Von Matthias Kremp
Hier steckt derzeit noch der Teufel im Tarif-Detail. Während nämlich Twitter selbst kostenlos ist, müssen deutsche "Twits" ihre Nachrichten an eine Mobilfunknummer in Großbritannien senden. Das kann, je nach Tarif, ganz schön teuer werden. Aber, so versprechen die Twitter-Macher, damit solle bald Schluss sein und die Einwahl über lokale Knoten ermöglicht werden. Immerhin: Für den Empfang der Nachrichten zahlt man nichts, auch nicht am Handy.
Zusätzlich soll auch die Einbindung in diverse Chat-Programme wie etwa AIM, .mac oder LiveJournal möglich sein. Hier scheint es jedoch noch Probleme zu geben. Zumindest war diese Funktion aktuell nicht nutzbar.
Information Overload
Ohnehin sollte man sich genau überlegen, bei welchen "Twits" man sich als "Friend" oder "Follower" einträgt. Sind die nämlich sehr aktiv, platzt das eigene Postfach schnell aus allen Nähten. Im Web-Interface mag das noch zu verschmerzen sein, hier leidet nur die Übersicht. Lässt man sich neue "Tweets" jedoch per SMS aufs Handy schicken, läuft man Gefahr, an Informationsüberflutung zu scheitern. Abhilfe schafft die Option, sich nur persönliche Nachrichten aufs Mobiltelefon senden zu lassen. So bleibt das Hintergrundrauschen außen vor.
Der Vorteil des Procederes liegt auf der Hand: Ganz gleich, wo ich mich herumtreibe und mit welchem Endgerät ich und meine Freunde mit dem Netz verbunden sind, die Kommunikation klappt immer.
Ohne kommerziellen Hintergrund
Das hört sich erst mal nach einen tragfähigen Modell für eine Firma an. Doch darüber, wie sich mit diesem System Geld verdienen ließe, hat sich Firmengründer und Twitter-Boss Evan Williams noch keine Gedanken gemacht. Muss er wohl auch nicht, denn an Geld dürfte es ihm nicht mangeln. Schließlich hat er seine Weblog-Plattform "Blogger" bereits 2003 gegen Zahlung einer nicht genannten Summe an Google verkauft.
Eigentlich wollte er daraufhin ins Podcasting-Geschäft einsteigen, gründete dazu einen Firma und entwickelte die Podcast-Plattform Odeo. Doch das Interesse an diesem Projekt war nur mäßig. Um so erstaunter war Evans, dass ausgerechnet Twitter, das eigentlich nur die fixe Idee eines seiner Programmierer war, so durchschlagende Erfolge feiert.
Das nächste YouTube?
Die Branche setzt allerdings große Hoffnungen auf den Newcomer. So sagte der Entrepreneur Ross Mayfield der "Financial Times", Twitter sei "die erste aufregende neue Anwendung seit flickr". An einen Megahit wie damals glaubt Mayfield jedoch nicht: "Ich glaube nicht, dass es das nächste YouTube wird - aber es wird viele Anhänger finden."
Allerdings könnte Twitter schon bald ebenso populäre Web-Stars hervorbringen wie das Videoportal. Wer die sein werden, lässt sich ansatzweise schon jetzt an der Website "Twitteroholics" ablesen. Wer es dort unter die Top-100 gebracht hat, muss schon sehr mitteilungsfreudig sein. Angeführt wird die Liste derzeit von Leo Laporte, einem Hightech-Radiomoderator und Betreiber etlicher Podcasts. Wer sich selbst einmal unter den Top-Twittern sehen möchte, hat nur eine Chance, dorthin zu kommen: twitten, was das Zeug hält.
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