Zum Start sollen 3000 Filme sowie Tausende TV-Serien, Musikvideos und PC-Spiele angeboten werden. Unter anderem wurden Verträge mit Warner Bros., Paramount Pictures, 20th Century Fox, Metro-Goldwyn-Mayer und Lionsgate geschlossen. Unter den angebotenen Serien finden sich Publikumslieblinge wie "24" und die MTV-Show "Punk'd." Auch japanische Anime-Serien sowie HD-Filme sollen sich im Repertoire finden lassen. Wie fast immer bei solchen internationalen Starts gilt aber: Für deutsche Nutzer gibt es die Bezahl-Inhalte nicht - das scheitert an internationalen Rechte-Hürden.
TV-Serien können für 1,99 US-Dollar pro Folge heruntergeladen werden, während abendfüllende Filme je nach Aktualität zwischen 2,99 und 3,99 US-Dollar kosten. Die Nutzungsrechte unterscheiden sich allerdings deutlich. Während TV-Serien gekauft werden, kann man Filme nur ausleihen. Die Forderungen der Filmstudios seien zu hoch gewesen, um konkurrenzfähige Preise zu ermöglichen, heißt es seitens BitTorrent.
"Wir haben den Filmstudios eingehämmert: 'Macht es unserer Kundschaft leicht,'" sagte Ashwin Navin, Präsident und BitTorrent-Mit-Gründer, gegenüber Associated Press. "Wir müssen ihnen einen Preis präsentieren, der ihnen das Gefühl gibt, einen guten Gegenwert zu erhalten."
Eine Besonderheit gegenüber anderen kommerziellen Film-Download-Anbietern und ein Zugeständnis an die BitTorrent-Community, ist die Möglichkeite, eigene Werke über die Website zu verteilen - das allerdings kostenlos.
Kaufen und Leihen
Als Schutz gegen unerlaubtes Kopieren der angebotenen Filme wird Microsofts DRM-System verwendet. Zum Abspielen wird der Windows Media Player benötigt. Anwender von Mac OS X und Linux bleiben damit außen vor.
Nach dem Download hat der Anwender 30 Tage Zeit, den Film zu sehen, danach verfällt die Lizenz. Sobald man einen Film zu ersten Mal gestartet hat, verbleiben 24 Stunden Nutzungszeit. TV-Serien hingegen werden ohne Verfallsdatum ausgeliefert.
Bram Cohen, CEO von BitTorrent, sieht diese Einschränkungen offenbar nicht gern. Im Interview mit "Slyck.com" vertrat er die Meinung, dass "DRM den Anwendern große Probleme bei der Bedienerfreundlichkeit" beschert. Für Spiele, so Cohen, sei DRM eine sinnvolle Kopierschutzmaßnahme, da Spiele so programmiert werden können, dass sie sich bei einem Server anmelden müssen, um gespielt werden zu können.
Bei Musik und Video hingegen sei das grundlegend anders, da sie auch ohne PC und Internetverbindung funktionieren. Die einzige Möglichkeit, für solche Medien ein funktionierendes Kopierschutzsystem zu konstruieren, sieht er darin, "den Computer in erster Linie zu einem DRM-Player und erst in zweiter Linie zu einem PC zu machen". Aber selbst solche Systeme könnte man mit ein externer Hardware leicht umgehen. Etwa, indem man den Bildschirminhalt abfilmt, merkt Cohen an.
Bremsklotz Internet-Provider
Den Vertrieb werden auch beim kommerziellen Download-Angebot die Anwender mit ihrer Bandbreite unterstützen. Nur die erstmalige Aussendung eines Films soll direkt von BitTorrent aus erfolgen. Sobald jedoch ein Film von vielen Anwendern geladen wurde, werden diese selbst zu Sendern. Künftige Käufer desselben Films bekommen diesen also nicht mehr direkt von den BitTorrent-Servern, sondern von den Rechnern anderer BitTorrent-Kunden zugeschickt.
Den Internet-Providern ist dieses Prinzip seit langem ein Dorn im Auge. Schließlich verbrauchen Anwender von Peer-to-Peer-Netzwerken deutlich mehr Bandbreite als Nutzer, die lediglich im Web surfen und E-Mails verschicken. Einige Provider gehen sogar so weit, dass sie die Bandbreite für solche Dienste einschränken.
Das Herunterladen eines typischen Hollywood-Movies soll bei BitTorrent nach rund einer halben Stunde erledigt sein, verspricht die Navin. Einzelne Folgen von TV-Serien könnten bereits binnen zehn Minuten auf der Festplatte liegen.
Akzeptanzprobleme
Als Zielgruppe visieren Navin und Cohen junge Männer im Alter zwischen 15 und 35 Jahren an. Also genau jene Leute, die sich auch jetzt schon der BitTorrent-Software bedienen, um damit Raubkopien herunterzuladen.
Darin sehen die Betreiber allerdings kein Problem. "Die große Mehrheit unseres Publikums liebt einfach digitale Inhalte," sagte Navin. Jetzt müssen wir für dieses Publikum ein Programm schaffen, das ihnen den Umgang mit diesen Inhalten so leicht macht, dass sie zu einem Dienst wechseln, mit dem die Filmstudios Geld verdienen."
Darüber, ob die Nutzer das neue Angebot annehmen werden, gehen die Meinungen auseinander. BitTorrent selbst geht davon aus, dass rund ein Drittel der BitTorrent-Anwender sich für das Kaufangebot erwärmen könnte. Das allerdings, wäre schon eine gewaltige Kundschaft, denn bisher haben 135 Millionen Menschen die BitTorrent-Software heruntergeladen.
Einfach dürfte es aber nicht sein, diese Kundschaft künftig zum Kauf der bisher kostenlos erlangbaren Inhalte zu motivieren. Da wird auch die Aussicht auf gutes Karma nicht viel helfen. Zudem ist BitTorrent beileibe nicht der einzige Anbieter, der künftig mit Film-Downloads Geld verdienen will. So steht seit einiger Zeit der "Joost" getaufte Videodienst des Skype- und KaZaA-Gründers Niklas Zennström in den Startlöchern. Dessen Einführung fürchtet Bram Cohen jedoch nicht. Das proprietäre Interface sowie die als Datenstrom gesendeten Inhalte, würden dessen Erfolg behindern, sagte Cohen gegenüber "Slyck.com". Ein weiterer potentieller Konkurrent ist Zudeo, das ebenfalls auf einem Peer-to-peer-System beruht.
Insgesamt gesehen, darf der Start des kommerziellen BitTorrent-Dienstes als gutes Zeichen gesehen werden. Schließlich zeigt sich hier, dass die einst unüberwindbaren Vorbehalte der Entertainment-Industrie gegenüber einer kommerziellen Nutzung von Tauschbörsen, zumindest brüchig geworden sind.
mak/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema BitTorrent | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH