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Soldat Scott Thomas Glaubenskrieg um Bagdads Brutal-Blogger

2. Teil: Der Blogger wird enttarnt - und die Armee schaltet sich ein

Eine Woche später enthüllte die "New Republic" die Identität von "Scott Thomas". "Ich bin der Gefreite Scott Thomas Beauchamp, ein Mitglied der Alpha Company, 1/18 Infantry, Second Brigade Combat Team, First Infantry Division", teilte der Autor auf der Website des Magazins mit. Er dementierte, seine Berichte widerrufen zu haben. "Ich bin bereit, mit meinem wahren Namen zur Gesamtheit meiner Artikel für die 'New Republic' zu stehen."

Beauchamp, 23, versicherte, seine Texte hätten nur seine private Sicht des Krieges zeigen sollen. "Sie waren nie als Darstellung des gesamten US-Militärs gedacht." Er sei frustriert über die Kritik von der Heimatfront: "Es macht mich gelinde gesagt verrückt, zu sehen, dass die Plausibilität von Ereignissen, die ich bezeugt habe, von Leuten bezweifelt wird, die nie im Irak gedient haben." Die "New Republic" enthüllte außerdem, wie es zu Beauchamp kam: Er sei mit Elspeth Reeve verheiratet, der Jungreporterin des Magazins.

"Keiner konnte die Vorwürfe erhärten"

Das gab der ganzen Sache den Ruch der Vetternwirtschaft. Die US-Armee verbot Beauchamp sofort jeden weiteren Kontakt mit der Außenwelt, konfiszierte sein Handy und seinen Laptop und leitete interne Ermittlungen ein.

Anfang August folgte dann die spitze Mitteilung des Ermittlungsergebnisses: "Die Behauptungen des Gefreiten Beauchamp haben sich als falsch herausgestellt. Sein Zug und seine Einheit wurden vernommen, und keiner konnte die Vorwürfe erhärten." Im Gegenteil, fügte ein Armeesprecher auf Anfrage hinzu: "Alle Soldaten seiner Einheit haben alle Vorwürfe bestritten, die der Gefreite Beauchamp in seinem Blog gemacht hat." Zu Details schwieg das Militär: "Der Fall wird als abgeschlossen betrachtet."

Die "New Republic" wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Sie leitete ihre eigenen Gegenermittlungen ein. Sie verteidigte, dass ihr Autor anonym geschrieben hatte: Nur so habe Beauchamp "ehrlich und offen über seine Emotionen und Erlebnisse" schreiben und gleichzeitig weiter bei den Frontsoldaten dienen können. Alle Essays seien von der Dokumentationsabteilung gecheckt worden, schrieb Chefredakteur Franklin Foer. Man habe Experten hinzugezogen, um die Plausibilität zu prüfen. Zeugen seien kontaktiert, der Autor selbst zum Liefern "zusätzlicher Details" gedrängt worden.

"Erzählstil der Anti-Kriegs-Linken"

Bei der hausinternen Untersuchung entdeckte die "New Republic" dann, Beauchamp habe sich in einem einzigen "bedeutenden Detail geirrt". Die bombenverstümmelte Frau, die er beschrieben habe, sei ihm nicht im Irak begegnet, sondern zuvor auf einem Militärstützpunkt in Kuwait. "Wir bedauern diesen Fehler zutiefst."

Der Rest stimme aber. Foer: "Wir haben mit Militärpersonal gesprochen, das direkt an den Ereignissen beteiligt war, die Scott Thomas Beauchamp beschrieben hat. Sie haben seine Darstellung bekräftigt." Darunter seien fünf Kameraden aus Beauchamps Einheit gewesen, die ihrerseits aus Angst hätten anonym bleiben wollen.

Leider schotte sich die Armee ab: Sie habe der "New Republic" bei den Nachforschungen nur Steine in den Weg gelegt und halte Beauchamp unter Verschluss. Bei seinem letzten Gespräch mit der Redaktion im Juli habe er berichtet, er werde von seinen Vorgesetzten an der Front unter Druck gesetzt.

Und so ist die Affäre längst nicht ausgestanden. Es steht das Wort der Armee gegen das Wort der "New Republic".

Deren Kritiker jubeln natürlich: Der konservative Kolumnist Charles Krauthammer ("Washington Post") nennt Beauchamp den "Bagdad-Fabulisten". Seine Lügengeschichten passten "perfekt in den virulentesten Erzählstil der Anti-Kriegs-Linken".

"Unverfroren lahm"

"Im Prinzip haben sie wieder mal dieselben Fehler gemacht", schreibt der "National Review" mit Verweis auf den Glass-Skandal. "Sie fielen auf oberflächliche, filmreife Lebendigkeit herein, auf pseudo-romanhaften Dialog, alles mit dem Ziel, Vorurteile zu verstärken, die so tief saßen, dass die Redakteure nicht mal merkten, dass ihnen Honig ums Maul geschmiert wurde."

Was immer am Ende sich als die Wahrheit erweist: Die "New Republic" hat sich auf ihrer Suche nach einem aufsehenerregenden Knüller ziemlich unbeholfen verhalten. Sie hob die Beiträge anonym ins Blatt, ohne sie vorher wasserdicht zu machen. Selbst wenn sie wahr sind - in der Welt der Blogs kommt mit so was keiner mehr heil davon.

Das Magazin versucht inzwischen, sich neuen Themen zu widmen. Aufmacher der Online-Ausgabe vom Mittwoch: Eine Kritik des Wahlkampf-Blogs des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Das abfällige Urteil: "unverfroren lahm".

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