Von Felix Knoke
EU: Mangel an IT-Wissen kostet Milliarden
Von wegen hochentwickelt: Ein Bericht der Europäischen Kommission prangert 40 Prozent digitalen Analphabetismus und einen herben IT-Fachkräftemangel in Europa an. Den Ländern der Europäischen Union entstehe deswegen jährlich ein Schaden von mehreren Milliarden Euro. Weil die wirtschaftliche Entwicklung langsamer verlaufe, Firmen deshalb Investitionen aus der EU abzögen und in dynamischere Märkte steckten.
Die Kommission fordert die EU-Länder deshalb auf, diesem Trend entgegenzuwirken und in die "e-Skills" – das Computer-Können – ihrer Bürger zu investieren. Die Initiative e-Inclusion 2008 soll es richten, die Mitgliedsstaaten, die Industrie, Akademien, Gewerkschaften die e-Inclusion umsetzen. Und so sieht das Pflichtenbuch aus: Auf das Problem aufmerksam machen, Maßnahmen entwickeln, die "e-Kompetenz" fördern, die Vermittlungsfähigkeit am Arbeitsmarkt und soziale Einbeziehung durch IT-Training verbessern, "e-Learning" verbessert und häufiger einsetzen, langfristig kooperieren.
Bis 2010, so das ehrgeizige Ziel, soll die "digitale Kluft" zwischen denen, die mit Computern umgehen können, und den Technikfernen auf die Hälfte reduziert werden.
Australien: Firma verklagt Forenbetreiber
In Deutschland können Forenbetreiber wegen eines schwammig formulierten Gesetzes für Einträge ihrer Forenbenutzer haftbar gemacht werden. Ein Problem, welches den gesamten Bereich des so genannte Web 2.0 gefährdet, wie Heise-Justiziar Jörg Heidrich gegenüber SPIEGEL ONLINE kritisiert. Zwar gebe es auch in anderen Ländern ähnliche Gesetze, unter den Industrienationen liege Deutschland jedoch vorne (respektive hinten), so Stefan Glänzer vom Musikdienst Last.fm.
Jetzt sorgt in Australien die Klage eines Softwareherstellers gegen ein Onlineforum für ungute Gefühle: Wird es Down Under bald auch riskant, Kritik im Internet zu veröffentlichen?
Die Firma 2Clix verklagte den Betreiber der beliebten Online-Community Whirlpool wegen der Verbreitung von "schädlichen Unwahrheiten" – ein rechtlicher Trick, der eine Gesetzesänderung umgeht, die es Firmen unmöglich machen sollte, wegen übler Nachrede zu klagen.
2Clix stellt eine Buchhaltungssoftware her, die von Whirlpool-Mitgliedern in Onlinekommentaren zerrissen wurde. In über 30 Kommentaren haben Whirlpool-User ihren Ärger über die 2Clix-Software ausgedrückt: Lasst um alles in der Welt die Finger von der Software!
2Clix behauptet nun, die Statements seien falsch und hämisch. Zudem habe Whirlpool nicht auf die Bitte reagiert, die fraglichen Forumseinträge zu löschen.
Der Kläger fordert nun 150.000 australische Dollar Entschädigung von Whirlpool-Betreiber Simon Wright. Außerdem will er eine einstweilige Verfügung erwirken, die Wright zwingen würde, die kritischen Kommentaren zu entfernen. 2Clix habe wegen der Kritik einen heftigen Einbruch bei den Verkaufszahlen erleiden müssen.
Eine australische Rechtsexpertin sieht jedoch im Gespräch mit dem Sydney Morning Herald kaum Chancen für 2Clix, die Forderungen vor Gericht durchzusetzen. Das australische Recht fordere vom Kläger in einem Fall angeblich "schädlicher Unwahrheit" Beweise dafür, dass die Statements wirklich falsch waren, dass sie in übler Absicht gemacht wurden, dass 2Clix deswegen finanziellen Schaden erlitt und vor allem, dass der Angeklagte Simon Wright den Kläger 2Clix damit wissentlich schaden wollte, indem er das beanstandete Material auf seiner Webseite stehen ließ.
Apple: iPhone geknackt, Software im Umlauf
Hacker haben das iPhone entsperrt und damit vom oft kritisierten AT&T-Vertrag befreit. Seit vorgestern kursiert nun auch die kostenlose Software iUnlock im Netz, die jeden iPhone-Käufer ermächtigen soll, das sogenannte SIM-Lock aufzuheben. Damit kann man das iPhone mit den SIM-Karten anderer Mobilfunkanbieter benutzen.
Das so genannte "iPhone Dev Team" steckt hinter dem Clou – mehrere Monate haben die unabhängigen Entwickler das Apple-Handy auf Hardware- und Softwareebene auseinandergenommen. Immer auf der Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten für das schicke Gerät – und freilich dem heiligen Gral: Der Entriegelung der SIM-Sperre. Bisher reklamieren nur kommerzielle Gruppen, das Geheimnis gelüftet zu haben, iUnlock ist nun die erste kostenlose Lösung.
Allein: Im jetzigen Zustand sei iUnlock für Menschen mit zwei linken Mausfingern nichts, merkt ein Apple-Insider an. Es gehöre schon ein wenig Geschick und Geduld dazu. Die ersten Anleitungen, wie der Hack angewendet werden muss, seien noch reichlich unrund.
Wer sich übrigens Gedanken macht, wie Apple dazu steht, dass unabhängige Programmierer Apple-Produkte knacken und ihre eigene Software auf dem Gerät abspielen: In einem Interview mit dem PC Magazine zeigte sich Apple-Marketingboss Greg Joswiak entspannt. Bei Apple hasse man solche Leute nicht – fügt im Gearlog jedoch hinzu: Lieben tue man sie allerdings auch nicht.
Österreich: Netzkultur in Wien
In Wien, so sagt man, sei für immer 1996, wo man noch Worte wie "Cyperpunk" verwenden durfte. In Wien, so sagt man aber auch, ist gerade in Sachen digitaler Kultur mehr los als irgendwo sonst in Europa. Das zeigt auch das Paraflows-Festival für Digitale Kunst und Kulturen. Jährlich soll zwischen Ars Electronica und Steirischem Herbst eine Plattform für die junge, lokale Szene der Netzkunst und Netzkulturen geschaffen werden. Auch als Schnittstelle zu "bereits renommierten, auch internationalen Positionen der Medienkunst," so die Website paraflows.at.
Motto des diesjährigen Paraflows-Festivals: UN_SPACE, in der der künstliche Raum, den Medien schaffen, thematisiert wird. In Ausstellungen von über 30 Künstlern und Symposien zum Thema Meer und Grenzflächen sollen "unzugängliche, unsichtbare, theoretische und immaterielle Räume" erforscht werden. Das Meer stelle dabei eine gutes Sinnbild dar, das auch gern in der Medientheorie verwendet werde. Der Surfer, der die Regeln des Meeres versteht, aber nur an der Oberfläche entlangreitet. Das Meer als aufsehenerregender Nicht-Raum, wie Co-Festivalleiter Günther Friesinger im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt.
Das "Paraflows" findet an verschiedenen Orten in und um Wien herum statt. Vom 13. September bis zum 23. September findet täglich von 15 bis 19 Uhr die Paraflows-Ausstellung im MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark statt. Die Symposien, Expeditionen und Konzerte listet das Online-Programm auf.
Weitere Meldungen:
Marktforscher sehen keinen Erfolg für Vista
Mozilla zeigt Firefox3-Preview
Computerspiele: Kultur wichtiger als Sex
Videokameras jetzt auch in simpel
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH