Von Konrad Lischka
Noch perfider arbeitet der aufs Mitmachnetz spezialisierte Datenkrake Rapleaf. Das US-Unternehmen betreibt drei Internetangebote (siehe Kasten unten).
Die drei Dienste tauschen – nach auf ihren Seiten veröffentlichten Datenschutzbestimmungen – Informationen aus. Beim Mitmachnetz-Durchforster Upscoop steht, dass die hier gewonnen Daten bei Rapleaf genutzt werden können und umgekehrt. In den Datenschutzbestimmungen beider Angebote erklärt der Betreiber außerdem, dass manche der hier abgegriffenen Daten über Trustfuse an Unternehmen verkauft werden können.
Wer Menschen sucht, füttert die Adress-Datenbank
Der Datenberg bei Rapleaf ist riesig: 50 Millionen Personenprofile hat das Unternehmen nach eigenen Angaben, täglich sollen "einige Hunderttausend" dazukommen. Die Datenbank wächst dank der Freizügigkeit der Menschen im Mitmachnetz – und dank Rapleafs cleverer Lock-Methoden. Das Unternehmen verleitet Surfer, Details über ihre Bekannten zu verraten. Beispiel: Wenn jemand auf Rapleaf.com nach einer E-Mail-Adresse sucht, wird diese im System gespeichert. Ein Test von SPIEGEL ONLINE bestätigte dies: Eine am Vortag eingegebene, Rapleaf da noch unbekannte Adresse taucht bei einer Suche am nächsten Tag als "bekannt" auf.
Diese Informationen nutzt Rapleaf zum einen, um seine Such-Software gezielter schnüffeln zu lassen. Zum anderen wirbt das Unternehmen über die so gewonnen Adressen für seinen Dienst. Das beschreibt Firmen-Gründer und Geschäftsführer Auren Hoffmann selbst im Firmenblog: Jeden Montag sende man E-Mails an alle Menschen, nach deren E-Mail-Adressen andere auf Rapleaf.com gesucht hätten. Begründung: "Wir wollen einer Person, nach der gesucht wird, die Chance geben, ihre Daten zu verwalten."
Aggressive Akquise der Datensammler
Allerdings scheint Rapleaf mit diesen E-Mail-Adressen manchmal auch nur Menschen dazu bewegen zu wollen, ihre Profile in der Rapleaf-Datenbank zu pflegen. Ende August hatte die Firma den Versuch gemacht, allen Menschen, nach denen jemand bei Upscoop gesucht hatte, eine Einladung zu schicken. Der Flut von Einladungen folgte ein Proteststurm ähnlich wie nach Quechups aggressiver Akquise-Aktion. Allerdings hat Rapleaf daraus gelernt: Falls überhaupt, werde man solche E-Mails in Zukunft wohl "nicht häufiger als einmal im Quartal" an eine Person schicken, kündigt Rapleaf-Boss Hoffmann im Firmenblog an.
Grundlegende Bedenken gegen das Rapleaf-Geschäftsmodell des Datensammelns versteht Hoffmann nicht. Seine Argumentation: "Diese Informationen sind öffentlich verfügbar, aber es dauert lang, sie zu finden. Rapleaf automatisiert die Suche." Mit anderen Worten: Was ist verwerflich daran, wenn Unternehmen die freiwillige Selbstentblößung in sozialen Netzwerken nutzen?
Branchenprimus MySpace hat jetzt angekündigt, ab sofort Informationen aus Nutzerprofilen für gezielte Online-Werbung zu nutzen. Solange Nutzer diesen wertvollen Rohstoff weiter freiwillig verschenken, werden sich Mitmach-Netzwerke mit immer aggressivere Akquise-Methoden bekriegen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH