Brüssel - Die EU-Kommission hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland vor allzu hohen Belastungen der Nutzer gewarnt. "Für mich ist eine begrenzte Rundfunkgebühr in Ordnung, solange ARD und ZDF damit analoges oder digitales Qualitäts-TV veranstalten", sagte EU-Medienkommissarin Viviane Reding der "Bild am Sonntag" (BamS). "Mein Appell aber an die deutschen Landesminister: Finger weg von PCs!" Mit Gebühren für internetfähige Computer dürften Bürger und Unternehmen nicht über Gebühr belastet werden.
Die Einnahmen der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) sind dem Blatt zufolge im vergangen Jahr deutlich um 163 Millionen auf knapp 7,3 Milliarden Euro gestiegen. Nach Expertenschätzung würden die Einnahmen auch 2007 weiter steigen.
Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte laut "BamS" eine allgemeine Gebührensenkung. "Wenn sich die Einnahmeverbesserung stabilisiert, dann muss das den Gebührenzahlern in Form einer Gebührensenkung zurückgegeben werden", sagte er. Zuerst sollten die Mehreinnahmen sofort dazu verwendet werden, um gewerblich genutzte Computer aus der Gebührenpflicht zu entlassen.
Auch der Vorsitzende des Medienausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP), warnte vor einer "Gebührenspirale". Die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Grietje Bettin, sagte der "BamS": "Es gibt keinen Automatismus, wonach Fernsehgebühren immer nur steigen." Wenn die Einnahmen den Bedarf überstiegen, sollten die Gebühren gesenkt werden.
Die GEZ geriet bei der EU-Kommission bereits dadurch in die Kritik, Aufträge über Jahre hinweg ohne europaweit öffentliche Ausschreibung vergeben zu haben. Die Brüsseler Behörde leitete daher vergangene Woche die zweite Stufe eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen die Bundesregierung ein.
kaz/AFP
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