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11.04.2007
 

Google Earth

Bilder des Schreckens

Von Matthias Kremp

Eine Erweiterung für das Landkartenprogramm Google Earth zeigt das Ausmaß der Zerstörungen in der Krisenregion Darfur: Kartenausschnitte übersät von niedergebrannten Dörfern und Flüchtlingslagern - der Krieg gegen Zivilisten in all seinen grausamen Details.

Seit fast vier Jahren herrscht Krieg in der sudanesischen Region Darfur. Im Kampf der regierungsnahen Milizen gegen Rebellenverbände wird auf die Zivilbevölkerung keine Rücksicht genommen. Das Resultat ist ein Völkermord ungeheuren Ausmaßes. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in Darfur rund 200.000 Menschen getötet und circa 2,5 Millionen vertrieben.

Doch das sind nur Zahlen. Gemeinsam mit dem United States Holocaust Memorial Museum hat die Suchmaschine Google eine Erweiterung, ein sogenanntes Layer, für das Landkartenprogramm Google Earth erstellt, mit dessen Hilfe man sich ein Bild vom ganzen Ausmaß der Zerstörung machen kann.

Zu viele rote Fähnchen

Beim Aufruf des Darfur-Layers blickt man zunächst auf einen Kartenausschnitt, der die Region repräsentiert. Was zunächst verwirrt ist, dass von der darunterliegenden Karte kaum etwas zu erkennen ist. Fast der gesamte Bildschirm wird von roten Flecken eingenommen. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich, dass die roten Punkte tausende kleiner Fähnchen sind. Rote Fahnen stehen für Dörfer und Ortschaften, die zerstört wurden, gelbe Fahnen weisen auf Orte hin, die beschädigt aber nicht vollständig zerstört wurden - Rot herrscht vor.

Nur selten sind dagegen stilisierte blaue Zelte zu sehen. Sie stehen für Flüchtlingslager. Per Mausklick lassen sich zusätzlich Informationen zu den jeweiligen Orten abrufen. So etwa über das Dorf Aliba Taringa, in dem 92 von 95 Gebäuden zerstört wurden. Oder über das Flüchtlingscamp Jemeza Komera, in dem 3.285 Flüchtlinge untergebracht worden sind. Manchmal sind darin auch Fotos aus der jeweiligen Gegend oder weiterführend Informationen enthalten. Wo das Informationsangebot die Fähigkeiten von Google Earth sprengen würde, führen Links zu Seiten mit Hintergrundinformationen.

Mehr Öffentlichkeit erreichen

Mit dem Projekt solle es Internet-Nutzern ermöglicht werden, "sich die Zerstörung in Darfur vorzustellen und von ihr zu erfahren wie nie zuvor", sagte Google-Sprecher Elliot Schrage bei der Vorstellung der Software in Washington. Der Darfur-Flüchtling und ehemalige Mitarbeiter des deutschen Roten Kreuz, Dawud Salih, erklärte: "Der einzige Weg, das Töten in Darfur zu stoppen, ist es, die Menschen zu informieren."

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Verantwortlichen mit Google Earth sicherlich ein geeignetes Medium ausgesucht. Nach Angaben des Herstellers wurde das Programm mittlerweile 200 Millionen Mal von den Google-Servern heruntergeladen. Sara Bloomfield, Direktorin des Holocaust Memorial Museums bezeichnete die Software als "die größte Plakatwand der Welt."

Salih hofft zudem, man könne mit der Aktion politische Veränderungen in seiner Heimat bewirken. "Wir müssen Präsident Bashir und anderen Tätern klar machen, dass sie beobachtet werden", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.

Mehr Details für den Horror

Um die Karten von Darfur anschaulicher zu machen, hat Google die Region für das Projekt teilweise mit höher aufgelösten Satellitenbildern, als zuvor vorhanden waren, verbessert. Zudem gab der Konzern an, die Gegend auch zukünftig regelmäßig mit aktualisiertem Bildmaterial repräsentieren zu wollen.

Erst vor zwei Wochen war der Konzern heftig kritisiert worden, nachdem er Satellitenbilder des vom Hurrikan "Katrina" zerstörten New Orleans durch solche von vor der Katastrophe ersetzte. Als Reaktion auf die Kritik nahm Google die verschönerten Bilder später wieder von seinen Servern, so dass in Google Earth nun wieder die Zerstörungen des Sturms zu sehen sind.

mit AP

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