Von Richard Meusers
Nach den dauernden Debatten um Onlinedurchsuchungen, Staatstrojaner und Terrorismusverdacht aufgrund verdächtiger Suchwörter bekommen Computerbesitzer und Internetsurfer ganz neue Töne aus Berlin zu hören. Wie der "Tagesspiegel" heute berichtet, soll der Grundrechtekatalog um die Freiheit im Internet erweitert werden.
Bisher werden vom Grundgesetz die Informations-, die Versammlungs-, die Vereinigungsfreiheit, das Postgeheimnis und die Unverletzlichkeit der Wohnung geschützt, die Anpassung soll der veränderten technischen Wirklichkeit Rechnung tragen. "Das Internet ist ein neuer Raum, die vierte Dimension, eine Welt in der Menschen leben, lieben, sich wirtschaftlich betätigen. Diese Welt sollte sich auch im Grundgesetz wiederfinden als ein Raum der Freiheit", wird SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz zitiert.
Während also die SPD das neue Grundrecht aus dem Gedanken der Freiheitsrechte des einzelnen Bürgers (auch gegen den Staat) ableitet, scheinen beim Koalitionspartner auf Unionsseite Sicherheitserwägungen die Sicht zu bestimmen.
Der CDU-Innenexperte Ralf Göbel bringt es knapp auf den Punkt, wenn er die derzeit debattierte Online-Durchsuchung als Anlass für den Vorstoß nimmt. Bevor man nämlich in ein Grundrecht der Bürger eingreife - wie das ja auch sonst bei polizeilichen Ermittlungen der Fall sein kann - müsse man überhaupt erst einmal festlegen, worin dieses Grundrecht bestehe. Und so entpuppen sich die vermeintlich neuen Töne doch nur als die altbekannte Melodie. Die Ironie ist unverkennbar: auch für den virtuellen Rasen gibt es demnächst "Nicht betreten!"-Schilder. Mit der gleichen Wirkung wie in der realen Welt.
Internetcafé-Hotspot vom Auto genutzt - Gefängnis
Jeden Morgen fuhr Sam Peterson im Städtchen Sparta im US-Bundesstaat Michigan auf dem Weg zur Arbeit durch eine Straße, in der ein Internetcafé mit einem WLan-Hotspot liegt. Er hielt kurz an, ging mit seinem Notebook online und checkte seine E-Mails und fuhr weiter. Dass er damit gegen ein Gesetz verstieß, das in Michigan den "betrügerischen Zugang zu Computern und Netzwerken" unter Strafe stellt, war ihm dabei nicht bewusst, ebenso wenig übrigens wie dem Besitzer des Internetcafés.
Nun wurde Peterson wegen der unerlaubten WLan-Nutzung verhaftet, denn dessen Nutzung sei den Gästen des Cafés vorbehalten, in dem Peterson sich aber nie habe blicken lassen, so die Polizei. Theoretisch drohen dem Mann jetzt bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 10.000 US-Dollar. Tatsächlich aber wird er wohl mit einem 400-Dollar-Knöllchen und 40 Sozialstunden davonkommen, wie ein Lokalsender aus Michigan zu berichten weiß.
Ganz egal, wie man zur Gesetzgebung über offene WLan-Netze steht, wer sie nutzt, sollte das zumindest nicht unerlaubt direkt vom gegenüber geparkten Auto aus tun.
Google beteiligt sich an DNA-Suchmaschine
Wer behauptet eigentlich, man könne nur Datenbestände effizient erfassen und durchsuchen? Das sagte man sich auch beim Suchmaschinenriesen Google und investierte 3,9 Millionen US-Dollar in ein Biotech-Unternehmen namens "23andMe", das Gentests anbietet, mit denen etwaige genetische Veränderungen und damit potentielle Erbkrankheiten erkannt werden können. Das Geld bleibt dabei in der Familie, die Initiatorin der DNA-Suchmaschine ist die Frau von Google-Gründer Sergey Brin. Ein Google-Sprecher beschrieb die Motivation hinter der Beteiligung an dem kleinen Unternehmen mit aller Offenheit: Die Firma bringe den Konzern auf dem Weg voran, sämtliche Daten der Welt zu erfassen.
