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Netz-Plattform StudiVZ-Mitglieder treiben Extremisten in die Flucht

2. Teil: Extremisten verkrümeln sich - und jammern darüber, wie schlecht man sie behandelt

Tausendfach wurde die Löschung der Gruppe beantragt, doch lange zögerten die StudiVZ-Betreiber - die NPD sei keine verbotene Partei und die Gruppendiskussionen nicht verfassungsfeindlich, hieß es zur Begründung. Nach knapp anderthalb Monaten machte dann der Gründer selbst die Gruppe dicht. "Er sagte, dass sie keinen fruchtbaren Boden sehen würden und bat uns, die Gruppe zu schließen", berichtet Samir Barden, Leiter der Kundenbetreuung.

Extremisten, die sich aufgrund öffentlichen Drucks selbst zurückziehen - das sei ein Sieg der Demokratie im StudiVZ, jubelt das Management. Von den Nutzern stark kritisiert, verteidigt das Unternehmen seine Strategie des Laissez-Faire gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Eine demokratische Gesellschaft muss extremistische Meinungen aushalten", sagt Co-Geschäftsführer Michael Brehm, "und StudiVZ ist ein Abbild unserer Gesellschaft." Nur was eindeutig extremistisch oder verfassungsfeindlich sei, würde geahndet und notfalls gelöscht. Zudem sei eine genaue Regulierung ohnehin "unmöglich", ergänzt Barden.

Verfolgungswahn bei den Rechtsradikalen

Interne Kritik, Gegengruppen und Regulierung durch den Betreiber - das Leben als Extremist ist im Netz nicht einfach. Zwar sind etwa Richard L., bis vor kurzem Mitglied der StudiVZ-Gruppe "Gegen Deutsch-Feindlichkeit", Löschungen "an sich egal", da man sich einfach unter anderem Namen neu anmelden könne. Trotzdem hat sich in der rechten Szene in StudiVZ ein regelrechter Verfolgungswahn breitgemacht.

So wird die angebliche Diskriminierung deutscher Nationalisten in rechten Gruppen immer wieder thematisiert. Die Mitglieder von "Gegen Deutsch-Feindlichkeit" gratulieren sich erstmal gegenseitig zu ihrem Mut, sich auf einer öffentlichen Seite als "deutsch-freundlich zu outen". In der anschließenden Diskussion über den ihrer Meinung nach "traurigen" Zustand des deutschen Selbstbewusstseins beklagen sich mehrere Teilnehmer, dass sie von anderen als Rechtsextremisten abgestempelt würden, nur weil sie "patriotisch" seien.

Auch Richard L. klagt SPIEGEL ONLINE per StudiVZ-Nachricht sein Leid: "Sobald man sagt das z.B. unsere deutschen Soldaten Helden waren oder man stolz auf Deutschland ist und man der Meinung ist, das die Integration gescheitert ist, wird man sofort in eine Ecke mit Neonazis gestellt", schreibt er und demonstriert damit nicht nur einen für Rechtsradikale typischen Geschichtsrevisionismus, sondern auch leichte Probleme mit der deutschen Rechtschreibung.

Die Zensur von rechten Inhalten, fährt er fort, sei im seiner Ansicht nach links-orientierten StudiVZ auffällig, aber vor allem "ein gesamtgesellschaftliches Problem". Damit meint er wohl, was ein anderes Mitglied von "Gegen Deutsch-Feindlichkeit" als "Fehler der politknechte der nachkriegsgeneration" bezeichnet - nämlich die historisch begründete Sensibilität der Bundesrepublik gegenüber dem Patriotismus und seinen Perversionen.

Noch Einiges zu lernen

Auch Gerhard S., Integrationsgegner und Gründer der Gruppe "Erfahrung mit Ausländerkriminalität",betont auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, dass er kein Extremist sei. Er vertrete aber Ansichten, zu denen er sich nicht in Beruf und Nachbarschaft bekennen könne, ohne Probleme zu bekommen. "Das Netz bietet die Möglichkeit, offener auszusprechen, was 'Volksmund' denkt, aber sich nicht traut / riskieren kann öffentlich zu benennen", schreibt der Sozialpädagogik-Student in einer StudiVZ-Nachricht.

Mit der Gruppe will er den "steigenden Hass, der Deutschen immer öfter in steigender Aggressivität entgegenschlägt" angeblich frei von rechtsextremer Ideologie thematisieren, doch das gelingt ihm nicht: In der Sechs-Mann-Minigruppe wird doch wieder nur die alte Leier von kriminellen Ausländern und falscher Toleranz gespielt. Gerhard S. selber gibt zu, dass eine echte Diskussion "leider selten zustande kommt".

Plattformen wie das Studentennetzwerk, so viel ist klar, bieten eine echte Chance für den demokratischen Meinungsaustausch, das Beispiel der Gruppe "NPD" zeugt von ihrem Selbstreinigungs-Potential. Doch es gibt noch Einiges zu lernen.

