Von Konrad Lischka
Blanquefort ist grün: Das kleine französische Städtchen liegt im Weinbaugebiet Bordeaux. Grün sind nicht nur die Hügel im Norden der 15.000-Seelen-Gemeinde, grün leuchten auch die drahtlosen Internet-Zugänge auf der Übersichtskarte: Sucht man auf der Seite des W-Lan-Anbieters FON nach Hotspots in Blanquefort, sind vor lauter grünen Standort-Markierungen kaum noch die Straßennamen auf der Landkarte zu erkennen. Der Grund: Blanquefort ist weltweit die erste FON-Stadt.
Vorigen Dezember schenkte das spanische Unternehmen FON der Stadtverwaltung von Blanquefort 1.000 W-Lan-Router. Die kleinen Sendestationen machen aus einem gewöhnlichen Internetanschluss – egal ob Kabel, DSL oder Glasfaser – einen drahtlosen Hotspot, über den sich jeder in Reichweite ins Internet einwählen kann.
Das hat die Stadt mit ihrem eigenen Breitband-Zugang an 20 Stellen im Stadtgebiet getan. Im Umkreis des Rathauses, der Schule, des Kulturzentrums und weiterer kommunaler Einrichtungen können die Bürger nun drahtlos surfen - vorausgesetzt wie haben einen W-Lan-fähigen Laptop dabei.
Die übrigen FON-Router verteilt die Stadt an Bürger, die ihren Breitband-Internetanschluss mit anderen teilen wollen. Mit dem FON-Router können die Inhaber zum einen mit ihrem Laptop daheim drahtlos surfen. Zum anderen können sie unterwegs kostenlos über andere FON-Hotspots surfen - vorausgesetzt sie öffnen ihren eigenen Internet-Zugang für FON-Surfer. Ingesamt gibt es für FON drei Nutzungs-Modelle mit den putzigen Namen Linus, Bill und Alien (siehe Kasten).
Seit Mai sucht FON auch in Deutschland Gemeinden, die zur FON-City werden wollen wie Blanquefort. Bisher sind etwa 400 Anfragen und Bewerbungen angekommen, sagt FON-Europachef Robert Lang: "Von Bürgern, aber auch von Gemeinden - vor allem solchen aus Gebieten ohne DSL-Versorgung."
Europachef Robert Lang wirbt damit, dass Gemeinden mit dem FON-City-Kozept Kosten sparen und bürokratische Hürden umgehen könnten. Seine Argumentation: Es wird keine neue städtische Infrastruktur aufgebaut, für die eine EU-weite Ausschreibung notwendig wäre. "Außerdem konkurrieren Gemeinden, die FON-City anbieten, nicht mit privaten Internet-Anbietern, was ihnen das EU-Recht verbietet." Vor Gericht ist Langs Argumentation allerdings noch nicht geprüft worden.
Das Besondere an dem Modell: Das Wachstum nährt sich selbst. Die Stadt schafft mit ihren FON-Hotspots den ersten Anreiz für Nutzer, ihre Breitband-Zugänge zu teilen. Und je mehr Nutzer ihre eigenen Zugänge öffnen, desto attraktiver wird das Netz für neue FONeros - und natürlich für FON selbst. Das Unternehmen verdient daran, dass Surfer die nicht zur FON-Gemeinde gehören einen FON-Hotspot benutzen und für diese Benutzung bezahlen.
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH