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12.09.2007
 

Netzwelt-Ticker

Videoüberwachung späht Falschparker aus

Von Richard Meusers

Neues vom Schnüffelstaat: In London nehmen per Funk vernetzte Videokameras Politessen die Arbeit ab und in Bombay lässt die Stadt alle Internetcafés überwachen. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Falschparkern geht es im Londoner Stadtteil Westminster online an den Kragen. Die Verwaltung des Stadtbezirks hat entlang ihrer Straßen 43 Kameras installiert, die ihre Daten via W-Lan an die lokale Überwachungszentrale der Polizei schicken. Dort gleicht eine Software die Autonummer, den Ort der geparkten Fahrzeuge und eventuell geltende Halte- oder Parkverbote ab und überprüft auch das Vorhandensein eines Parkscheins.

Parkplatz-Spanner: Überwachungskamera in der Nähe des britischen Parlaments
AP

Parkplatz-Spanner: Überwachungskamera in der Nähe des britischen Parlaments

Steht jemand im Parkverbot oder hat keinen Parkschein gelöst, spuckt der Computer einen Hinweis an den diensthabenden Beamten aus. Bestätigt der den Verstoß, geht das Knöllchen an den Sünder raus. Sollte jemand Einspruch einlegen, so wird auch dieser automatisiert behandelt. Sein Schreiben wird eingescannt und die entsprechenden Kamerabilder werden Beamten zur Überprüfung zugeleitet. Ganz ohne menschliche Hilfe geht es dann aber doch nicht: Weitere sechs Beamte überwachen die von den Straßenkameras gelieferten Bilder.

Stellt einer davon einen Verstoß fest, kann er auch den nächstgelegenen Bobby über Funk informieren, der dann zur Tat schreitet. Insgesamt soll das Kameranetz, das zur Datenübertragung das von der British Telecom in London installierte Hotspot-System nutzt, in Westminster auf 250 Geräte erweitert werden. Da fährt man dann doch besser mit dem Bus.

Bombay: Stadtverwaltung installiert Keylogger in Internetcafés

Nach den jüngsten Anschlägen in Hyderabad und Bombay setzen die Behörden der indischen 13-Millionen-Metropole Bombay auf die verstärkte Überwachung von Internetcafés. Alle Betreiber müssen eine städtische Lizenz beantragen und dazu die Anzahl der in den Cafés vorhandenen Computer angeben. Außerdem werden sie verpflichtet, auf den Rechnern sogenannte Keylogger zu installieren, kleine Programme, die jede Aktivität auf der Tastatur überwachen.

Cafébesitzer, die sich der Registrierung verweigern, müssen mit Geldbußen oder noch härteren Strafen rechnen. Die durch die Überwachung produzierten Daten sollen von der Polizei ausgewertet werden. Als Grund für die Maßnahmen wurde angegeben, die Attentäter von Hyderabad und Bombay hätten zuvor über das Internet kommuniziert, zumeist von Internetcafés aus. Kritiker halten die Aktion für sinnlos. Bereits mit einfachsten Mitteln wie Proxyservern oder dem Anonymisierungssystem TOR könne der Internetsurfer trotz Keylogger seine Anonymität wahren.

Polizeigewerkschaft: Personal wichtiger als Onlinespielereien

Wie schon des öfteren beharrt in der aufgeregten Debatte um die Online-Durchsuchung die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf einer nüchternen und sachlichen Betrachtung der Situation. Bei einem Besuch bei der FDP-Bundestagsfraktion wies GdP-Chef Konrad Freiberg darauf hin, dass vor allen technischen Spielereien zuerst einmal die Behebung des Personalmangels bei der Polizei Priorität haben müsse. Man sollte zunächst die geltende Rechtslage ausschöpfen. Das ginge jedoch nur mit genügend Polizeibeamten. "Was nutzen neue Rechtsgrundlagen, wenn es bereits jetzt gravierende Engpässe in der Ausnutzung des bestehenden Instrumentariums gibt. Erlaubte Telefonüberwachungen können nicht durchgeführt werden, weil sie zu teuer und zu personalintensiv sind.

