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21.08.2007
 

IPTV gegen Web-TV

Die Raubritter des Codec

Von Frank Patalong

2. Teil: Das Publikum freut sich: Wem legal schnurzegal ist, der hat Erfolg

Inkompatibel: ARD, ZDF und die Pläne der anderen

Auf der anderen Seite stehen die Web-TV-Services. Für sie gilt das Motto "Hauptsache jetzt!". Der Vertrieb geht über das ganz normale Internet, vorzugsweise als Stream. Und während Medien- und Telko-Manager davon träumen, dass die Kunden hungrig auf HD-Bilder warten, amüsieren die sich bereits mit Streams in VHS- bis DVD-Qualität, denn so groß ist die Spanne. Egal - Hauptsache, die Sache ist bequem und kostet nichts.

Ähnlich wollen auch ARD und ZDF ihre Zielgruppe als legale Schafe unter lauter illegalen Wölfen befunken. Per Web und Stream und vermeintlich kostenlos. Sie wollen, können und müssen das ja: Erstens wollen sie jedermann erreichen, weil sie das qua Auftrag müssen, zweitens müssen sie sich über die Finanzierung weniger Gedanken machen als ihre kommerzielle Konkurrenz. Die fürchtet nun verständlicherweise, dass die Anstalten öffentlichen Rechts den erträumten Bezahl-Markt kaputt machen, bevor er entsteht.

Denn deren Geld kommt ja quasi automatisch aus den GEZ-Gebühren. Wie hoch die ausfallen, das definieren die Öffentlich-Rechtlichen selbst mit und begründen dies mit ihrem Aufwand, der wiederum aus dem selbst definierten Auftrag resultiert. Zu dem gehört seit diesem Jahr die Eroberung des Cyberspace auf GEZ-Kosten. ARD- und ZDF-Granden rechtfertigen ihr Engagement schon jetzt damit, dass dies vom Gebührenzahler so gewünscht sei und spekulieren auf die nächste Gebührenrunde.

Dass die beiden ÖRs also mit Macht auf dem IPTV-Markt einschlagen werden, sobald sie ihre Lizenzprobleme gelöst haben, darf als ausgemachte Sache gelten. Als wollten sie ihre – vielleicht wünschenswerte, ab nicht absehbare – Fusion vorwegnehmen, tauften beide Player ihr Online-Angebot Mediathek. Zur Ifa wird man da hineinfüllen, was zu haben ist. So fett wie noch vor ein paar Monaten gehofft, wird das jedoch nicht ausfallen.

Inkompatibel: Erfolgreiche Web-TV-Seiten und das Recht

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Macht nichts, denn es gibt ja noch die dritte Gruppe der Web-TV-Anbieter: die Videoportale.

Bekannt sind da YouTube und drei, vier andere, doch es gibt Massen davon (und im Hinblick auf TV- und Filminhalte weit attraktivere): Ihr Angebot wird über Sammelseiten erschlossen und stellt derzeit den größten Albtraum der TV-Szene dar. Denn diese Raubritter des Codec setzen nicht auf dicke Leitungen, sondern schnelle Veröffentlichung und gute Datenkompression. Die erreicht inzwischen akzeptable TV-Qualität schon mit einer 2-MBit-DSL-Leitung - dafür haben die Techniker in den vergangenen Monaten gesorgt.

Zu haben ist alles, wovon ARD und ZDF nur träumen können: Top-Spielfilme und jede denkbare Serie im On-demand-Stream. Sie haben die vierte Folge der zweiten Staffel von Doktor House verpasst? Kein Problem: Bei TV-Links.co.uk findet man den passenden Anbieter, der sie noch vorhält.

Ab und zu verschwindet so ein Angebot per Abmahnung, nur um Stunden später von einem TV-Fan in einem anderen Videoportal wieder eingestellt zu werden. Der Betreiber Veoh versuchte vor einigen Tagen, sich per Gericht präventiv von etwaiger Schuld freisprechen zu lassen: Die Videodienste selbst sind mit der Kontrolle der Copyrights hoffnungslos überfordert, der Rechtsbruch geschieht durch die Nutzer selbst.

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Zur Freude der TV-Fans, die bei Stage6 (in phantastischer Qualität!), bei Veoh, Dailymotion, Joox, CinemaTube, bei vid2c oder powervfl alles abrufen können, was sie suchen - von der Kindersendung bis Hardcore-Pornografie. Die Elefanten in diesem medienrechtlichen Porzellanladen sind chinesische Seiten wie youku, die als netten Service Kinofilme wie "Die fantastischen Vier" schon mal fünf Wochen vor Kinostart zeigen. Bei manchen dieser Web-TV-Dienste lässt sich sogar die Sprach-Tonspur wechseln: Englisch, Spanisch, Deutsch gefällig? Alles zu haben, nur die koreanischen Untertitel bleiben immer im Bild.

Es sind auch solche illegalen Dienste, die die Entscheider bei den Sendern zu der Überzeugung gebracht haben, dass das Fernsehen per Internet tatsächlich kommt. In Deutschland vielleicht weit später als im Rest der Welt, weil hier zum Rechteproblem die Geiz-ist-Geil-Mentalität auf eine untypische Pay-Free-Fee-TV-Landschaft trifft.

Aber gewaltig wird der Einschlag ausfallen: Wer das Web-TV einmal entdeckt hat, braucht keinen Fernsehsender mehr. Web-TV-Übersichten wie 3w-tv.com haben das längst begriffen: Sie sortieren die Programme nicht mehr nach Sendern, sondern nach Sparten. Wer auch in Zukunft gesehen werden will, täte gut daran, die möglichst schnell zu füllen.

Und nicht nur in Deutschland, glaubt Marc Mangold, der bei Hubert Burda so etwas wie Entwicklungschef des Medien- und Marketinggeschäftes ist, ist abzusehen, wer das Rennen IPTV gegen Web TV machen werde: werbefinanzierte Angebote - und nicht etwa Pay-TV-Modelle.

Tatsächlich wäre das hierzulande eine Wiederholung der TV-Geschichte: Wer gegen die mächtigen Öffentlich-Rechtlichen bestehen will (und heute zudem gegen die Raubritter des Codec), der muss seine Waren verschenken und sich sein Geld aus dem Werbemarkt holen. Wo Öffentlich-Rechtliche in Konkurrenz zu werbefinanzierten Angeboten funken, da ist kein Platz für Pay-TV und on-demand.

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