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Zukunft des Fernsehens Fünf Thesen für die YouTube-Jäger

2. Teil: Neue Vertriebswege, Konkurrenzen und Refinanzierungswege: Warum der NBC-Plan von der legalen Video-Webseite nicht aufgehen kann

1. Fernsehsender werden Datenbank und Event-Berichter

Das Fernsehen besitzt zwei Güter, über die YouTube nicht legal verfügt: Das Potential zur aufwendigen Live-Berichterstattung sowie professionell produziertes Entertainment. In Zukunft werden Sender eventorientierte Übertragungen und Nachrichten einerseits mit üppigen On-demand-Datenbanken für Entertainment-Inhalte kombinieren. Als Vertriebsweg taugt da fast nur das Internet, das so endgültig zur primären Medienplattform werden dürfte.

BBC-Themenkanal bei YouTube: Die Briten nutzen YouTube als Vertriebsmedium

BBC-Themenkanal bei YouTube: Die Briten nutzen YouTube als Vertriebsmedium

In Deutschland stricken ARD und ZDF an ähnlichen Angeboten, in Großbritannien die BBC - die parallel mit mit YouTube kooperiert. Während die Mainzer begonnen haben, über ihre Mediathek im Web On-demand-Fernsehen auszustrahlen (zum Beispiel vorab die neue Serie "Ijon Tichy"), häufen sich quer durch die ARD-Programme die Querverweise auf das Web-Angebot. Im Extremfall spielen die ARD-Inforadios gemeinsam im Web Fernsehen, etwa wenn sie per Livestream Veranstaltungen von der Leipziger Buchmesse übertragen.

Werden auch die Telenovelas und Volksmusik-Quälereien der Öffentlich-Rechtlichen so zur On-demand-Verfügungsmasse, wird allerdings eine alte Frage wieder umso drängender: Wie ist das noch mit dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag vereinbar - und warum sollten kommerzielle Anbieter mit einem qua GEZ vorfinanzierten Katalog konkurrieren müssen?

2. Produzenten werden zu Direktanbietern

US-Kultserie "CSI": Irgendwann direkt vom Bruckheimer-Kanal - und später dann im Fernsehen?
VOX/CBS/Alliance

US-Kultserie "CSI": Irgendwann direkt vom Bruckheimer-Kanal - und später dann im Fernsehen?

Wer oder was soll einen Großproduzenten wie Jerry Bruckheimer (Filme: "Armageddon", "Fluch der Karibik" u.v.a.; TV: "CSI", "Cold Case" u.v.a.) künftig daran hindern, unter Umgehung aller TV-Netzwerke sein eigenes Krimi- und Filmportal auf die Beine zu stellen? Was hindert Filmstudios daran, dasselbe zu tun?

Es ist absehbar: Mit ihren Pfunden können Produzenten im Web profitabler als bisher auf eigene Rechnung wuchern. Ihr Geschäftsmodell wird zunehmend von Direktvermarktung bestimmt. Zusätzliche Einnahmen fließen ihnen von Shops wie iTunes oder TV-Sendern zu. Die aber bezahlen keine pauschalen (und im Vergleich günstigen) Lizenzen mehr für Inhalte wie TV-Serien, sondern beteiligen die Produzenten direkt an den Erlösen.

3. Dienstleister internationalisieren die Vermarktung

Wenn TV-Sender ihre eventbezogenen Inhalte im Web verstreamen, entstehen durch den Wegfall geografischer Grenzen neue Konkurrenzen. Aus Perspektive der Werbewirtschaft ist das ein Problem. Zwar wächst die potentielle Zielgruppe, zugleich nehmen aber auch die sogenannten Streuverluste zu: Statt über Sender A eine geografisch definierte Zielgruppe zu erreichen, kann eine thematisch definierte Zielgruppe das gestreamte Bild von Thüringen über Texas bis Timbuktu empfangen.

