Von Matthias Kremp
3. Der Browser wird verwanzt: Web-Bugs
Missbrauchsgefährdet ist auch eine andere Technologie, die - je nachdem, wofür sie eingesetzt wird - mal als Zählpixel bezeichnet wird, mal als Web-Bug. Auch Ihnen wurde vor wenigen Minuten ein solches Zählpixel überspielt, denn die Leserzählung durch die Auflagenkontrolle ivw funktioniert genau so - bei allen erfassten Publikationen deutscher Sprache. Auf der so erfassten Zahl der Leserkontakte fußt die Vermarktung der Medien - ohne Zählpixel könnten Webseiten von TV-Sender-Seiten über Fachpublikationen bis zu populären Angeboten wie Heise oder SPIEGEL ONLINE den Betrieb einstellen.
Das ist nicht weiter schlimm, denn Zählpixel sind soweit harmlos: Sie sind meist nur 1 x 1 Pixel groß und transparent, damit man sie nicht sieht. Tatsächlich handelt es sich dabei um winzige Grafiken, die in Webseiten eingebaut werden - allerdings nicht als Bits-und-Bytes-Objekt, sondern als "embedded" Link. Das ist ein Verweis auf eine Internetadresse, von der die eigentliche Grafik dann abgerufen wird. Jeder so entstandene Abruf wird beispielsweise bei der Reichweitenerfassung der ivw dann der "fordernden" Adresse zugeschrieben. Dabei werden also Daten über die Webseite erfasst, nicht aber über den Nutzer.
Doch die gleiche Technik lässt sich auch missbrauchen. In Html-E-Mails eingebunden nennt man solche Pixelverweise Web-Bugs, weil sie dort nichts anderes sind als Wanzen. Eingesetzt wird diese Technik vor allem von Spam-Versendern, um ihren Werbebriefchenversand zu optimieren.
Sie erfahren durch die Mini-Bildchen, ob und wann ihre elektronische Wurfpost gelesen wurde und ob die angeschriebene Mail-Adresse überhaupt existent und genutzt ist. Das ermöglicht es, E-Mail-Adressen nach Zufallskriterien automatisch zu kreieren, in Massen auszusenden und durch den Informations-Rückfluss durch Web-Bugs Spreu von Weizen zu trennen. Am Ende des Prozesses steht dann ein frischer Verteiler verifizierter E-Mail-Adressen - und schon der allein ist Geld wert und wird meist fleißig weiter verkauft, auf dass die Spam-Lawine rolle...
Darüber hinaus lässt sich per Web-Bug in Erfahrung bringen, mit welchem Mail-Programm und Browser jemand unterwegs ist, welches Betriebssystem er verwendet, mit welcher IP-Adresse sein PC aktuell online ist und über welchen Provider der Internet-Zugang erfolgt.
Diese Daten lassen sich von Spammern hervorragend ausnutzen, um ihren E-Mail-Versand auf bestimmte Zielgruppen zu optimieren oder gar, um ihnen mit Schadsoftware versehene Mails zuzusenden, die bekannte Sicherheitslücken auf ihrem System ausnutzen sollen.
4. Sie wissen, woher Du kommst: Referrer
In der Standardeinstellung sind Webbrowser außerordentlich geschwätzig. Beim Anklicken eines Links teilen sie dem angesurften Web-Server freimütig mit, von welcher Webseite aus man den Link angeklickt hat. Referrer, vom englischen "to refer", also "verweisen" nennt man diese Informationen. Normalerweise ist auch das keine schlimme Sache.
So dienen die Referrer beispielsweise Suchmaschinen dazu, die Relevanz einer Webseite einzuschätzen. Die Grundregel: Je häufiger von anderen Webseiten auf eine bestimmte Webseite verlinkt, also "referred" wird, desto wichtiger ist sie. Bestünde die Möglichkeit, so etwas zu erfassen, nicht, hätte das negative Rückwirkungen auf die Qualität der Suchergebnisse, die Suchmaschinen wie Google zu liefern imstande sind.
Doch auch diese Technik lässt sich missbrauchen. Spammer nutzen diese Eigenschaft, um die Suchmaschinen auszutricksen. Sie rufen automatisiert bestimmte Webseiten in kurzen Abständen auf, um ein und dieselbe Internet-Adresse zuhauf in den sogenannten Log-Dateien auftauchen zu lassen. Den Roboterprogrammen der Suchmaschinen sollen auf diese Weise zahllose Links vorgegaukelt werden, was zu einer ungerechtfertigt hohen Platzierung der so beworbenen Internet-Adresse in den Suchergebnissen führt.
Lesen Sie morgen in Teil 3: Wie sie sich gegen die Ausspähversuche der Unternehmen schützen können.
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