette Real so eine an: 2,40 Meter hohe aufblasbare Schnee- und Weihnachtsmänner mit eingebautem Gebläse und Innenbeleuchtung für schlappe 30 Euro. Ein Traum.
Das Angebot kam früh, während die meisten Menschen noch darüber nachdachten, wie dieser andere Feiertag noch hieß, bevor man ihn als Halloween zu schätzen lernte. Innerlich also noch ganz auf Herbst getrimmt ging mir das nicht anders, und wieder verpasste ich die Chance, meine Nachbarschaft in Grund und Boden zu beeindrucken. Denn natürlich sind die Dinger längst ausverkauft.
Zum Glück gibt es die Weihnachts-Riesen-Aufblaspuppen noch bei eBay, was im übrigen erklärt, warum es sie bei Real nicht mehr gibt. Doch was soll's? Rentiere, Fassaden erklimmende Nikoläuse, Riesen-Schneemänner etc. hat inzwischen ja fast jeder. Wer jetzt noch beeindrucken will, muss qualitativ oder quantitativ etwas ganz besonderes bieten.
Da denke ich natürlich sofort an Pearl, mein Lieblingsversandhaus, seit es uns zur WM mit ballförmigen Fan-Kostümen beglückte, die sich mittels eines integrierten Ventilators zu ungeahnten Größen aufpumpen ließen. In diesem Jahr gibt es aufblasbare Schlitten, was so lange wenig bringt, als nicht auch aufblasbarer Schnee ins Angebot genommen wird. Denn draußen windet es zwar sehr, doch bei konstant milden 15 Grad im Schatten. Weihnachten will einem da partout noch nicht einfallen - obwohl man sich "Xmas" natürlich auch ins Haus holenkann.
Ne, meint darauf Töchterchen, der zu viel Licht- und Schmuck-Aufrüstung am eigenen Haus nach wie vor und zunehmend peinlich ist, die aber ganz doch nicht darauf verzichten will: "Das gehört doch dazu!"
Und meint den Lichterglanz, der Tränendrüsen oder Lachmuskulatur reizt. Der ist doch auch dort schön, wo Palmen sich in pazifischer Abendbrise wiegen: im Land der Weihnachtsirren.
Die beeindruckten im letzten Jahr die ganze Welt mit den berühmten "Blinking Lights": Sie erinnern sich sicherlich an Carson Williams und sein traumhaftes, traumatisierendes Lichter-Spektakel, dass ihm die Polizei leider kurz vor Weihnachten abknipste, weil die Rettungsfahrzeuge es nicht schafften, durch den kilometerlangen Stau zu kommen, den die Schaulustigen vor seinem Haus verursachten?
So was wird dieses Jahr nicht passieren, denn die kostenlose weltweite Werbe-Präsenz hat Williams längst in bare Münze umgewandelt: Dieses Jahr gibt es sein Blinke-Haus gleich in mehreren Freizeitparks und Einkaufszentren in den USA zu sehen, in Varianten von 35.000 bis zu 250.000 Birnen. "Consarlights" ist nun ein lukratives Saisongeschäft.
Und hat seinen Zauber doch nicht verloren. Auch Jake Ortman, Betreiber des Blogs Utterlyboring.com, der das berüchtigte Haus im letzten Jahr berühmt gemacht hatte, versucht erneut, mit dem alten Filmchen Aufmerksamkeit zu ernten.
Aber das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein: Was interessiert uns der Weihnachts-Wahnsinn von gestern? Wie im letzten Jahr wollen wir vielmehr Sie dazu aufrufen, uns (und den Lesern von SPIEGEL ONLINE) zu zeigen, was es an neuen, irrsinnigen, rührenden, schönen, lustigen oder auch geschmackvollen Weihnachtsdeko-Trends gibt in diesem Jahr. Schicken Sie uns Ihre selbst geschossenen Fotos mit Ortsangaben und kurzer Beschreibung, Absender und Kontaktdaten. E-Mail genügt, Stichwort "Xmas-Wahnsinn" nicht vergessen - wir sind gespannt!
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