WM 2006: Wenn künftig Großevents kreuz und quer um die Welt streamen, wer legt dann die passende Werbung auf?
DDP

WM 2006: Wenn künftig Großevents kreuz und quer um die Welt streamen, wer legt dann die passende Werbung auf?

Ein Markt für neue Dienstleister entsteht, die den internationalisierten TV-Programmmarkt mit geografisch zugeschnittener Werbung unterfüttern - und deshalb den internationalen Vertrieb der gestreamten Bilder für TV-Sender übernehmen. Mit Zattoo bereitet in der Schweiz gerade einer seinen Startschuss vor, der genau das in extremo übernehmen will: mit gestreamten Live-Angeboten, befüttert aus europäischen TV-Sendenetzen. Das klingt nur im ersten Augenblick unsinnig: Zattoo stellt sich so in Konkurrenz zu Satellitenanbietern wie Astra, nicht zu Videoplattformen wie YouTube.

4. Neue ersetzen alte Sender

Skype- und Joost-Gründer Niklas Zennström: Internationales TV als Dienstleistung für Produzenten

Skype- und Joost-Gründer Niklas Zennström: Internationales TV als Dienstleistung für Produzenten

Fernsehsender, die den Knall zu spät hören, werden sterben. Ihre Nachfolger stehen bereit: Was zaubert gerade der Skype- und KaZaA-Gründer Niklas Zennstörm anderes aus dem Hut, als ein internationalisiertes TV-Angebot? Die eingesetzte P2P-Technik dürfte sowohl den Erfordernissen an eine On-demand-Datenbank, als auch denen einer Live-Event-Übertragung genügen. Wetten, dass auch AOL mit NBC ähnliche Dinge plant - zum Beispiel die Übertragung von Rockkonzerten?

Angebote wie Joost sind die neuen TV-Sender: anders als bei der Direktvermarktung durch Produzenten mit wechselnden Programmen, abhängig von Lizenzen und Kooperationen. Ihnen dürfte es leichter fallen, Community-Inhalte zu integrieren, als den klassischen Sendern: Firmen wie Joost schaffen Veröffentlichungsplattformen, Firmen wie NBC dagegen stehen für Inhalte bestimmter Art und Qualität.

Eine Galgenfrist erleben die alten Strukturen, solange Produzenten, Vertriebe und Verwerter noch in einem komplizierten Geflecht aus Verträgen und Lizenzvereinbarungen gefangen sind. Noch wird das Weltfernsehen vor allem von Anwälten verhindert.

5. Video-Websites statt Fernsehsender

Last but not least sehen sich die Produzenten audiovisueller Angebote wohl auf Dauer mit zahlreichen Konkurrenten aus anderen Sparten konfrontiert. Im Web kann jeder Sender sein - von Nachrichtenangeboten wie SPIEGEL ONLINE, das seine multimedialen Angebote weiter stark ausbauen wird, bis zu diversen Community-Seiten, die kommen und gehen werden.

Gezielt aufbauen lassen sich solche Communitys kaum - der größte Schwachpunkt in den NBC-Plänen. Was mit Blick auf den Erfolg von YouTube gern vergessen wird, ist, dass YouTube kein originelles Konzept ist: Es ist die Kopie einer Kopie einer Kopie eines Konzeptes, das wohl 1998 erstmals an den Start ging. Der Witz ist, dass YouTube Erfolg hatte, die anderen aber nicht - wer weiß warum? Auch News Corp. hat sich MySpace per Kauf einverleibt, statt wie Bertelsmann eine Community herbeifinanzieren zu wollen.

So attraktiv solche Community-Angebote auch sein mögen, sie sind für Sender als echter integraler Bestandteil des eigenen Angebots nicht wirklich erstrebenswert. Community-Seiten funktionieren nur so lange, wie die Nutzer das Gefühl haben, dort mitbestimmen zu dürfen. TV-Sender setzen sich damit erheblichen Risiken aus, denn der gemeine Nutzer unterscheidet nicht zwischen mein und dein Inhalt. Risikofreie Umsätze verspricht die Lizenzierung professioneller Inhalte an solche Seiten - Teil 2 des NBC-Planes und wohl wirklich aussichtsreich.