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insgesamt 18 Beiträge
R.U 05.09.2007
Spiegel Online wie gehabt linkslastig. Wenn man schon die "Selbstreinigungskräfte" des Studivz, die nicht selten im schlichten Zumüllen von Gästebüchern, Beleidigungen und Drohungen bestehen hochlobt, sollte man auch das [...]
Spiegel Online wie gehabt linkslastig. Wenn man schon die "Selbstreinigungskräfte" des Studivz, die nicht selten im schlichten Zumüllen von Gästebüchern, Beleidigungen und Drohungen bestehen hochlobt, sollte man auch das Versagen der "Demokratie" bei linksextremen Gruppen erwähnen. Von der Antifa bis zu "Polen soll bis Holland reichen" tummelt sich nämlich bei studivz alles herum, was das Herz eines Linksextremisten begehrt. Komischer Weise läuft da keiner dagegen Sturm. ;)
Einbauschrank 05.09.2007
R.U. bringt es auf den Punkt: Im StudiVZ gibt es eine breite Amplitude von Gruppen, darunter auch extremistischen Müll. Komischerweise gilt für die einen die "Freiheit der Andersdenkenden", bei den anderen schreibt [...]
R.U. bringt es auf den Punkt: Im StudiVZ gibt es eine breite Amplitude von Gruppen, darunter auch extremistischen Müll. Komischerweise gilt für die einen die "Freiheit der Andersdenkenden", bei den anderen schreibt man eben einen sozial erwünschten Artikel, der Rechtschreibfehler und Demokratieversagen geißelt. Wer mit anderen Meinungen, Rechtschreibfehlern und auch geballter Idiotie nicht klarkommt, der sollte seinen Internetanschluß vielleicht kappen.
wfijens 05.09.2007
Studi VZ interessiert sich meiner Meinung nach einen Dreck für die politischen Spektren die sich dort so tummeln. Das Problem extremer Gruppen bekommt man wahrscheinlich einfach nicht in den Griff, weil man nicht genügend [...]
Studi VZ interessiert sich meiner Meinung nach einen Dreck für die politischen Spektren die sich dort so tummeln. Das Problem extremer Gruppen bekommt man wahrscheinlich einfach nicht in den Griff, weil man nicht genügend Mitarbeiter hat um diese zu kontrollieren. Daran hat man spätestens seit der Übernahme durch die Verlagsgruppe Holtzbrinck höchstwahrscheinlich kein Interesse. Die 85 Mio Kaufpreis müssen wieder eingespielt werden und dazu hält man auch gerne den Mitarbeiterstamm klein. Eben der zitierte Michael Brehm war es auch, der einer Gruppe die sich selbt ***** nannte beitreten wollte, die hinter dem Rücken von Nutzerinnen deren Bilder sammelte und mit Stalking auf sich aufmerksam machte. Insofern fällt mir zu dem Artikel nur ein, schlecht recherchiert und extrem konstruiert. Studi VZ war es im übrigen auch, die vor kurzem noch einen viralen Spot in Auftrag gegeben haben in dem Sinheads durch ein Wohnviertel laufen und Vegetarier zerstümmelt Schweinen vorwerfen.
pergamon 05.09.2007
... Verfolgungswahn bei den Rechtsradikalen ... Auch Richard L. klagt SPIEGEL ONLINE per StudiVZ-Nachricht sein Leid: "Sobald man sagt das z.B. unsere deutschen Soldaten Helden waren oder man stolz auf Deutschland ist und [...]
... Verfolgungswahn bei den Rechtsradikalen ... Auch Richard L. klagt SPIEGEL ONLINE per StudiVZ-Nachricht sein Leid: "Sobald man sagt das z.B. unsere deutschen Soldaten Helden waren oder man stolz auf Deutschland ist und man der Meinung ist, das die Integration gescheitert ist, wird man sofort in eine Ecke mit Neonazis gestellt", schreibt er und demonstriert damit nicht nur einen für Rechtsradikale typischen Geschichtsrevisionismus, sondern auch leichte Probleme mit der deutschen Rechtschreibung. ... Entschuldigung, aber hier wird einer vom Autoren schlichtweg niedergebügelt, oder? Jenen "Leidklagenden" abseits des Themas ob seiner Rechtschreibfehler anzugreifen, der Hinweis auf für Rechte "Typisches" - das ist kein Diskussionsbeitrag sondern schlechtester Journalismus, Polemik in Weimarer Tradition (Werkzeuge der Diskreditierung - ja toll, damit kann man nach links und rechts schiessen). Ich steh auch nicht auf Rechts, aber die Meinung kann ich mir selber bilden, so supertendenziöse Absätze brauch ich dazu net!
cethegus86 05.09.2007
Ein schöner Artikel der aufzeigt wie teils extremistische Gruppierungen bei Studivz ihr Unwesen treiben. Leider geschieht es immer öfter, dass Extremisten auf Studivz eine Plattform finden, oder das ihnen sogar, durch das [...]
Ein schöner Artikel der aufzeigt wie teils extremistische Gruppierungen bei Studivz ihr Unwesen treiben. Leider geschieht es immer öfter, dass Extremisten auf Studivz eine Plattform finden, oder das ihnen sogar, durch das Unterlassen der Administration, eine Plattform geboten wird. Was in diesem Artikel jedoch leider keine Erwähnung findet ist die Tatsache, dass linksextremistische und linksradikale Lager ebenso stark vertreten sind. Ich bin weit davon entfernt dem Autor dieses Artikels zu unterstellen, dass das Fehlen dieses Kapitels irgendeinen ideologischen Hintergrund hat, trotzdem verliert der Artikel dadurch an Glaubwürdigkeit.
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