Die lückenlose Überwachung Hunderter von Terrorverdächtigen aus der Islamistenszene scheitert am Personalmangel. Bereits beschlagnahmte Computerfestplatten vergammeln stapelweise in den Asservatenkammern. Auch die Strategie der Polarisierung, die Innenminister Schäuble bei seinen geplanten Gesetzesänderungen verfolgt, hält der Polizist für wenig hilfreich. "So wie Schäuble das macht, ist es kein Wunder, wenn rund 40 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland erst einmal auf der Palme sind", äußerte Freiberg sein Verständnis.

Steuerfinanziertes Bundesarchiv verkauft Bilder

Das Bundesarchiv hütet einen gewaltigen Schatz von Dokumenten und Bildern aus den vergangenen 200 Jahren deutscher Geschichte. Von den elf Millionen Fotos und Plakaten steht der Öffentlichkeit nun ein repräsentativer Querschnitt von 60.000 Bildern zur Verfügung. Die entsprechende Datenbank kann nach unterschiedlichen Schlagwörtern durchsucht werden. Allerdings gibt es bei der Angelegenheit einen Haken: Jeder, der hochauflösendes Material herunterladen will, muss sich registrieren und wird ordentlich zur Kasse gebeten.

Wer nämlich meinte, das steuerfinanzierte Archiv würde sein Material den Bürgern kostenfrei zur Verfügung stellen, irrt. Eine penibel gestaltete "Kostenverordnung" listet detailliert auf, was für eine Nutzung wie zum Beispiel auf Online-Publikationen fällig wird. Von 25,25 Euro für eine Woche bis zum Jahrespreis von knapp 200 Euro ist alles erfasst und macht Otto Normalsurfer klar, dass sich dieses Angebot wohl nur an Betuchte und Medienhäuser richtet. Dass außerdem auf jedem einzelnen der Vorschaubilder ein hässlicher "Bundesarchiv"-Schriftzug prangt, verärgert dann noch zusätzlich. Immerhin, so bleibt viel Raum zur Nachbesserung.

Geklautes Vista: Der Schirm bleibt schwarz

Wer raubkopierte Microsoft-Betriebssysteme auf seinem Rechner installiert, wurde schon bislang durch die Pflicht zur Aktivierung nachhaltig an das Unrechtmäßige seines Tuns erinnert. Wer die nicht vornimmt, wird ausgesperrt und bekommt keine Updates mehr. Den Schwarz-Nutzern, so berichteten einige Blogs und Nachrichten-Webseiten, macht angeblich ein neues Feature in Windows Vista nun das Leben noch schwerer und lässt ihnen auch buchstäblich schwarz vor Augen werden.

Nervten Windows-Programme beim Absturz früher gerne durch den berüchtigten Blue Screen, so soll den Meldungen zufolge für Nutzer von geklauten Vista-Versionen künftig nach einer Stunde Schluss sein, der Schirm schwarz, Startmenü, Taskleiste und Desktop ausgeblendet werden. Mit diesen unschönen Nebenerscheinungen muss demnach jeder rechnen, dessen Vista bei der Echtheitsprüfung durchgefallen und als illegal eingestuft wurde.

Das jedenfalls ist der Inhalt einer von Computerworld zitierten E-Mail, die Microsoft mit dem Betreff "Illegales Vista - die Dunkelheit bricht herein" dieser Tage angeblich an Großhändler verschickte und sie eindringlich aufforderte, diese Nachricht sofort überall unters Volk zu bringen. Ob das derart vermeldete neue Feature überhaupt wirklich existiert und besagte E-Mail authentisch ist, bleibt fraglich. Zumindest meldete "Wired", die Geschichte sei eine Ente, ein Microsoft-Sprecher habe mitgeteilt, man plane beim Programm zur Bekämpfung von Raubkopien derzeit keine Erweiterungen. Also alles nur Schwarzmalerei?

Und außerdem:

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