Von Felix Knoke
Google reagiert auf das Feedback der Nutzer und die Kritik von Datenschützern: Der Suchmaschinenbetreiber verkürzt die Lebenszeit seiner Cookies drastisch. Statt wie bisher 31 Jahre werden die kleinen Dateien, die Google-Webseiten auf Computern ablegen, nur noch zwei Jahre gespeichert. Die Google-Cookies enthalten Benutzereinstellungen, Erstellungs- und Ablaufdaten sowie eine eindeutige Identifikationsnummer.
Besonders Datenschützern ist das ein Dorn im Auge. Durch die allgegenwärtige Präsenz im Internet hätte Google einzelne Nutzer bislang über Jahre hinweg bei ihren Reisen im Netz verfolgen können. Daran ändern allerdings auch die neuen, angeblich weniger haltbaren Cookies nur wenig: Jedesmal, wenn ein User einen Google-Dienst abruft, wird der Cookie erneuert; ganz gelöscht wird es erst, wenn die dazugehörige Seite zwei Jahre lang überhaupt nicht aufgerufen wurde.
Aller Kritik von Datenschützern zum Trotz - die Klebrigkeit der Kekse hat auch ganz pragmatische Gründe, erhöht die individuelle Datenspeicherung doch den Komfort. Ob die eindeutige ID-Nummer im Cookie überdies wirklich zum Schnüffeln missbraucht werden kann, steht zudem eher hypothetisch im Raum. Zumindest hat Google kürzlich die Anonymisierung von Server-Logs angekündigt.
Wem sich Googles Ankündigungen zu lasch anhören, der geht besser händisch gegen die Datenschnüffelei vor: Cookies schaltet man in den Browser-Einstellungen ("Privatsphäre") aus, spezielle Software anonymisiert das Wandeln im Netz.
US-Webradios atmen auf
Das Bangen amerikanischer Internet-Radiosender ist vorbei - zumindest vorläufig. Die geplante Erhöhung der Urheberrechtsabgabe wird für kleine, nicht-kommerzielle Radiodienste aufgeschoben. Wäre die Novelle wie geplant in Kraft getreten, hätten die Radiosender für 2006 rückwirkend 0,08 Cent pro Song und Hörer zahlen müssen; bis 2010 sollten die Gebühren auf 0,19 Cent ansteigen. Eine zu große finanzielle Belastung für viele nichtkommerzielle Angebote. Jetzt soll am Verhandlungstisch eine Lösung für diese Anbieter gefunden werden.
In den kommenden Wochen soll die Internet-Radio-Novelle neu verhandelt werden. Die Webcaster würden wohl eine Beteiligung von 7,5 Prozent an ihren Umsätzen akzeptabel finden. Ein Verfahren, das derzeit auch für Satelliten-Radioanbieter gilt.
Aufatmen können aber auch große Radio-Dienste wie Pandora, die individualisierte Streams für Millionen Nutzer erstellen. Laut ORF Futurezone sei die jährliche Mindestabgabe von 500 Dollar pro Stream vom Tisch. Stattdessen werden maximal 50.000 Dollar pro Jahr und Station festgesetzt. Das gelte allerdings nur für Radios, die genaue Angaben über die gespielte Musik liefern und mit Digitalem Rechtemanagement (DRM) zu verhindern versuchen, dass die Nutzer die Musik aufzeichnen.
Gerichtsurteil: Visa muss mit Allofmp3 zusammenarbeiten
Eine unerwartete Wendung in der unendlichen Geschichte um den russischen Musikshop Allofmp3: Das Kreditinstitut Visa - genauer: deren russischer Abwickler Rosbank - darf die Zusammenarbeit mit den Betreibern des Musikshops nicht kündigen. Nur wenn ein Vertragspartner gegen das Gesetz verstoßen hat, sei eine Kündigung möglich, heißt es. Ob Allofmp3 allerdings gegen russisches Recht verstoßen hat, das entscheiden immer noch Gerichte und nicht der Weltverband der Phonoindustrie, auf dessen Wunsch Visa und Mastercard die Zusammenarbeit mit Allofmp3 einstellten, so die russische Tech-Seite Cnews.ru.
Visa muss sich also weiter an den Vertrag mit dem ehemaligen Allofmp3-Betreiber MediaServices halten - und Zahlungen von deren Kunden bearbeiten. Allein: Allofmp3 gibt es gar nicht mehr. Es gibt nur dessen Nachfolge- und Parallelseiten wie Alltunes oder Mp3Spark. Mit denen werden Visa und Co. nun wohl zähneknirschend weiter zusammenarbeiten müssen. Visa werde zumindest nicht gegen das Urteil vorgehen, so ein Unternehmenssprecher gegenüber Reuters.
Das ist vielleicht auch gar nicht nötig - immerhin gerät Russland international vor allem von amerikanischer Seite stark unter Druck, gegen Musikangebote wie Allofmp3 hart vorzugehen. Die Illegalisierung der Angebote ist offenbar nur eine Frage der Zeit, ein einseitiger Ausstieg aus den Verträgen damit auch.
Microsofts Musikkopierschutz schon wieder geknackt
Die Kopiersperre, die Microsoft für seine Windows-Media-Dateien einsetzt, ist mal wieder ausgehebelt worden. Die AP berichtet über eine neue Version des illegalen FairUse4M-Programms, das mit wenigen Klicks die Wegfahrsperre beseitigt, die verhindern soll, dass man beispielsweise bei Napster legal gekaufte Songs einfach auf verschiedenen MP3- oder CD-Playern abspielen kann.
Bereits zuvor konnte das DRM-System von den FairUse4M-Programmierern geknackt werden. Microsoft stopfte daraufhin die Lücken im System und klagte gegen Unbekannt - nur um wenig später die Anzeige fallen zu lassen, weil die verantwortlichen Programmierer nicht ausfindig zu machen waren.
Nun sagt Microsoft: "Von Anfang an wussten wir, dass es kein digitales Rechtemanagement gibt, das gegen Angriffe gefeit ist." Ein Team sei aber eigens dazu abgestellt worden, nach einem geglückten Angriff die Löcher zu stopfen. Dafür sei das eigene DRM-Konzept schließlich ausgelegt.
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