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02.07.2007
 

Russland

Hacking-Attacke gegen Kreml-Kritiker

Im russischen Cyberspace tobt ein erbitterter Kampf: Medien und Oppositionelle bezichtigen den Kreml, ihre Webseiten gehackt zu haben. Die Regierung hüllt sich in Schweigen. Experten sagen Russland einen gewaltigen Informationskrieg voraus.

Mehrere Oppositionsparteien und unabhängige Medien werfen dem Kreml vor, er habe ihre Webseiten in einer gewaltigen Medienoffensive "gehackt" und "verkrüppelt". Die Regierung habe große Online-Netzwerke von Computern, die mit Viren und Schad-Software infiziert waren, dazu missbraucht, kritische Webseiten gezielt lahmzulegen oder zu löschen.

Hacker bei der Arbeit: Attackiert der Kreml online die Meinungsfreiheit?
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DPA

Hacker bei der Arbeit: Attackiert der Kreml online die Meinungsfreiheit?

Die Hacking-Offensive ziele darauf ab, die letzten unabhängigen Informationsquellen in Russland mundtot zu machen, wetterten die Betroffenen. Die Opposition solle vor den Parlamentswahlen im Dezember und den Präsidentschaftswahlen im März 2008 eingeschüchtert werden. Beweise für diese Behauptungen lieferten die Kritiker bislang nicht.

Dennoch vermuten mehrere Experten, die Opposition könnte mit ihren Vorwürfen richtig liegen. Oleg Panfilov, Repräsentant des Zentrums für Journalismus in Extremsituationen, prognostizierte sogar, in Russland werde es vor den Wahlen einen "gewaltigen Informationskrieg" geben.

Digitale Spuren in den Kreml

Stanislaw Belkowski, ein politischer Beobachter, dem enge Verbindungen zum Kreml nachgesagt werden, behauptete, ein langjähriger Mitarbeiter von Präsident Putin steure die Cyber-Attacken. Die Regierung sei über den Kontrollverlust im Netz schon immer erzürnt gewesen. Blogger und Internet-Autoren könnten als einzige ihre Meinung noch immer weitgehend autonom verbreiten.

Dem Kreml gehören inzwischen drei Fernsehsendergruppen, mehrere große Radiostationen, Zeitungen und Zeitschriften. Erst im März hatte Putin eine zentrale Agentur gegründet, die die Lizenzvergabe von Print-, Rundfunk- und Online-Medien regelt. Im April wurden zahlreiche als "extremistisch" eingestufte Websites vom Netz genommen. YouTube sei nun das einzige verbleibende Medium, in dem sich Kritiker frei äußern könnten, ätzte damals Oppositionsführer und Ex-Schachprofi Gary Kasparow.

Der Kreml streitet alle Anschuldigungen ab, mit den derzeitigen Angriffen in Verbindung zu stehen. IP-Adressen ließen sich leicht fälschen, wodurch dann der Eindruck entstehe, die Rechner, von denen aus die Attacken gestartet wurden, stünden im Kreml.

Viele Kritiker vergleichen die aktuellen Cyber-Attacken mit jenen gegen Estland im April und Mai. Damals hatten Hacker rund eine Million Computer und Server lahmgelegt, nachdem sich die estnische und die russische Regierung wegen eines sowjetischen Kriegsdenkmals überworfen hatten. Der Kreml stand lange im Verdacht, Initiator der Hacking-Angriffe zu sein. Experten gehen indes von davon aus, dass die Angriffe von Privatleuten gestartet wurden.

ssu/AP

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