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23.07.2007
 

Internet-Cookies

Branchengiganten entdecken den Datenschutz

Die größten Datenkraken des Netzes, die Suchmaschinenbetreiber, geben sich plötzlich geläutert. Nicht nur Google, sondern auch Ask, Microsoft und Yahoo wollen künftig weniger Daten über ihre Nutzer sammeln. Datenschutz ist endlich zu einem Wettbewerbsargument geworden.

Googles Ankündigung kam zuerst: Man wolle, teilte das Unternehmen vergangene Woche mit, die hauseigenen Cookies künftig nur noch zwei Jahre statt 31 Jahre speichern. Schon zuvor war mitgeteilt worden, man werde die eigenen Server-Logs nach 18 bis 24 Monaten anonymisieren - das bedeutet, dass einzelne Suchanfragen nach diesem Zeitraum nicht mehr mit dem Suchenden verknüpft werden können.

Cookies: Bald weniger klebrig?
AP

Cookies: Bald weniger klebrig?

Nun zieht die Konkurrenz nach: Ask.com kündigte einen Zusatzdienst namens Ask Eraser an, mit dem die Nutzer der Suchmaschine verhindern können, dass ihre Suchanfragen gespeichert werden. Microsoft seinerseits kündigte ähnlich wie Google an, man werde Cookies künftig früher löschen - allerdings schon nach 18 Monaten, also ein halbes Jahr schneller als Google. Man werde "Cookie IDs, die gesamte IP-Adresse und andere Identifikationsmerkmale von den Suchbegriffen trennen", so eine Microsoft-Mitteilung. Es ist, als sei eine Art Privatsphären-Wettlauf im Gange - und das, obwohl die Erfassung von Nutzerdaten für die Suchmaschinenbetreiber zum Geschäft gehört.

Auch Yahoo will für mehr Privatsphäre sorgen

Ask und Microsoft gründeten parallel auch noch eine Datenschutz-Initiative. Man wolle die Branche aufrufen, "globale Privatsphären-Prinzipien für Datensammlung, -nutzung und -schutz im Zusammenhang mit Suche und Onlinewerbung zu entwickeln". Dem "Wall Street Journal" zufolge arbeitet auch Yahoo an Plänen, die Nutzerdaten der eigenen Kunden nach 13 Monaten zu anonymisieren, sofern die Nutzer oder der Gesetzgeber nichts anderes verfügen.

Die Suchmaschinenbetreiber reagieren damit einerseits auf wachsende Kritik an ihrer Tendenz zum Datensammeln - und bringen andererseits ihre eigenen Verkaufsargumente ins Wanken. Die Werbestrategie der Zukunft setzt genau darauf, über Web-Protokolle möglichst viel über einzelne Nutzer zu erfahren: Wer gestern nach einer Windelmarke gesucht hat, könnte heute Pampers-Anzeigen zu sehen bekommen, obwohl er gerade eine Wirtschaftsmeldung liest. "Behavioral Targeting" nennen die Vermarkter diese Technik, die das Internet endlich zur perfekten Werbeplattform machen soll.

Verfallsdatum wird bei jedem Besuch verschoben

Die Betreiber selbst betonen allerdings immer wieder, dass sie Nutzerdaten vor allem aus Sicherheitsgründen sammeln - und um die Nutzung so angenehm wie möglich zu machen, etwa weil bestimmte Voreinstellungen so gespeichert werden können. Bei der EU sieht man das nicht ganz so entspannt: Eine eigens eingesetzte Kommission widmet sich in Brüssel gerade der Frage, ob Googles Geschäftsgebaren denn mit den europäischen Regeln für Datenschutz im Einklang steht.

Alle Suchmaschinisten brauchen die Nutzungsdaten jedenfalls auch weiterhin dringend, und zwar in möglichst personalisierter Form. Dementsprechend abgeschwächt liest sich beispielsweise Googles Ankündigung, wenn man genau hinsieht: Die Cookies sollen zwar nach zwei Jahren gelöscht werden - auch das ist im Web eine kleine Ewigkeit - aber nur dann, wenn der Nutzer nicht wiedergekommen ist. Ansonsten wird der aktuelle Cookie bei jedem Besuch erneuert und das Verfallsdatum stets wieder verlängert.

Wer also wirklich sicher gehen will, dass die eigenen Suchanfragen nicht rückverfolgbar sind, sollte einfach nach jeder Internetnutzung Cookies löschen - die meisten Browser haben dafür einen eigenen Button im Menü "Privatsphäre" oder "Datenschutz" unter "Optionen". Firefox ermöglicht es sogar, dass der Browser bei jedem Schließen fragt, ob man die eben angefallenen Nutzungsdaten löschen möchte. Und der Alternativbrowser " Browzar" hinterlässt angeblich gar keine Nutzungsspuren auf der eigenen Festplatte, so dass man für Webseiten auch nicht wiederzuerkennen ist.

Beim "Wall Street Journal" vermutet man hinter der Initiative von Ask und Microsoft den Versuch, den Marktführer Google an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen: Die Kritik an den Datensammelstrategien des Unternehmens dauert nun schon jahrelang an. Gelänge es den Mitbewerbern, den Eindruck zu vermitteln, dass man bei ihnen privater sucht als beim Konkurrenten aus Mountain View, könnte dies womöglich den einen oder anderen zum Wechsel der Standardsuchmaschine bringen.

cis

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