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15.08.2007
 

Netzwelt-Ticker

Olympia ohne Vista

Von Richard Meusers

Das IOC ist traditionsbewusst und setzt - sicher ist sicher - bei den nächsten Olympischen Spielen aufs bewährte XP statt auf Vista. Außerdem: Abmahnungen bedrohen die Meinungsfreiheit, John Lennon ab sofort bei iTunes erhältlich, der Spielemarkt boomt. Das und mehr im Überblick.

So richtig glücklich wird Microsoft mit seinem neuen Flaggschiff Windows Vista noch immer nicht. Nicht nur die Verkaufsergebnisse bleiben hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück, auch die PC-Branche maulte bereits unzufrieden über ein unausgereiftes und angeblich instabiles Betriebssystem. Also verschiebt nicht nur die Privatwirtschaft die Migration zu Vista bis zum Erscheinen des ersten Service Packs, auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vertraut man lieber dem erprobten Vorgänger XP.

Olympia 2008: Vista muss draußen bleiben
DPA

Olympia 2008: Vista muss draußen bleiben

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking will Hardware-Sponsor Lenovo lieber mit dem alten Betriebssystem arbeiten. Die für Microsoft peinliche Erklärung, die ein Sprecher von Lenovo Deutschland dem ORF gab: "Für uns sind die Olympischen Spiele sehr imageträchtig, und das Wichtigste ist, dass es funktioniert. Wir können nicht auf ein vielleicht zukunftsträchtiges System setzen, das dann womöglich nicht das liefert, was wir brauchen."

Dabei geht es um einen satten und sehr imageträchtigen Auftrag, denn es müssen nicht weniger als 14.000 Geräte ausgerüstet werden, vom Thinkpad bis zu den Servern. Diese sollen den reibungslosen Ablauf der einzelnen Veranstaltungen gewährleisten, vom Check-In der Sportler bis zur Zeitmessung bei den Wettkämpfen.

Abmahnungen und kein Ende

Das deutsche Abmahnwesen scheint sich zu einer Gefahr für die freie Meinungsäußerung im Internet zu entwickeln. So jedenfalls interpretiert der Medienjournalist Stefan Niggemeier die mittlerweile zweite Abmahnung, die er von der TV-Firma Callactive erhalten hat. Die Betreiber der Gewinnshow zielen erneut auf Leserkommentare in Niggemeiers Blog, in dem der Journalist kritisch kommentierte, das Moderatorinnen sich gegen die Bezeichnung als "Animöse"gewehrt haben. Zu diesem Blogeeintrag schrieb ein Leser den Nazi-Gruß, und bezog den auf Callactive. Wohlgemerkt, es geht nicht um Niggemeiers Formulierungen, sondern um die in bestimmten Kommentareinträgen. Konkret sogar um einen, der wenige Stunden nach Erscheinen wieder gelöscht wurde. Trotzdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die inkriminierte Anmerkung erneut erscheine.

Der Callactive-Anwalt argumentierte, Niggemeier müsse Kommentare bereits vor ihrer Veröffentlichung auf ihre rechtliche Zulässigkeit hin überprüfen. Damit bewegt sich der Firmenjurist auf der Linie, die das Landgericht Hamburg bereits im April in seinem Urteil zur Forenhaftung vorgezeichnet hat. Die Richter stellten fest, ein Forenbetreiber hafte für justiziable Äußerungen, auch wenn diese von anderen stammten und ohne dessen Kenntnis als Beitrag (oder auch als Kommentar in einem Weblog) hinterlassen würden. Es existiert sogar ein eigener Begriff dafür: Störerhaftung.

Was schon vor Monaten befürchtet wurde, scheint jetzt in der Wirklichkeit angekommen zu sein: dass die ganze schöne Welt des Web 2.0, die von der Beteiligung der User lebt, in Wahrheit ein juristisches Minenfeld darstellt. Denn niemand wird langfristig mehr bereit sein, einen Raum für öffentliche Debatten zur Verfügung zu stellen, wenn er jederzeit damit rechnen muss, kostenpflichtig abgemahnt zu werden, weil sich jemand - unabhängig von einer späteren juristischen Überprüfung des Sachverhalts - gegen Kommentare wehrt.

Große Zeitungen und Nachrichtenportale wird das nicht erschrecken, die sind mit einer Rechtsabteilung ausgerüstet. Aber der kleine Blogger oder Forenbetreiber wird es sich in Zukunft zweimal überlegen, was er worüber schreibt - und ob er Teil einer offenen Debatte sein will.

