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10.06.2007
 

Google Street View

Paradies der Gaffer und Spanner

Von Stefan Schmitt

2. Teil: Googles Kamerawagen selbst werden zum Gegenstand der Beutestück-Jäger. Ängstlich fragen manche schon: Was, wenn es statt Google die Geheimdienste wären?

Aber was ist mit weniger eindeutigen Fällen? Wer auf Google Maps den New Yorker Stadtteil Manhatten sucht und mit der 360-Grad-Fotofunktion zum Beispiel dem Park Drive durch den nördlichen Central Park folgt, gleitet virtuell an Heerscharen von Joggern, Walkern und Rasensitzern vorbei. Beinahe unmöglich, da keine textilarmen, unfreiwillig komischen oder wenigstens missverständlichen Schnappschüsse zu finden - aus denen sich eine Geschichte fabulieren ließe.

Schließlich ist Street View nicht das Ergebnis klassischer Straßenfotografie ("Schnappschuss, bitte lächeln, vielen Dank!"), sondern so etwas wie klammheimlich eingefrorenes öffentliches Leben: Die eingesetzten Fahrzeuge - zum Teil vom Drittanbieter Immersive Media betrieben - brauchen nur einen Fahrer. Das Fotografieren übernimmt eine vollautomatische 360-Grad-Kamera auf dem Dach. Das Gerät fotografiert mit elf Linsen bis zu 30 Mal in der Minute.

Es war wohl unvermeidlich, dass auch diese Kamerawagen selbst zum Gegenstand des Sammeleifers würden: Die diversen Street-View-Blogger tauschen mit Genuss Fundstücke aus, auf denen sich ein Lieferwagen mit Kameraausrüstung auf dem Dach in Verkehrsspiegeln oder Schaufenstern spiegelt.

Furcht vor CIA, NSA und Live-Video

Ob Bilddatensammler in Googles Auftrag je durch europäische Städte rollen werden, ist zumindest ungewiss. In Europa könnte die bisherige Praxis gar illegal sein, schreibt der Anwalt, IT-Rechtler und Blogger Struan Robertson in der Londoner Zeitung "Times". Zwar seien die Datenschutz-Gesetze in den einzelnen EU-Mitgliedsländern verschieden, doch gebe es in den meisten einen ähnlichen Rechtsanspruch für die Bürger. Diese könnten von einem Anbieter verlangen, dass er die Veröffentlichung von Fotos verhindere, wenn ihnen aus dieser Nachteile erwachsen könnten. Oft sei auch für kommerzielle Aufnahmen von Personen im öffentlichen Raum eine Zustimmung notwendig. "Selbst ein Lautsprecher auf dem Dach der Kamerawagen, der tönt 'Hallo Leute, hier ist Google, bitte alle lächeln!', könnte da nicht ausreichen", schreibt Robertson.

Nicht, dass Google der einzige Akteur wäre, der Ahnungslose ablichtet. Street View sei seiner Meinung nach so etwas wie die unüberschaubare Zahl der Überwachungskameras, schreibt Robertson. Nur dass Videoüberwachung durch Schilder kenntlich gemacht werden müsse.

Im populären "BoingBoing"-Blog wurde dieser Gedanke im Laufe der Woche weitergesponnen: "Google Street View - wäre es mehr oder weniger böse, wenn es von der CIA oder der National Security Agency (NSA) käme?", fragte die Autorin und Netzaktivistin Xeni Jardin.

John Battelle, Journalismusdozent an der University of California in Berkeley und Autor des Google-Buchs "The Search", fragte in seinem "Searchblog": Wie lange noch, bis daraus Live-Video wird? "Denkt mal kurz darüber nach, ich bin mir sicher, die NSA und die CIA tun das auch." Kameras seien nichts neues, Karten auch nicht, nicht einmal das Internet oder Google oder Microsoft seien neu, räsoniert Jardin: "Warum fühlt sich das hier dann trotzdem für viele so gruselig an?"

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