Sonntag, 22. November 2009

Netzwelt



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11.05.2007
 

Netzwelt-Ticker

Flüchtige Fingerabdrücke

Von Richard Meusers

Schlechte Zeiten für Big Brother: Die Fingerabdruck-Speicherung ist in Deutschland vom Tisch. In den USA stellt ein Verlag einen wegen seiner Kritik an Apple vertriebenen Chefredakteur wieder ein - und damit seine Glaubwürdigkeit wieder her. Das und mehr im Überblick.

Keine dauerhafte Speicherung von Fingerabdrücken

Der andauernde Widerstand zeigt Wirkung. Die Überwachungspläne von Bundesinnenminister Schäuble mussten Federn lassen. Die ursprünglich vorgesehene dauerhafte Speicherung von Fingerabdrücken bei den Passbehörden ist vom Tisch.

Fingerabdrücke: Die über die Einwohnermeldeämter erfassten Daten sollen nun doch nicht für Fahndungen zur Verfügung stehen
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DDP

Fingerabdrücke: Die über die Einwohnermeldeämter erfassten Daten sollen nun doch nicht für Fahndungen zur Verfügung stehen

Eigentlich sollten diese Daten, die jeder Bürger bei Beantragung eines neuen Reisepasses bei den Einwohnermeldeämtern abgeben muss, für weitere polizeiliche Ermittlungen gespeichert werden. Aber da legte sich im Innenausschuss die SPD quer. Um nun die Einführung der E-Pässe mit dem erweiterten biometrischen Datensatz im November nicht gänzlich zu gefährden, lenkten die Koalitionspartner von Unionsseite ein. Allerdings wäre es angesichts der Begehrlichkeiten seitens des Innenministers und mancher Ermittlungsdienste ganz gut zu wissen, wie die Löschung besagter Daten sichergestellt werden soll.

"PC-World"-Chefredakteur wieder im Sattel

Wie hältst du es mit der Pressefreiheit? Die Gretchenfrage der Journaille gilt offiziell auch in Bezug auf Anzeigenkunden, so jedenfalls die Theorie. In der Praxis sieht es bekanntlich oft ganz anders aus. Da wird der gute Anzeigenkunde von der Redaktion in ihren Beiträgen gern gestreichelt. Auflehnung dagegen kann den Job kosten, wie erst vor einigen Tagen Harry McCracken, der Chefredakteur des Computermagazins "PC World" erfahren musste.

Der wollte nämlich einen kritischen Artikel über Apple veröffentlichen, was ihm jedoch vom neuen Verlagsgeschäftsführer untersagt wurde. Daraufhin nahm McCracken unter Protest seinen Hut. Die Angelegenheit schlug hohe Wellen.

Nun gilt "Kommando zurück", wie macnews sehr erstaunt berichtet. McCracken kehrt auf seinen Posten zurück, dafür gibt der Geschäftsführer seine Verantwortung für den Printbereich wieder ab. Was genau die Verlagsleitung dazu bewogen hat, hat sie die Öffentlichkeit nicht wissen lassen. Vielleicht war es die Erkenntnis, dass der Verlust an Glaubwürdigkeit auf Dauer noch mehr Anzeigenkunden kosten würde.

Kalifornische Lokalnachrichten nach Indien outgesourct?

In den USA gibt es wie in Europa eine hitzige Debatte um Arbeitsplätze, die in Niedriglohnländer verlagert werden und so eine Belastung für den heimischen Arbeitsmarkt darstellen. Ein besonders bizarres Beispiel kann seit einigen Tagen im kalifornischen Pasadena bestaunt werden.

Das dort ansässige Onlinemagazin namens pasadena.com suchte in Indien nach einem Nachrichtenredakteur. Der solle sich um die Lokalpolitik und sonstige Ereignisse der 150.000 Einwohner zählenden Stadt kümmern. Die naheliegende Frage, wie ein Journalist Vor-Ort-Berichterstattung hinbekommen soll, ohne vor Ort zu sein, beantwortet der Herausgeber James Macpherson mit entwaffnender Offenheit: "Das könnte ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Qualität des Lokaljournalismus sein. Egal, ob dein Schreibtisch in Pasadena oder in Bombay steht, du bist immer nur einen Telefonanruf oder eine E-Mail vom Interview entfernt."

Britische Personalausweise kosten acht Milliarden Euro

RICHARD MEUSERS


... betrachtet von Köln aus die Entwicklung der Medienwelt und schreibt darüber; wenn noch Zeit bleibt, pflanzt und gärtnert er auch gern.
Neue Technik, neue Kosten. Der alte Grundsatz bewahrheitet sich wieder einmal in Großbritannien. Dort soll demnächst der biometrische Personalausweis eingeführt werden. Nur: Die Höhe der veranschlagten Kosten steigt ständig. Nun hat die britische Regierung dieser Tage den jüngsten Kostenbericht veröffentlicht, und siehe da, seit Oktober vergangenen Jahres hat sich die Summe des bis 2016 veranschlagten Aufwands um umgerechnet knapp 900 Millionen Euro auf 8,1 Milliarden Euro vergrößert, wie The Register berichtet.

In diesen Zahlen seien noch nicht einmal die satten Zuschläge von 700 Millionen Euro enthalten, die zur Finanzierung der entsprechenden Angebote und der benötigten Ausstattung in Botschaften und Konsulaten fällig werden. Wovon bisher noch überhaupt nicht die Rede gewesen und was ebenfalls noch eingepreist werden müsse, seien die Kosten, die entstünden, wenn andere Ministerien die Ausweise auch für ihre Belange nutzen wollten.

Sommerzeit - Computertod

Übergroße Sommerhitze schlägt nicht nur manchen Menschen auf Gemüt und Gesundheit. Vielen Computern, genauer gesagt, vielen Festplatten geht es nicht anders. Ganz besonders dort, wo Klimaanlagen intensiv genutzt werden, kommt es zu vermehrten Ausfällen der Rechnergedächtnisse, wie der Inquirer bemerkt. ESS, ein auf Datenrettung spezialisiertes Unternehmen in den USA, wies auf die Zusammenhänge hin.

"Im Sommer erhalten wir 20 Prozent mehr beschädigte Festplatten als im Winter", wird Firmenchef Ben Carmitchel zitiert. Der um bis zu 50 Prozent erhöhte Stromverbrauch durch Klimaanlagen allein sei nicht problematisch. Eher schon Spannungsspitzen und kurze Stromunterbrechungen. "Durch eine Umfrage unter unseren Kunden stellten wir fest, dass durch Klimaanlagen verursachte plötzliche Überspannungen die Hauptrolle für die Zunahme im Frühling spielen", so Carmitchel.

Einige Vorkehrungen beachtet, und schon beugt man einem möglichen Datenverlust vor: Während eines Gewitters den Computer vom Netz trennen, darauf achten, ob der Rechner ausreichende Ventilation zur Kühlung hat und vor allem regelmäßig Datensicherung. Dann kann der nächste Gewittersturm kommen.

Polizeiforum german-police.org gehackt

Während Politiker noch den Polizeisatz bei der sogenannten Anti-Terror-Razzia im Vorfeld des G8-Gipfels verteidigen, scheint die Aktion auch einige unerwünschte Nebenwirkungen zu zeitige. So zum Beispiel einen Solidarisierungseffekt in der linken bzw. linksextremen Szene. Darunter sind auch einige versierte Hacker, die gestern am privat betriebenen Polizeiforum german-police.org ihr Können demonstriert haben.

Der "Piratainment"-Dienst Gulli berichtet jedenfalls vom erfolgreichen Defacement, das sich aber nicht nur in der Verunstaltung der Seite erschöpfte, sondern auch gleich die Veröffentlichung der kompletten Datenbank inklusive aller vertraulichen Forenbeiträge und privaten Nachrichten umfasste. Die Seite ist mittlerweile insoweit wiederhergestellt, dass sie einen dürren Hinweis auf den Angriff enthält.

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