John Lennons Solotitel bei iTunes

Das wird die Beatles-Fans sehr freuen. Naja, genauer, die Fans von John Lennon. Dessen Solo-Alben sind nämlich seit gestern bei Apples Online-Downloadshop iTunes Store zu haben. Insgesamt sechzehn einst bei EMI erschienene Alben, darunter "Lennon Legend" und "Acoustic", können jetzt erstmals digital heruntergeladen werden. Der Solokatalog von Lennon kommt DRM-frei ohne Kopierschutz daher. Darüber hinaus ist für 30 Tage bei einigen Alben und Kollektionen exklusives Videomaterial mit enthalten, wie Apple mitteilte. Schon zuvor waren die Songs von Paul McCartney bei iTunes erhältlich geworden, Apple kündigte ähnliche Arrangements für Ringo Starr und einige Werke von George Harrison an. Angesichts stetig aufkommender Gerüchte wollte sich Apple nicht festlegen, wann auch die digitalisierte Version des Beatles-Kataloges auf iTunes angeboten werden wird.

Spielebranche brummt wie nie

Die Games Convention naht, und der stets um Aufmerksamkeit buhlende Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) nutzt die Gunst der Stunde, mal wieder ein paar schicke Statistiken in Umlauf zu bringen.

Knapp eine Woche vor Messebeginn in Leipzig servierte der Bitkom die aktuellen Marktdaten: Demnach rechnet die Videospielbranche in den kommenden Jahren mit weiter rasant steigenden Umsätzen. Im laufenden Jahr erwarte man einen Umsatz bei Konsolen und PC-Spielen von rund 2,14 Milliarden Euro, sagte Manfred Gerdes, Bitkom-Präsidiumsmitglied und Sony-Manager. Dies entspreche einer Steigerung gegenüber 2006 von 21 Prozent.

Was natürlich vor allem an den neuen Konsolenmodellen liegt. Zwischen Januar und Juni dieses Jahres wurden in Deutschland 1,3 Millionen Stück verkauft, ein Plus von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das laufende Jahr peilt die Branche einen Konsolen-Absatz von 3,7 Millionen Stück an.

"Videospiele sind mittlerweile ein Volkssport", so Gerdes. Mehr als jeder dritte Deutsche spiele mittlerweile regelmäßig, die meisten davon am heimischen Computer. In fast jedem dritten Haushalt steht laut Bitkom mittlerweile eine Spielkonsole.

Einer der wichtigsten Trends der kommenden Jahre sei laut Gerdes das Online-Spiel, das direkt im Internet gespielt oder auf den PC heruntergeladen wird. Dies sei zwar noch ein Nischenmarkt, verspreche in Zukunft aber ein großes Wachstum, je schneller die Datenleitungen in den Haushalten werden.
pat/ddp

Social Networks: Auch Kriminelle interessieren sich für persönliche Daten

Dass viele Internet-Nutzer sich allzu leichtfertig auf sozialen Onlineplattformen wie Facebook, Stayfriends oder Lokalisten bewegen, ist mittlerweile eine Binse. Millionen User melden sich an und füttern ihr Profil arglos mit einer Reihe persönlicher Daten, wie E-Mail-Adresse, Geburtstag, Telefonnummer oder sogar individuellen Vorlieben, und geben diese bereitwillig weiter. Wie leicht man an die Daten anderer gelangt, demonstrierte das IT-Sicherheitsunternehmen Sophos: die Sicherheitsexperten registrierten sich beim Netzwerk Facebook unter dem Phantasienamen "Freddi Staur" mit dem Bild eines grünen Plastikfroschs und sandten dann Kontaktanfragen an 200 zufällig ausgesuchte Facebook-Nutzer. 41 Prozent antworteten und gaben dem Plastequaker Zugang zu persönlichen Daten.

Zukünftig sollte sich der Social Networker nicht nur Sorgen machen, wer das peinliche Bild vom letzten Besäufnis hochgeladen hat und einem damit noch Jahre später die eigene Karriere versaut, weil auch Personalchefs mittlerweile das Internet zu Job-Kandidaten befragen. Die Bereitschaft, mit der Nutzer ihre Daten herausgeben, macht Betrügern den Identitätsdiebstahl leicht. Christoph Hardy von Sophos meint dazu: "Wäre Freddi ein Cyber-Ganove, hätte er jetzt alle Informationen, um die User gezielt zu attackieren und sie um ihr Geld zu bringen - sei es über individuell gestaltete Phishing- und Spam-Mails oder Malware-Angriffe."

Mit ein bisschen Findigkeit könnten aus dem Namen der Freundin oder dem Geburtsdatum schnell Passwörter gebildet und neue Identitäten angelegt werden. Und plötzlich ist das Konto schneller leer, als einem lieb ist.

Nachtrag: In der ersten Fassung dieses Beitrags wurde behauptet, das Unternehmen Callactive habe sich gegen "Leserkommentare zu kritischen Berichten (...) über möglicherweise getürkte Anrufe bei der Show" gewehrt. Das ist nicht richtig. Callactive hatte sich juristisch gegen einen Nazi-Vergleich in einem Leser-Kommentar gewehrt. Der entsprechende Blogeintrag beschäftigte sich mit dem Ausdruck "Animöse". Wir haben unsere Darstellung korrigiert.

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