Die Suchmaschine gibt es als Plugin für Facebook bislang nicht - umgekehrt lässt sich Facebook aber in eine personalisierte Startseite innerhalb des Google-Reiches integrieren. IGoogle heißt die Plattform. Sie tut im Grunde das Gleiche wie andere, ältere Bausatz-Seiten wie Netvibes, Pageflakes und Windows Live. Die Seiten bestehen aus vielen kleinen Kästchen, die der Nutzer beliebig auf seiner persönlich konfigurierten Startseite herumschieben kann.
Facebook im Kästchen oder Kästchen in Facebook?
Er kann Kästchen hinzufügen oder wegklicken, sich genau die Informationen auf einen Blick zusammenstellen, die er gerne möchte: Den Posteingang des eigenen Googlemail-Accounts kann man sich bei Netvibes ebenso anzeigen lassen wie selbstverständlich bei iGoogle, ein Fensterchen mit dem lokalen Wetterbericht lässt sich ebenso einbinden wie die Nachrichten-Schlagzeilen der großen Anbieter - natürlich gibt es auch ein SPIEGEL-ONLINE-Kästchen. Auch ein RSS-Reader lässt sich integrieren. Und eins für Facebook - darin kann man sehen, ob im eigenen Profil neue Nachrichten angekommen sind, ob man eine Freundschafts-Anfrage bekommen hat oder eine Einladung zu einer Veranstaltung.
Im Grunde versuchen die Baukasten-Seiten und Facebook mit all seinen Erweiterungen das gleiche: Netz-Funktionen an einem einzigen Ort zu bündeln. Nur dass Netvibes und die anderen den Nutzer selbst entscheiden lassen, was er in die Mitte stellen möchte und was an den Rand - während Facebook die Netzwerk-Funktion zur Zentrale erklärt, um die alles andere herumgruppiert wird. Für die Entwickler von Anwendungen ist Facebook attraktiver - weil jeder Nutzer, der sich ein neues Feature ins eigene Profil holt, das automatisch all seinen Facebook-Freunden mitteilt. Das sorgt für virale Verbreitung, die Anwendungen vermarkten sich gewissermaßen selbst. Für den Nutzer dagegen hält sich der Gewinn in Grenzen.
Die Frage, die über die Zukunft des Netzes entscheidet, könnte also lauten: Facebook-Kästchen auf der personalisierten Homepage, zwischen Google, RSS-Feeds und einer Miniaturversion des eigenen E-Mail-Einganges - oder eben viele Kästchen in Facebook, umgeben von einem passwortgeschützten Wall, den nur übersteigen kann, wer sich selbst auch für den Dienst anmeldet.
Web-Guru erklärt "Facebook-Bankrott"
Im Augenblick tobt noch ein heftiger Streit darum, wo es denn nun hingehen soll - und es gibt auch schon die ersten Spötter, die Facebook für überholt erklärten. Jason Calacanis etwa, Netz-Guru, Gründer des Blogger-Unternehmens Weblogs, Inc. und heute bei Sequoia Capital, dem berühmtesten Venture-Kapitalgeber des Silicon Valley, hat vor kurzem seinen "Facebook-Bankrott" erklärt: "Ich komme nicht mehr nach mit den Freundschaftsanfragen, den Anfragen, ich soll bestätigen, das wir uns kennen, den Anfragen, Euch zu sagen, dass ich Euch mag, den Anfragen, Euch zu bitten, mir zu sagen, über welche Filme ihr mir was ezählen wollt, etc."
Er glaube, schrieb Calacanis in sein Blog, "dass die Leute von sozialen Netzwerken zersplittert werden". Raph Koster, legendärer Entwickler von Onlinespielen und auch so eine Art Software-Guru, schreibt: "Ich schenke meinem Facebook-Profil sehr wenig Aufmerksamkeit. Zu einem großen Teil deshalb, weil soziale Netzwerke mir zunehmend wie Eintagsfliegen vorkommen - sie scheinen eine bestimmte Lebenserwartung zu haben."
Ob Koster recht behalten wird oder nicht, ist völlig offen. Zwar gibt es Berichte, denen zufolge die Jugend nicht mehr auf E-Mail als Kommunikationsmittel setzt, sondern stattdessen über das soziale Netzwerk der Wahl kommuniziert - oder besser: die sozialen Netzwerke der Wahl, denn mehrere Konten zu haben gehört inzwischen für viele junge US-Amerikaner zum Standard. Das wiederum würde für die Baukasten-Lösung sprechen - denn so könnte sich auf einer einzigen Startseite das MySpace-Kästchen friedlich neben dem Facebook-Kästchen einnisten. Und wenn die jungen Leute irgendwann doch wieder E-Mails verschicken und bekommen wollen sollten, können sie ja auch dafür ein entsprechendes Kästchen hinzufügen.
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