Die deutsche Musikindustrie will im Jahr 2007 den Druck auf Musikpiraten im Internet massiv steigern. "Im kommenden Jahr wird die Zahl der Strafanträge deutlich erhöht", sagte Geschäftsführer Peter Zombik vom Phonoverband der Nachrichtenagentur AP. Die Musikindustrie geht erst seit wenigen Jahren gegen die illegale Verbreitung von geschützten Musikstücken im Internet vor. "Wir haben seit Beginn der Aktion im Jahr 2004 in insgesamt 20.000 Fällen Strafanzeige gestellt, davon in 10.000 Fällen allein im Jahr 2006", sagte Zombik. Im kommenden Jahr sollen es 1000 Strafanzeigen pro Monat oder mehr werden.
Phonoverbands-Chef Peter Zombik: Mehr Peitsche für ungezogene Ex-Kunden
Der Phonoverband erwartet im kommenden Jahr die deutliche Ausweitung der rechtlichen Möglichkeiten im Kampf gegen Musikpiraterie wegen einer neuen EU-Direktive. Bisher muss der Verband nach einem Fall von Musikpiraterie Strafanzeige stellen, um an den Namen den Internetsurfers zu kommen, da zunächst nur die Internetadresse bekannt ist (IP-Adresse).
Stabiler Abwärtstrend
Nach der neuen EU-Direktive, die laut Zombik zurzeit in deutsches Recht umgesetzt wird, kann die Musikindustrie sofort zivilrechtlich gegen Musikpiraten vorgehen. Allerdings ist noch umstritten, ob ein Richter die Weitergabe der Personaldaten möglicherweise stoppen kann. Die Schadenersatzforderungen bewegen sich bisher pro Fall zwischen etwa 2000 Euro und 15.000 Euro, gegebenenfalls auch mehr oder weniger. Im Durchschnitt liege der Schadenersatz bei rund 3000 Euro.
Geschäftlich ist die Industrie mit dem abgelaufenen Jahr nicht zufrieden, auch wegen der Verluste durch Raubkopien. "Wir werden zum Jahresende ein einstelliges Minus haben", sagte Zombik zu Marktentwicklung. Die Geschäfte hätten sich "im zweiten Halbjahr nicht verbessert", nachdem die ersten sechs Monate ein Absatzminus von 3,4 Prozent gebracht hatten.
Die Absätze von CD-Alben stagnieren demnach, der Verkauf von bespielten Cassetten und Singles fällt. Kräftige Zuwächse verzeichnet die Industrie beim Absatz von Musikdownloads. "Die Verluste im physischen Markt werden noch nicht von den Online-Verkäufen aufgefangen", sagte Zombik.
Claus-Peter Tiemann, AP
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