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Betrug im Mitmachnetz Die Bewertungssöldner kommen

2. Teil: Was Collactive zu Neonazis sagt

Matt Foremski, der vor einem Jahr den wohl bekanntesten YouTube-Betrugsfall, lonelygirl15, aufgedeckt hat und heute mit der Firma Vidstars YouTube-Schleichwerbung vermarkten will, sagt zu SPIEGEL ONLINE: "Bewertungsbetrug auf YouTube ist sehr einfach." Die meisten Clips würden nach einem Tag gelöscht werden, YouTube gehe aktiv gegen Spammer vor. Aber: "Sie haben ihr Bewertungssystem nicht geändert, sie zählen noch immer Seitenaufrufe statt einzelner Besucher." Dass Nutzer überhaupt den Bewertungsbetrug wittern, liegt laut dem Betrugs-Forscher von der Harvard University Ben Edelman daran, dass die Betrüger zu gierig werden.

"Lasst die Extremisten ruhig marschieren"

Collactive arbeitet anders als solche Spammer, die Computer-Programme die Handlungen echter Nutzern imitieren lassen, was eindeutiger Betrug ist. Bei Collactive hingegen muss jeder Klick von einem anderen Menschen, zumindest von einem anderen E-Mail-Empfänger kommen. Collactive-Gründer und Geschäftsführer Eran Reshef glaubt daher: "Unser System ist für Spammer uninteressant. Man braucht viele echte Unterstützer, um mit dem System sichtbare Effekte zu erzielen."

Der Vorteil ist: Man kann diese Unterstützer schnell und zielgerichtet mobilisieren. Eine Chance für gut organisierte Radikale, die öffentliche Meinung zu beeinflussen? Reshef: "Das ist ein Argument. Aber es ist eine kulturelle Frage, wie man mit extremen Meinungen umgeht." In den Vereinigten Staaten gebe es da eine andere Übereinkunft als in Europa, sagt Reshef: "Hier gilt: Lasst die Extremisten ruhig in der Öffentlichkeit marschieren - damit wir alle über sie lachen können."

Doch für die Glaubwürdigkeit der Bewertungsfunktion im Web 2.0 ist es wohl egal, ob nun echte Neonazis bei Digg eigene Themen ganz oben auf die Agenda bringen oder ein Agentur ein Energie-Getränk unter die Top-Videos auf YouTube drückt: Das Vertrauen in die Filter-Funktion der Nutzer-Gemeinschaften leidet.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung des Artikels hatten wir das Zitat von Jay Adelson, Geschäftsführer des Nachrichten-Bewertungs-Portals Digg, aus dem Wall Street Journal falsch wiedergegeben. Der Fehler ist inzwischen korrigiert.

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