Trotz Fan-Bitten: Microsoft verklagt vorerst keine Linux-User
Dieses Angebot fanden mittlerweile über 600 Open-Source-Fans so unwiderstehlich, dass sie sich eingetragen haben. Möglicherweise war die ganze Liebesmüh' umsonst, denn Microsoft plant zumindest für den Moment nicht, irgendjemanden im Zusammenhang mit Patentrechtverletzungen durch Linux zu belangen. "Wenn wir das wirklich bis zum Ende hätten durchfechten wollen, hätten wir das schon vor drei Jahren tun können", zitiert Zdnet einen Microsoft-Sprecher.
Ein Ring, alles zu steuern: die 3D-Finger-Maus kommt
Zunächst eine Entwicklung für Computerspieler, aber sie könnte auch die Computersteuerung ganz grundsätzlich revolutionieren: Golem berichtet von der Erfindung von fünf Studenten des Worcester Polytechnic Institute im US-Bundesstaat Massachusetts. Die wie ein Ring am Finger getragene "MagicMouse" besitzt Sensoren, die den Mauspfeil aktivieren, die Bewegung weg vom Bildschirm oder auf ihn zu verkleinert oder vergrößert den Bildausschnitt. Mit dieser Weiterentwicklung der Mausgesten kann sich der Anwender leicht durch virtuelle Landschaften bewegen oder auch mit Designprogramme arbeiten. Die enge Verbindung zum Finger erlaubt eine viel intuitivere Bedienung als das mit herkömmlichen Mäusen möglich ist. Die komplette Elektronik ist derzeit auf fünf Quadratzentimetern untergebracht und wiegt zehn Gramm. Damit erinnert die Fingermaus zwar noch eher an einen klobigen Zuhälterklunker, aber es ist ja nur ein Prototyp, der mit 155 US-Dollar Herstellungskosten auch erstaunlich günstig ist.
Warten auf die Telekom lohnt nicht
Über eine Million deutsche Haushalte verfügen derzeit über keinen DSL-Zugang, vor allem in den dünn besiedelten Gebieten im Nordosten. Da die Deutsche Telekom im Moment auch keine flächendeckende DSL-Versorgung für Deutschland plane, sei es ratsam, sich an alternative Technologien wie WiMax oder Satellitenübertragung zu halten. Das teilte die Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion mit. Die betroffenen Gemeinden sollten sich nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" verstärkt mit der Privatwirtschaft zusammentun, um eine Breitbandversorgung auch in abgelegenen Gegenden zu erreichen.
Bleibt nur die Frage, warum sich private Unternehmen an der Bereitstellung von Breitbandnetzen beteiligen sollen, die die Telekom aufgrund der hohen Kosten verweigert. Aber vielleicht erklären sich ja noch ARD und ZDF bereit dazu, GEZ-Gelder zuzuschießen: Schließlich haben sie ja in letzter Zeit ihre Verpflichtung zur Internet-Grundversorgung der Bevölkerung entdeckt.
USA: Weniger illegale Downloads
Illegale Downloads von Musik, Software und anderem geschützten Material durch Jugendliche in den USA haben in den letzten drei Jahren drastisch abgenommen, so das Ergebnis einer Studie des Industrieverbandes Business Software Alliance, die gestern veröffentlicht wurde.
Gaben im Jahr 2004 noch 60 Prozent der befragten acht- bis 18jährigen unerlaubtes Herunterladen zu, so beträgt diese Rate jetzt 36 Prozent. Die Gründe für die gestiegene Gesetztestreue sind neben der Angst vor möglichen Strafen (52 Prozent) vor allem die Sorge, sich Spyware oder einen Virus (62 Prozent) einzufangen. Auch wenn die Befragung online durchgeführt wurde, bleibt unklar, inwieweit die befragten Kinder und Jugendlichen ehrlich geantwortet haben.
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH