Von Konrad Lischka
Das größte W-Lan-Netz der Welt
Binnen zwei Jahren hat FON das größte W-Lan-Netz der Welt aufgebaut. "Es gibt 150.000 Hotspots und 400.000 Nutzer weltweit. Und jeden Tag kommen weltweit Hotspots im drei- bis vierstelligen Bereich hinzu", sagt FON-Europachef Lang. Vom neuen Funkstandard 802.11n erhofft er sich einen weiteren Schub. Lang: "An diese Router können Sie bis zu drei Antennen anschließen, damit werden Reichweiten von bis zu einem Kilometer möglich – auch aus geschlossenen Räumen."
Allerdings ist die FON-Infrastruktur für Anwendungen wie die Vernetzung von städtischen Mitarbeitern, Parkleitsystemen, Überwachungskameras oder Wasserzähler kaum brauchbar - da fehlt die garantierte Abdeckung. Und: FON arbeitet inzwischen weltweit mit Internet-Anbietern zusammen. Bei denen, die nicht Kooperationspartner sind, stellt sich aber die Frage, ob ihre Vertragsbedingungen es den Kunden erlauben, ihren Breitbandanschluss per FON-Router mit unbekannten FON-Nutzern zu teilen.
Drahtlos-Komplettversorgung in Friedrichshafen
Das FON-Modell ist wahrscheinlich die einzig praktikable Methode, mit der W-Lan-Technologie ein einigermaßen engmaschiges, refinanzierbares Drahtlos-Stadtnetz zu schaffen. Aber neue Funktechnologien dürften die Infrastruktur-Kosten erheblich senken. Die Telekom baut seit Februar in Friedrichshafen in einem Modellprojekt – der sogenannten T-City – die erste flächendeckende Drahtlos-Komplett-Versorgung einer deutschen Großstadt auf. Dafür nutzt der Konzern das auf dem UTMS-Mobilfunkstandard aufbauende Übertragungsverfahren HSDPA.
Die Telekom plant, bis zum Jahresende mit 24 Funkmasten das komplette Stadtgebiet Friedrichhafens mit einem HSDPA-Signal zu versorgen. Laut Telekom-Sprecher Hans-Martin Lichtenthäler soll im Sommer die Bandbreite von derzeit 3,6 Mbit/s auf 7,2 Mbit/s verdoppelt werden. Zum Vergleich: Bei DSL-Anschlüssen sind derzeit Bandbreiten zwischen 1 und 6 Mbit/s gängig. 24 Masten für 70 Quadratkilometer Stadtfläche – das ist effizienter als die W-Lan-Technologie. In Heidelberg versorgt der Anbieter "Heidelberg Mobil" drei Quadratkilometer der Innenstadt über 14 Hotspots mit einem W-Lan-Signal.
Der UMTS-Konkurrent WiMax
Doch der UMTS-Standard hat einen starken Konkurrenten: den Funkstandard WiMax. Die Vorteile dieser Technik beschreibt der Medieninformatik-Professor von der Hochschule der Medien Stuttgart Johannes Maucher gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Mobilfunkoperatoren haben sehr viel in UMTS und die Erweiterung HSDPA gesteckt. Die Lizenzen waren teuer, die Technik ist es noch immer." Das ist bei WiMax anders, weil die Lizenzen fast umsonst zu haben waren und die Technik deutlich günstiger ist. Der Grund dafür laut WiMax-Experten Maucher: "WiMax basiert auf dem Internet Protocol IP – eine wegen der starken Konkurrenz und der hohen Stückzahlen sehr günstige Technologie."
WiMax ist Experten zufolge ideal für die Versorgung großer Flächen mit Drahtlos-Internet. Professor Maucher: "Der WiMax zugrunde liegende Standard schafft in Stadtgebieten Reichweiten von etwa ein bis zwei Kilometern Zellradius, auf dem freien Land bis zu fünf." Welcher Standard sich durchsetzt, hängt nun davon ab, wie viele mobile Endgeräte WiMax beziehungsweise HSDPA unterstützen werden.
Die mächtigen WiMax-Freunde
WiMax hat gute Chancen: Mehr als 400 Branchengrößen wie Intel haben sich im WiMax-Forum zusammengeschlossen, Nokia will im kommenden Jahr die ersten WiMax-fähigen Endgeräte ausliefern. Wenn eine kritische Masse an WiMax-fähigen Mobiltelefonen, Kleinstcomputern, Digitalkameras und MP3-Spielern ausgeliefert ist, könnte sich der Betrieb stadtweiter WiMax-Netze lohnen. Professor Maucher jedenfalls ist sicher: "WiMax kann den Mobilfunkoperatoren das Leben sehr schwer machen." Das sehen einige Mobilfunkbetreiber ähnlich. In den Vereinigten Staaten baut zum Beispiel der Anbieter Sprint-Nextel ein landesweites WiMax-Netz auf.
WiMax könnte auch eine Lösung für vom Breitband-Netz ausgeschlossene Gemeinden auf dem Land sein: Eine WiMax-Funkverbindung bindet sie ans Breitband-Netz an. Vor Ort verteilt eine W-Lan-Infrastruktur das Signal weiter. FON-Europachef Robert Lang: "WiMax ist keine Konkurrenz für unser Geschäftsmodell, sondern eine schöne Ergänzung." Und vielleicht ist es dann überall auf dem Land so grün wie im französischen Drahtlos-Paradies Blanquefort.
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