Von Matthias Kremp
Jedem Nutzer wird per Software ein virtueller PC auf einem Server eingerichtet. Das geht schneller als die Installation eines richtigen Rechners, ist billiger und nutzt die vorhandene Hardware besser aus. Schließlich kommt es kaum vor, dass alle Nivio-Anwender gleichzeitig ihren Online-Desktop nutzen.
Günstig aber nicht kostenlos
Nach einer kostenlosen Testphase von 30 Tagen werden für jeden weiteren Monat knapp zehn Euro Mietgebühr fällig. Dafür erhält man einen kompletten virtuellen Desktop samt Windows, Anwendungssoftware und fünf Gigabyte Online-Datenspeicher.
Im ersten Test entpuppt sich der Nivio-PC als fast vollwertiger Computer. Wie die meisten Windows-PCs braucht er viel zu lange, bis der Desktop endlich erscheint. Wenn er allerdings geladen ist, spürt man kaum mehr einen Unterschied zwischen dem virtuellem Rechner und einem realen Gegenstück - zumindest mit schneller Internetverbindung. Als Minimalvoraussetzung gibt Nivio 128 Kilobit pro Sekunde, was einer zweikanaligen ISDN-Verbindung entspricht. Schneller ist allerdings besser, viel besser.
Neue Software nur auf Anfrage
Eigene Software kann man nicht installieren. Nur die von Nivio vorbereiteten Programmpakete sind verfügbar:
Wer unbedingt andere als die von Nivio angebotenen Programme benötigt, kann diese im Anwenderforum der Nivio-Website beantragen. Eine Garantie, dass die geforderte Software tatsächlich auf dem Online-Desktop laufen wird, gibt es aber nicht. Jedes Programm muss von den Ingenieuren für den Online-Einsatz angepasst werden. Derzeit ist Google Earth in Arbeit.
Konzept mit Potential und Problemen
Noch ist Nivio in der Betatest-Phase, und das spürt man deutlich. So lässt sich die Größe des virtuellen Schreibtischs nicht verändern, der Vollbildmodus ist nicht zu aktivieren, und der versuchte Start von iTunes wurde wiederholt mit einer Fehlermeldung quittiert.
Außerdem gibt es noch Probleme mit Streaming-Anwendungen. Sollen Musik oder Videos live aus dem Netz abgespielt werden, wird der Nivio-PC zur Schnecke. Auch mit Spielen haben die Entwickler Probleme: Sie benötigen eine möglichst schnelle Bildschirmausgabe, und damit hapert es über das Netz noch.
Vor allem aber muss sich Nivio gegen die Web-2.0-Konkurrenz behaupten. Schließlich bieten diverse Firmen und Organisationen Bürosoftware für den Browser an. Google ist mit seinem Word- und Excel-Clone "Text und Tabellen" nur einer von vielen. So ist auch ein Online-Desktop in Arbeit, der auf Grundlage der Web-2.0-Technologie Ajax einen virtuellen Computer in den Browser verpflanzen soll - kostenlos.
Wer nicht unbedingt auf bestimmte Windows-Programme angewiesen ist, sollte zuerst solche Angebote in Erwägung ziehen. Denn auf Dauer wird auch Nivios Online-PC zu einem teuren Spaß.
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