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27.08.2007
 

Online-TV-Programmführer

Die Fernseh-Such(t)maschinen

Von Helmut Merschmann und Stefan Schultz

Mit neuen Set-Top-Boxen soll das Internet-Fernsehen IPTV in die Wohnzimmer geholt werden. Wichtigstes Ausstattungsmerkmal der Online-TV-Empfänger sind digitale Programmführer. Die sogenannten Online-EPGs sollen helfen, bei hunderten Sendern den Überblick zu behalten.

Als die Fernsehwelt noch überschaubar war, zappte sich der durchschnittliche TV-Zuschauer gedankenverloren durchs Vorabendprogramm. Rund 30 Programme hatte man mit dem Daumen auf der Fernbedienung zu bewältigen. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von einer Minute pro Kanal verging im Schnitt eine halbe Stunde, bevor man sich für ein Programm entschieden hatte - oder mit dem Gezappe wieder von vorne anfing.

Zappst du noch oder EPGst du schon? Elektronische Programmmedien sollen das Fernsehen im IPTV-Zeitalter erleichtern

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Mit dem Digitalfernsehen wurde das anders: Per Satellit (DVB-S), Antenne (DVB-T), Digital-Kabel (DVB-C) oder Internet (IPTV) gelangen mehr als hundert Kanäle in die deutschen Wohnzimmer. Als Zuschauer verliert man da leicht den Überblick. Zumindest wenn man keinen Electronic Program Guide (EPG), also eine elektronische Programmzeitschrift, hat. Während es die für das herkömmliche Fernsehen längst gibt, sind sie für Web-TV noch Mangelware. Doch Anbieter wie Maxdome, die Telekom oder Arcor wappnen sich mit speziellen Online-EPGs, die sie ihren IPTV-Empfängern einpflanzen, für den Anbruch des Online-TV-Zeitalters.

145 Kanäle in der Übersicht

Arcor beispielsweise wird sein IPTV-Angebot "Arcor-Digital TV" in diesem Herbst mit einer eigenen Set-Top-Box auf den heimischen Fernseher bringen. Anfangs werden die Kunden laut Andreas Gerhardt, Abteilungsleiter IPTV bei Arcor, rund 110 Kanäle empfangen können. Rund 50 davon werden in der Grundgebühr enthalten sein, für den Rest werden zusätzlichen Zahlungen fällig (Pay TV).

Arcors TV-Navigator genannter Online-EPG erinnert auf den ersten Blick an herkömmliche EPGs, wie man sie etwa von Festplattenrekordern kennt. Per Klick auf der Fernbedienung werden Inhaltsbeschreibungen und Bilder sowie technische Informationen der jeweiligen Sendung angezeigt. Bisweilen werden sogar kurze Filmtrailer eingespeist.

Das Telekom-Angebot "T-Home Entertain" hingegen umfasst 70 Free-TV-Sender sowie 30 kostenpflichtige Kanäle. Außerdem können paketweise der Bezahlsender Premiere, die Bundesliga sowie internationale Senderpakete in Fremdsprachen gebucht werden. Hinzu kommt ein direkter Zugang zum Video-on-Demand-Angebot der Telekom sowie die Funktion, einzelne Sendungen aufnehmen zu können.

Bindung an die Hardware

Sowohl die Telekom als auch Arcor koppeln ihre Online-EPGs untrennbar an eigene Set-Top-Boxen. Die der Telekom heißt T-Home X 300t und wird mit einer 80-Gigabyte-Festplatte ausgeliefert. Arcors IPTV-Box kommt im Herbst ohne Festplatte auf den Markt. Eine Version mit 80-Gigabyte-Festspeicher ist erst für Anfang 2008 geplant.

Wer sich im IPTV-Angebot der Zukunft komfortabel zurechtfinden will, kommt also vorerst nicht herum, sich eine weitere Technik-Kiste ins Wohnzimmer zu stellen. Die Unternehmen begründen diesen Zwangskauf mit technischen Restriktionen: Der elektronische Programmführer wird auf Providerseite in einem nur für die jeweilige Box geeigneten Format aufbereitet. Zur Darstellung dient in der Box, die selbst ein kleiner Computer ist, ein Browser.

"Browser sowie Hard- und Software der Set-Top-Box sind limitierende Faktoren für die Darstellung des EPGs beim Kunden", sagt Andreas Gerhardt zu SPIEGEL ONLINE. "Im IPTV-Netz können derzeit nur Set-Top-Boxen zum Einsatz kommen, die mit der jeweiligen IPTV-Plattform korrespondieren. Die Set-Top-Box von Arcor funktioniert auch nur mit dem Arcor-Digital-TV-Angebot und nicht mit dem Angebot zum Beispiel von Alice-Home."

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