Von Felix Knoke
Columbia-Boss: Abos retten Musikindustrie
Rick Rubin ist ein Hippie-Bär: Lange Mähne, Rauschebart, Musik-Urgestein. Er gründete das Musiklabel Def Jam, produzierte Platten für U2, Metallica, Shakira oder Johnny Cash und soll jetzt auch noch die Plattenfirma Columbia Records und mit ihr vielleicht das ganze Musikgeschäft retten. Das
"New York Times Magazine" hat sich des außergewöhnlichen Plattenbosses
umfangreich und interessant angenommen.
Wer sich nur dafür interessiert, welche Auswege Rubin für die angeblich so leidende Branche sieht, dürfte jedoch beim knackigen Ars Technica-Text besser aufgehoben sein. Die Zusammenfassung: Erstens werden Abo-Services es richten. Wer für fünf oder sechs Dollar im Monat überall und so viel er will Musik herunterladen kann, der muss nicht mehr Musik klauen gehen. Zweitens sollte sich die Plattenindustrie anschauen, wie ihre Kunden sich über Musik informieren. Nämlich über Blogs und Mundpropaganda. So solle sie es zukünftig auch machen, um die Leute zu erreichen.
Ars Technicas Replik: Rubin, lass die Finger von den Blogs und konzentriere Dich auf die Abo-Dienste. Auch wenn die noch eine nur sehr kleine Rolle spielen – sie könnten tatsächlich die Zukunft sein, wenn man über W-Lan oder ähnliche Techniken zu jeder Zeit Musik herunterladen kann. Quasi so, wie das bereits für (illegale) Tauschbörsennutzer der Fall ist.
Lulu gegen Hulu
Erst letzte Woche verbreitete sich die Kunde vom angeblichen Youtube-Killer Hulu ("einfach zu merken und reimt sich"). Diese Woche wird der geplante Videoservice von NBC Universal und News Corp. schon von Neidern ins Visier genommen.
Der Print-on-Demand-Anbieter Lulu.com sieht sein Warenzeichen verletzt, es herrsche Verwechslungsgefahr! Hulu und Lulu lägen phonetisch und optisch einfach zu nahe beieinander. Die Klage vor einem Bezirksgericht in Nord Carolina wirft der Newscorp/NBC-Universal-Kooperation Verletzung von Markenrechten, unfaire und unlautere Handelsmethoden und "Cyberpiraterie" vor.
"Wir haben über fünf Jahre und viele Millionen von Dollar investiert, um unsere Lulu-Marke und -Website zu einem Angebot zu entwickeln, das Millionen Kreativen und Konsumenten ein Ort zum Veröffentlichen, Kaufen und Verwalten von digitalen Inhalten geworden ist," so Lulu-Chef Bob Young in einem Statement, das "Cnet" veröffentlichte.
Auf Lulu.com können User ihre Texte veröffentlichen, drucken und verkaufen. Das Angebot ist quasi Druckerei, Bücherei und Verlagshaus für Hobby-Autoren im Netz.
Das Internet macht Schüchtern
Achtung, die Welt geht unter! Wegen des Internets wird sich bald niemand mehr fortpflanzen: weil zu scheu. Der Erfolg von E-Mails, SMSen und iPods verursache eine "weltweite Epidemie der Schüchternheit." Das behauptet die Psychologin, Forscherin der Harvard Business School und Etikette-Kolumnistin beim Boston Globe Robin Abrahams. Mit Hilfe von Technik könne man immer häufiger Konflikte vermeiden, zitiert der "Daily Telegraph": Statt Radio höre man jetzt iPod, gekauft und geredet werde vermehrt im Netz.
Zugleich werde die Gesellschaft jedoch zunehmend komplexer und fordere höhere Orientierungskompetenzen. Diese Kluft verbreitere sich immer weiter. Das könne man daran merken, dass in der Vergangenheit 40 Prozent der US-Bürger angaben, Schwierigkeiten in sozialen Situationen zu haben. Heute seien es bereits über 50 Prozent. Selbst als Krankheitsbild gelte die neue Schüchternheit schon. Immer öfter werde sie mit Medikamenten behandelt. Abrahams spricht das Offensichtliche aus: Dies ist ein Irrweg, soziales Verhalten ist nur durch die Praxis erlernbar. Kommunikation und Übung seien der Schlüssel.
Gulli.com kommentiert den Bericht kritisch: Dem sinnvollen Fazit gehe eine unmotivierte und kaum nachvollziehbare Technikverteufelung voraus. Das Netz vereinfache den Menschen nicht, sondern bilde vielmehr die Verschiedenheit der Individuen ab. Ein kluger Kommentar.
Trotzdem muss man einsehen, dass sich die Gesellschaft gerade auch durch Netz-Technik zunehmend aufsplittert, es immer weniger ein eindeutig richtiges soziales Verhalten gibt. Das Internet bietet viele neue Beziehungssituationen zwischen Menschen und erfordert vielerlei neue Kommunikationstechniken und -regeln, die manche Menschen möglicherweise auch überfordern.
Was das nicht erklärt: Wie um alles in der Welt hängt das nun mit dem iPod zusammen? Da der "Daily Telegraph" nicht darauf eingeht, bleiben nur Vermutungen: Vielleicht, weil sich die Leute nun selbst in der Öffentlichkeit mit ein wenig Musik zurückziehen können und so (vermeintlich) weder ansprechbar noch erreichbar sind? Aber das ging doch mit einem Walkman auch schon ...
NBC Universal: Tschüss iTunes, hallo Amazon
Nachdem NBC Universal sich mit Apple wegen Verkaufspreisen von TV-Sendungen auf Apples Download-Shop iTunes überworfen hat, gab das US-amerikanische Medienunternehmen nun bekannt, ab sofort mit dem Apple-Konkurrenten Amazon gemeinsame Sache zu machen. Beim Amazon-Online-Filmshop Unbox bekäme man nämlich etwas, das es bei Apple nicht gäbe: Flexibilität beim Preis und der Ausgestaltung des Videoangebots.
NBC Universal will nun eine große Palette von TV-Serien wie Heroes, The Office oder 30 Rock schon einen Tag nach der Ausstrahlung bei Unbox für 1,99 Dollar anbieten, wie aus einer Pressemeldung des Unternehmens hervorgeht. Für eine komplette Staffel bekäme man 30 Prozent Nachlass.
Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen: Ist der NBC/Amazon-Deal nur auf Zeit? Bis Ende des Jahres wollten NBC Universal und News Corp. eigentlich den oben genannten Youtube-Konkurrenten Hulu.com auf die Beine stellen, bei dem auch Fernsehserien angeboten werden sollen.
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