Frankfurt am Main – Auch Handwerksbetriebe sind moderne Unternehmen: IT-Kenntnisse gehören deshalb für Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, zu den "Schlüsselkompetenzen" eines Auszubildenden. Auch zwei Drittel der Personalentscheider, die in einer TNS-Infratest-Studie befragt wurden, erklärten: Computerkenntnisse sind "ausgesprochen wichtig". Doch genau daran hapert es bei vielen Auszubildenden, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. Rund 46 Prozent der rund 500.000 Lehrlinge hätten ihren Lehrmeistern zufolge "keine ausreichenden Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet." Die Studie wurde im Auftrag der Qualifizierungsinitiative IT-Fitness durchgeführt, in der sich neben Microsoft acht weitere Unternehmen und Institutionen zusammengeschlossen haben.
60 Prozent der Azubis wird demnach "kein ausreichendes Wissen im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen" attestiert, 75 Prozent haben Mängel bei der Tabellenkalkulation, 40 Prozent keine ausreichenden Internetkenntnisse. "Jugendliche mögen zwar fit beim Gamen und Chatten sein, aber nicht, wenn es um Computereinsatz für den Beruf geht", sagte Achim Berg, Chef von Microsoft Deutschland, dem Blatt.
Keine Motivation, Kenntnisse aufzubauen
Die Hälfte der Auszubildenden zeigt nach Einschätzung der Befragten keine Motivation, diese Defizite in Eigeninitiative abzubauen. Allerdings mangele es auch an Weiterbildungsmöglichkeiten in den Betrieben selbst: 26 Prozent der Personalverantwortlichen bieten demnach den eigenen Azubis keine IT-Schulungen an. Über die Hälfte der Befragten bewertete die angebotenen Schulungsmaßnahmen in der Informationstechnik als "nicht gut". "Wir haben bereits reagiert", versicherte Schleyer den Angaben zufolge dazu. So werde jedem Lehrling von den Handwerkskammern eine kostenlose IT-Basisqualifizierung angeboten.
Der öffentliche Dienst ist derweil nach Einschätzung des Deutschen Beamtenbunds schon bald noch stärker von einem Fachkräftemangel bedroht als die Privatwirtschaft. "Wenn wir nicht schon heute in der Besoldungspolitik gegensteuern, wird der öffentliche Dienst den in den nächsten Jahren immer härter werdenden Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um die besten Köpfe verlieren", warnt der Vorsitzende des Beamtenbunds, Peter Heesen, im "Handelsblatt". Das Personal im öffentlichen Dienst sei stark überaltert. Erste Engpässe seien schon heute erkennbar, vor allem an den Schulen und beim technischen Personal der Kommunen, sagte Heesen. Bei IT-Fachkräften unterliege die öffentliche Verwaltung bis hin zu den Bundesministerien wegen der schlechten Besoldung regelmäßig im Wettbewerb mit der privaten Wirtschaft.
ase/AP
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