Innerhalb von 30 Tagen, verspricht die Firmenleitung von MySpace, sollen auf der weltgrößten Community-Webseite eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden, die zumindest bekannten Sexverbrechern das Leben - und Jagen - dort schwer machen sollen. Denn nach einer ganzen Reihe von peinlichen Presseberichten über Pädo-Verbrecher, die die Plattform dazu nutzen, Minderjährige zu kontaktieren, ist das Image der Seite schon derart beschädigt, dass zahlreiche Schulen und Universitäten in den USA die Nutzung einschränken oder verbieten.
Das aber tut weh, wenn man 580 Millionen Dollar für eine Seite bezahlt hat, die vor allem Jugendliche anspricht. Dass es von denen bei MySpace bereits über 100 Millionen registrierte gibt, hofft MySpace-Besitzer News Corp werblich zu vermarkten. Einen Einbruch der Nutzerzahlen will man in einer Branche, in der alles auf Euphorie und Wachstum geeicht ist, erst gar nicht riskieren.
Erste nationale Sextäter-Datenbank - aus privater Hand
Also kommt nun die firmeninterne Polizei: In Kooperation mit Sentinel Tech Holding will MySpace eine Datenbank der 550.000 wegen Sexualdelikten registrierten Amerikaner erstellen, die ausführliche Angaben bis hin zu unveränderlichen Merkmalen enthalten soll. Das System soll eventuell vorhandene MySpace-Profile registrierter Sexualtäter abgleichen und erkennen, ansonsten aber auch als Identifizierungshilfe on demand dienen. Die geplante Datenbank wäre die erste, die die 46 in den US-Staaten verfügbaren Sexualtäter-Datenbanken auf einer Plattform zusammenführte.
Das funktioniert natürlich nur, wenn sich die potenziellen Täter ehrlich und mit echten Daten anmelden, wovon man zumindest dann nicht ausgehen kann, wenn sie dort wirklich Finsteres im Schilde führen. Also will MySpace dafür sorgen, dass sie dazu gezwungen werden: News Corp lobbyiert in Washington für ein Gesetz, dass registrierte Sexualtäter dazu verpflichtet, ihre E-Mail-Adressen zentral registrieren zu lassen und keine anonymen zu führen.
Das Gesetz könnte schnell kommen
Mit Charles E. Schumer (Demokrat, New York) und John McCain (Republikaner, Arizona) haben bereits zwei Senatoren den Ball aufgenommen. Bereits im Januar wollen sie ihren gemeinsam erarbeiteten Antrag für ein Gesetz in den Senat einbringen ("Stop the Online Exploitation of Our Children Act"), der Sexualtäter zur Registrierung von E-Mail-Adressen bei den Polizeibehörden zwingen soll - und das Führen einer anonymisierten oder falschen Adresse unter Haftstrafe stellt.
In Kombination mit den von MySpace geplanten Maßnahmen würde das theoretisch dazu führen, dass es amerikanischen Sexualtätern künftig unmöglich gemacht würde, auch nur ein MySpace-Profil anzulegen - oder per E-Mail mit Jugendlichen dort zu kommunizieren.
...und hat eine klaffende Lücke
Sowohl die Gesetzesinitiative als auch die MySpace-Datenbank trafen in den USA umgehend auf Applaus. Ein Haar in der Suppe fand allein Wired: Die Tech-Newsseite bemängelt, dass in den USA nur solche Sexualtäter registriert werden, die unter Bewährungsauflagen stehen. Straftäter, die ihre Haftstrafe vollständig abgesessen haben, würden von den Maßnahmen also gar nicht erfasst. Im Klartext hieße das, dass die Täter minder schwerer Sexualverbrechen erfasst würden, während die schlimmsten Pädo-Verbrecher nicht von den Maßnahmen betroffen wären.
Ein weiterer Schwachpunkt sei, dass in manchen US-Staaten nur Pädophile erfasst, während in anderen Staaten alle Formen sexuell motivierter Straftaten und Ordungsdelikte registriert würden. In der von MySpace geplanten Datenbank werden diese Daten zusammengeführt - und könnten dazu führen, dass Exhibitionisten ausgeschlossen werden, während Vergewaltiger von Kindern nach vollständiger Verbüßung einer Haftstrafe unbemerkt weiter machen könnten. Das aber sei "nicht richtig durchdacht".
pat/rts
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