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Google Translate "Kanzler rühmt jetzt sich stratospheric Zustimmung"

2. Teil: Die automatische Übersetzung bleibt skurril, gewinnt aber an Wert - und Google übersetzt gleich das ganze Web

Als Resultat erhält man eine übersetzte Ergebnisliste und fortan auch die Navigation in der eigenen Muttersprache. Alternativ zur freien, übersetzten Suche bietet Translate dazu unter "Text and Web" nach wie vor die Möglichkeit, ausgeschnittene Textpassagen oder konkrete Webadressen zu übersetzen.

Das alles ist bequem, nach wie vor lustig aber trotzdem nützlich.

So fördert eine aktuelle Suche nach "Angela Merkel" zutage, dass diese "christdemokratischer Anschlussführer" ist, aber natürlich auch "Deutschlands erster weiblicher Kanzler". Als "ersten Führer seit Vereinheitlichung" wird sie sich sicher weniger gern titulieren lassen, dass sie "1 ordnet" auf "den 100 leistungsfähigsten Frauen 2006" dürfte sie dagegen mit Stolz erfüllen. Man sieht: Semantik bleibt ein Problem.

Trotzdem ist der Nutzwert des neuen Services nicht zu unterschätzen. Gut ist hier nicht nur, dass man die Ergebnisse im Kontext serviert bekommt, gut ist vor allem, dass es hier nicht endet: Google Translate entlässt den Nutzer in eine Art Übersetzungs-Blase im Web. Wer auf einen der Links klickt, dem werden die Webseiten dahinter in maschinell übersetzter Form serviert.

Das - der Starr-Report lässt grüßen - bleibt eine lustige Angelegenheit, und doch hat sich viel getan seit den ersten Schwimmversuchen des Babelfish. Die immer noch deutliche semantische Schwäche scheint weit weniger gravierend als früher: Eine "Zerstampfung" braucht Frau Merkel jedenfalls nicht zu befürchten. Und auch wenn ab und an mal ein Satz in die Binsen geht, ist der Sinngehalt eines Textes heute etwas besser zu erschließen. Ein Beispiel aus der "Time" vom 30. April 2006:

"Zu der Zeit ihrer Wahl fast sechs Monaten vor, Angela Merkel, Deutschlands erstem Frau Kanzler und dem ersten Führer, da die Vereinheitlichung, um vom früher kommunistischen Osten zu hageln, weg von den Kommentatoren geschrieben wurde. Der Führer der konservativen christlichen Demokraten wurde gezwungen, eine Koalitionregierung zu führen, in der viele wichtige Positionen von den Sozialdemokraten gehalten wurden. Aber der Kanzler rühmt jetzt sich stratospheric Zustimmung Bewertungen, und die Verbesserung in der deutschen Wirtschaft wird gesetzt allgemein unten zum 'Merkel Effekt.'"

Auf den ersten, weitgehend sinnfreien Satz folgen halbwegs verständliche Übersetzungen - man weiß, was der Autor sagen will. Und Google gönnt uns mehr davon. Genauer gesagt: So viel wir wollen.

Denn jeder Link im übersetzten Text führt uns wieder zu einer übersetzten Seite und so fort - statt in den Weiten des fremdsprachigen Netzes bewegen wir uns im fehlerhaft übersetzten, aber immerhin leidlich verständlichen Google-Web. So lustig das alles für den Sprachkenner ist, man muss es honorieren: Es erschließt Teilen der Bevölkerung Teile des Netzes, die bisher weitgehend unzugänglich waren.

Dass Google dabei einen vollständigen Einblick in das Surfverhalten seiner Nutzer bekommt, wird manchen irritieren. Die Tatsache aber, dass viele Nutzer den Dienst vor allem in Anspruch nehmen werden, um die beknacktesten Fehlübersetzungen zu suchen, dürfte für hinreichend erratische Nutzerstatistiken sorgen, um den potentiellen Wert der denkbaren Surfüberwachung zu mindern. So hat Google mit Translate einen Dienst aus der Taufe gehoben, der den meisten Nutzern etwas bringt: Die Sprachversierten lachen nun lauter mit Google, Menschen ohne Fremdsprachenkenntnisse freuen sich über eine Erweiterung ihrer Möglichkeiten.

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