Web 2.0
Immer mehr machen mit
Es beteiligen sich doch mehr Onliner als gedacht aktiv am Mitmach-Netz - und es werden täglich mehr. Ganz weit vorne: Apple-Anwender. Sie entsprechen genau der Zielgruppe der sozialen Netzwerke.
Es steht doch nicht so schlimm um das Web 2.0. Nachdem das Marktforschungsunternehmen Hitwise vor wenigen Tagen
dramatische Zahlen über das sogenannte "Mitmach-Internet", das "Web 2.0" verkündete, gibt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Forrester Research Anlass zur Hoffnung: Es beteiligen sich doch weit mehr Online aktiv am Netz.
REUTERS
Sony-Videotauschseite eyevio: Passiv konsumieren oder aktiv mitgestalten?
Immerhin 13 Prozent der erwachsenen Online-Bevölkerung, so Forrester in der Studie "Social Technographics", gehören zur kreativen Gruppe, also jenen Onlinern, die selbst Inhalte erschaffen, Videos und Bilder hochladen oder Blogs schreiben. Während männliche und weibliche Websurfer sich zu gleichen Teilen aktiv am Mitmach-Web beteiligen, sieht das Verhältnis zwischen Mac und Windows ganz anders aus. Während mehr als 20 Prozent der Mac-Anwender mit ihren Rechnern Inhalte für Blogs, Video- und Fotowebsites erstellen, liegt der Anteil bei Nutzern von Dell-PCs nur etwa halb so hoch. Besonders verwunderlich ist das nicht, stehen Mac-Anwender doch in dem Ruf, sich eher für kreative Dinge begeistern zu können. Zudem steht die schicke Apple-Hardware gerade bei jungen, markenbewussten Verbrauchern hoch im Kurs, genau jener Kundschaft, die unter den aktiven Web 2.0-Anwendern besonders häufig vertreten ist.
WEB 2.0: MITMACH-PLATTFORMEN UND SOZIALE NETZWERKE
Facebook, Myspace und Co - die bekanntesten sozialen Netzwerke und Mitmach-Plattformen im Überblick.
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach
eigenen Angaben hat Facebook derzeit 175 Millionen aktiver Mitglieder weltweit.
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Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Das Netzwerk hat laut Betreiber knapp 5,8 Millionen Nutzer.
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Ende 2008 hatte Xing 6,5 Millionen Mitglieder, etwa eine halbe Millionen Nutzer haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme.
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Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess, später finanzierten StudiVZ vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007
übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net
nach eigenen Angaben mehr als zwölf Millionen Nutzer.
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MySpace.com ist die populärste unter den Community-Plattformen, mit über hundert Millionen registrierten Nutzern. Wie auch
Facebook.com,
Xanga.com oder
Friendster.com bietet MySpace den Nutzern die Möglichkeit, Profilseiten anzulegen und mit Bildern und Videos zu dekorieren, Musik und Text auf die Seite zu stellen und ihre persönliche Profilseite mit der von Freunden und Bekannten zu verknüpfen. MySpace ist sehr beliebt bei Nachwuchsmusikern und verhalf auch den britischen Arctic Monkeys zu ungeahntem Erfolg. In die Kritik geriet das Angebot, weil es von Pädophilen benutzt wurde, um Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen.
StudiVZ ist eine deutsche Studenten-Community, die Facebook ähnelt.
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Flickr.com ist eine Foto-Community. Nutzer können Bilder einstellen, mit Schlagworten ("Tags") versehen und Pools für bestimmte Themen einrichten. Im Zusammenhang mit Ereignissen wie den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn oder dem Hurrikan "Katrina" wurde Flickr auch zu einem Paradebeispiel für den sogenannten citizen journalism: Schnell entstanden Bildersammlungen von Privatleuten, die das Geschehen dokumentierten. Als deutsches Flickr-Pendant versucht sich zum Beispiel
Photocase.
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YouTube.com lässt Nutzer Videos online stellen. Wie bei
Flickr und ähnlichen Angeboten können andere Eingestelltes kommentieren und bewerten. Mit einem speziellen Werkzeug kann man YouTube-Videos auch auf seiner eigenen Webseite einbinden. Vergleichbare Dienste gibt es inzwischen zuhauf, Beispiele sind
Metacafe.com,
Vimeo.com und
ClipShack.com. Auch
Googles Videodienst funktioniert nach dem gleichen Prinzip.
Putfile.com ist ein genereller Upload-Service für Videos, Audio- und Bilddateien. Weiter gehen Angebote wie
Eyespot.com und
Jumpcut.com - dort können die Nutzer eingestellte Videos auch bearbeiten, zusammenschneiden und nachvertonen. Deutschsprachige Varianten von Youtube sind etwa
MyVideo und
FMarket. Eine Kombination aus Flickr und YouTube bietet
Sevenload.
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Eine Art Online-Bookmark-Sammlung mit Community-Eigenschaften. Bei
Del.icio.us kann jeder angemeldete Nutzer Web-Adressen speichern, sie mit Schlagworten ("Tags") versehen und so anderen Benutzern zugänglich machen. Verwandte Sites lassen sich so gruppieren, User mit ähnlichen Interessen können einander auf Interessantes hinweisen. Für Firefox-Benutzer gibt es sogar ein Browser-Plugin, das den Zugriff auf die Online-Linksammlung in die Navigationsleiste integriert.
Mr Wong ist eine deutsche del.icio.us-Variante.
Ursprünglich auf Technologie-Nachrichten spezialisiert war
digg.com. Die Selbstbeschreibung des Angebotes spricht von "nicht-hierarchischer redaktioneller Kontrolle": Indem Nutzer eingestellte Nachrichten bewerten, entscheiden sie mit über die Platzierung einer bei digg.com verlinkten Meldung auf der Seite. Eine deutsche Variante von Digg heißt
Yigg.
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten eigenen Angaben inzwischen etwa 3,4 Millionen Nutzer.
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Technorati.com ist die Mutter aller Blog-Suchmaschinen. Sie katalogisiert Weblogs, Blogeinträge können wiederum mit Tags versehen und so zusammengefasst oder effektiver durchsucht werden. Technorati beurteilt Blogs auch nach Bedeutsamkeit und Glaubwürdigkeit - Suchergebnisse können entweder danach oder nach dem Erscheinungsdatum sortiert werden. Durch die Hitliste der häufigsten Suchbegriffe ist Technorati auch zu einer Art Seismograph für die heiß debattierten Themen der Blogosphäre geworden. Eine Blog-Suche bietet auch Google an (
Google Blog Search) - mit weniger aufwendiger Funktionalität, aber teilweise anderen Ergebnissen.
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Mashups sind Multimedia-Collagen wie Video-Zusammenschnitte - oder aber Internetseiten, die durch das vermischen, verknüpfen oder neu konfigurieren vorhandener Inhalte entstehen. Häufig werden beispielsweise
Ortsinformationen aus Google Maps mit anderen Inhalten, etwa Lexikon- oder Branchenbucheinträgen verknüpft. Auch
Flickr und
del.icio.us sind beliebte MashUp-Zutaten. Viele Web-Unternehmen stellen Hobbyentwicklern für solche Projekte sogar ihre
"application programming interfaces" (APIs) zur Verfügung.
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Blogs oder Weblogs sind oft von Privatleuten geführte Internet-Publikationen. Sie basieren auf einer Software, die es erlaubt, Texte mit wenig Aufwand online zu stellen und Leser Artikel kommentieren zu lassen. Weblogs sind teilweise schlicht private Aufzeichnungen für den Freundeskreis, zum Teil aber durchaus ambitionierte Publikationsprojekte, die von den Betreibern als alternative journalistische oder literarische Form verstanden werden. Besonders themenspezifische Blogs können durch eingeblendete Werbung durchaus lukrativ sein. Es gibt auch organisierte Blogger-Verbände, die Zulieferer-Verträge mit Zeitungen und Nachrichtenagenturen haben.
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Fast genau umgekehrt sieht das Verhältnis dagegen bei den passiven Nutzern aus, jener Gruppe, die Community-Netzwerke und Social-Networking-Websites konsequent umschiffen. Hier liegt der Anteil Mac-Anwender bei 33 Prozent, während sich 55 Prozent der Dell-User dem Web 2.0 total verweigern. Damit liegen die Dell-User nah am Durchschnitt, denn laut Forrester haben immerhin 52 Prozent der Onliner noch keine Berührungspunkte mit sozialen Netzen.
Forrester berücksichtigt auch Blogger
Weshalb Forresters Zahlen so weit über dem liegen, was noch vor kurzem Hitwise verkündete, ist nicht eindeutig zu klären. Ein Grund dürfte aber auf jeden Fall sein, dass Forrester nicht nur die großen Websites wie MySpace, Youtube und flickr, sondern auch die riesige Bloggergemeinde in seine Studie einbezog.
Zudem erläutert die Studie, dass diejenigen, die sich nicht mit eigenen Beiträgen an den neuen Online-Gemeinschaften beteiligen, nicht zwangsläufig reine Passivnutzer sind. Stattdessen identifizieren die Autoren beispielsweise 19 Prozent der Internet-Nutzer als "Kritiker". Diese Leute schreiben beispielsweise Rezensionen bei Amazon oder kommentieren Blogeinträge. Weitere 15 Prozent werden von Forrester als "Sammler" bezeichnet. Sie tragen Links zu interessanten Websites oder RSS-Feeds auf Community-Seiten wie del.ico.us ein und bereichern so die Gemeinschaft.
Da zudem immer mehr Programme auf den Markt kommen, die das Bloggen, das Bearbeiten, Hochladen und Verwalten von Bildern und Videos vereinfachen, scheint wahrscheinlich, dass diese Zahlen in Zukunft noch weiter zunehmen werden.
Ganz so übel, wie es Hitwise sieht, scheint es um die Mitmach-Mentalität der Internet-Bevölkerung also doch nicht zu stehen.
mak