Von Konrad Lischka
Für Themen aber, zu denen es kaum brauchbare, für Händler zugängliche Informationen gibt, sind Prognose-Börsen unbrauchbar. Deshalb ist der Versuch einer Prognose der Wahrscheinlichkeit, Massenvernichtungswaffen im Irak zu finden, auf InTrade.com gescheitert: Die Händler hielten für wahrscheinlich, was die meisten öffentlichen Quellen als wahrscheinlich erklärten. Bis dann das Gegenteil eintrat.
Ein anderes Beispiel: Bei der US-Senatswahl im vorigen Jahr lag die renommierte Prognose-Börse Iowa Electronic Market zum Beispiel falsch, sah nicht voraus, dass die Demokraten die Wahl gewinnen. Das ist aber kein Beweis der Unzuverlässigkeit von Prognose-Börsen, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Wolfers: "Es geht um Wahrscheinlichkeiten, nicht um perfekte Prophezeiungen."
Wenn ein Markt eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit sieht, kann es eben mit geringer Wahrscheinlichkeit auch anders ausgehen. Die Güte solcher Vorhersagen müsse man an den Fehlerraten alternativer Prognosen messen. Und die sind bei Prognose-Börsen durchweg besser, wenn es um Filme, Wahlen und derlei geht.
Neues Konzept: Ideenbörsen
Diesen Effekt wollen neue Prognosebörsen für andere Branchen nutzen: Vor drei Wochen ist der US-Anbieter Mediapredict.com gestartet. Hier sollen Spieler den Erfolg von Filmen, Büchern, Musikalben und Fernsehserien einschätzen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei HSX: der Wert einer Aktie bezieht sich auf bestimmte Umsatzzahlen, Einschaltquoten, aber auch auf Wahrscheinlichkeiten, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. So sollen Mediapredict-Händler vorhersagen, ob Exposés für Bücher von einem Verlag angenommen werden. Bei diesem Projekt kooperiert Mediapredict mit dem US-Verlagshaus Simon & Schuster.
Das Verfahren: Autoren schicken ihre Exposés an Literaturagenten. Sie entscheiden, was bei Mediapredict eingestellt wird, dann beginnt der Handel. Steht die Aktie eines Exposés bei 38 Prozent, erwarten die Händler, dass es mit nur 38-prozentiger Wahrscheinlichkeit von Simon & Schuster angenommen wird. Der Verlag sucht sich im Oktober unter den 50 teuersten Aktien ein Exposé aus, das er als Buch veröffentlichen will. Verleger Mark Gompertz schwärmt in einer Pressemitteilung: "Das ist die ultimative, markt-basierte Fokusgruppe."
Konzerne erproben interne Börsen
Mit solchen Ideenbörsen experimentieren auch große Unternehmen. Sie lassen in geschlossenen Börsen ausgewählte Mitarbeiter mit den Prognosen von Absatzzahlen, Projektlaufzeiten oder den Erfolgschancen neuer Produkte handeln – zum Beispiel Google, HP und T-Mobile. Angesichts dieses Interesses sagen Experten wie Spann und Wolfers den neuen Prognose-Börsen gute Chancen voraus.
Sie müssen nur genug neue Händler anlocken. Hollywood-Exchange-Profi Bill Johnson kommt neben seinem Job und dem Prognose-Hobby selten dazu, überhaupt komplette Filme zu sehen. Ab und an gönnt er sich einen, auf DVD oder im Kino: "so etwa alle ein, zwei Wochen."
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