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29.06.2007
 

Startup miomi

Magische Momente im globalen Dorf

Von Karolin Schaps, London

2. Teil: Wird miomi trivial oder tiefsinnig, Hit oder Flopp? Erfolg ist kein Automatismus. Ob und womit miomi Erfolg haben wird, hängt davon ab, was seine Nutzer für Qualität halten.

Was ist Qualität?

Ihre Eindrücke zu Geschehnissen können User indes auch über Community-basierte Newsdienste, Blogs oder über Wiki-News kundtun. Solche Dienste versuchen seit geraumer Zeit, Netz-Nutzer als allgegenwärtige Vor-Ort-Korrespondenten zu etablieren.

An diesem Punkt scheint miomi deutlich weniger einmalig zu sein, als seine Gründer es darstellen. Trotzdem hat die fortlaufende Fütterung der Zeitleiste mit subjektiven Erlebnissen ihren Reiz. Miomi verspricht in erster Linie, zu einer Art kollektivem, weltweiten Tagebuch zu werden - mit einem Themenspektrum, das von Twitter-hafter Trivialität bis zu von "Bürger-Journalisten" dokumentierten Ereignissen reicht.

Thomas Whitfield: "Bei uns kann man Wissen abrufen, das man sonst nicht im Web konservieren würde. Meine Oma beispielsweise ist 83 Jahre alt und hat so vieles erlebt. Das sind Erinnerungen, die einfach verloren gehen, wenn sie stirbt. Wir wollen solche biographischen Momente in einem Tagebuch für die Welt festhalten."

Informationsflut bändigen

Nicht, dass es solche subjektiven Erinnerungen im Web nicht schon gäbe. Whitfield und Co. wollen den vorhandenen Informationsüberfluss indes bündeln - und zwar "viel effektiver, als wenn man Stichworte in Google eingibt".

Die Freiheit, bei miomi alles Mögliche veröffentlichen zu dürfen, bedeutet aber auch eine Herausforderung. Nicht nur unerwünschte Werbung oder von Interessengruppen manipulierte Informationen müssen erkannt werden, auch der Inhalt der Zeitleiste muss irgendwie verwaltet werden.

Neben Moderatoren und Programmen zum Erkennen von unerwünschten Inhalten sollen auch die miomi-Nutzer selbst dazu beitragen: Sie bewerten die Veröffentlichungen anderer in Hinblick auf deren Relevanz.

Zweifelhafte "Schwarm-Intelligenz"

Dabei setzt miomi auf einen Misch-Ansatz, der die qualitative Bewertung durch die Leser (per Mausklick auf Love/Hate-Buttons) mit quantitativen Faktoren wie der Zahl der Seitenaufrufe kombiniert. Ein typischer "Schwarm-Intelligenz"-Ansatz, bei dem man wird abwarten müssen, wie er sich entwickelt.

Wie Qualität definiert wird, hängt bei solchen Ansätzen am Ende immer von der Zusammensetzung der Nutzerschaft ab. Letztlich ist das ein Glücksspiel, wie ein Blick auf diverse Videoportale beweist: Während bei manchen durchaus Beiträge mit cineastischem oder Nachrichtenwert die Charts dominieren, ist bei vielen anderen der "Boay, ey Alter, wat hab ich gelacht!"-Faktor oberstes Qualitätskriterium.

Es kommt also darauf an, mit den richtigen Signalen die richtige Userschaft für das Angebot zu interessieren. Die Beta-Version von miomi soll in den nächsten Wochen online gehen. Registrierte Benutzer können dann die ersten magischen Momente hochladen, die ersten Angebote der Website nutzen. Das fertige Produkt wird im Herbst veröffentlicht.

  • 1. Teil: Magische Momente im globalen Dorf
  • 2. Teil: Wird miomi trivial oder tiefsinnig, Hit oder Flopp? Erfolg ist kein Automatismus. Ob und womit miomi Erfolg haben wird, hängt davon ab, was seine Nutzer für Qualität halten.

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