Denn Profi-Inhalte werten Videowebseiten auf und tragen zugleich zur Sicherung der Sender und Produzenten bei. Durch gezielte Vergabe solcher Lizenzen an bestimmte Video-Webseiten könnten die Rechteinhaber Einfluss nehmen auf deren Erfolg oder Misserfolg. Nur in dieser Hinsicht ist der NBC-Plan stimmig: Der Sender beabsichtigt offensichtlich, YouTube knapp zu halten oder zur Kasse zu bitten und Konkurrenten zu füttern.

Ein Möchtegernkonkurrent ist direkt mit an Bord und hat all das offensichtlich auch begriffen: Microsoft. Der ewige Hinterher-Renner in Sachen Web-Trends hat Ende letzter Woche sein eigenes Web-Videoangebot Soapbox nach nur einem Monat wieder eingefroren, um das Angebot von Copyright-Verletzungen zu säubern. Wieder an den Start gehen wird das bisher weitgehend erfolgfreie Portal wohl aufgefüllt mit NBC-Inhalten.

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insgesamt 150 Beiträge
Reziprozität 08.01.2007
Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Zitat von sysopDas Fernsehen in den nächsten Jahrzehnten: Noch mehr Trash, Billig-Entertainment und Spiele? Oder zurück zu den Wurzeln, mit News, Dokumentationen und Information? Wie wird sich das Fernsehen entwickeln?
Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Kritischer Leser 08.01.2007
Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt [...]
Zitat von ReziprozitätFlach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt monatlich für einen gebührenpflichtigen Privatsender. Nicht ganz billig. Aber dafür bleiben einem dann auch Werbeblöcke oder gar Sendungsunterbrechungen weitgehend erspart. Zumindest in Frankreich. Nur: wacht man mal nächtens auf und findet den Schlaf so schnell nicht wieder, pfeift man eigentlich auch auf irgendein neuseeländisches Golfturnier. Ein Film wäre da irgendwie schon interessanter. Allerdings: mit Golf, zumal passiv, schläft man garantiert schnell ein. Vielleicht sollte ich mir mal einen Zweitfernseher fürs Schlafzimmer zulegen. Gesünder und effizienter als Schlaftabletten allemal. Und bequemer und erholsamer als der Schlaf auf dem Sofa.
SaT 08.01.2007
Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird [...]
Zitat von sysopWie wird sich das Fernsehen entwickeln?
Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird gebrochen. Zu einem Ereignis gibt es dann endlich mehrere Ansichten und auch aus heute vergessene Regionen wird berichtet. Natürlich besteht auch die Gefahr das Gerüchte in Umlauf kommen, das ist aber heute auch nicht anders. Es gibt dann aber wenigstens eine Interessantgruppe die Lügen als solche entlarven wollen und sich auch Gehör verschaffen können. Es gibt wohl einige die eine solche Entwicklung zu mehr Pluralismus mit allen Mitteln verhindern wollen.
WaR52 08.01.2007
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein [...]
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein terminal, von dem ich mir über internet, kabel, sat oder stromkreis einen anbieter aussuche, der das bietet was ich will. einschränkend sei zu sagen, das nonprofit organisationen auch dann nicht viel zu bieten haben werden, aber immerhin ein angebot stellen werden, damit die global player einen gegenpart haben. leider liegt der schwarze peter nicht nur bei den sendern. es muß sich niemand big brother ansehen, aber millionen sehen sich den schwachsinn an... was wollen wir also???
Besquare 08.01.2007
falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen [...]
Zitat von ReziprozitätFlach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen abgelenkt bleiben. tata
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