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19.09.2007
 

Netzwelt-Ticker

MySpace personalisiert Werbung für freizügige Nutzer

Von Richard Meusers

Musik, Film, Sport, Mode, Reise, Autos - MySpace-Nutzer verraten auf ihren Profilseiten viele persönliche Vorlieben. Diese Selbstentblößung nutzt der Betreiber nun, um Anzeigenkunden perfekt definierte Zielgruppen anzubieten. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Soziale Netzwerke heißen nur so, funktionieren aber auch nur nach kommerziellen Prinzipien. Diese Binsenweisheit bestätigt MySpace. Schon bisher finanzierte sich die Seite über Werbung, aber jetzt dienen die persönlichen Profildaten der 110 Millionen Nutzer dazu, Reklameschnipsel zu schalten, die auf jeden einzelnen zugeschnitten sind.

MySpace-Profil: Machte die US-Sängerin Tila Tequila berühmt
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Nach einer sechsmonatigen Testphase wird die entsprechende Technik nun standardmäßig eingesetzt. "Wir sind mit einer außergewöhnlichen Menge an Informationen über die Vorlieben, Abneigungen und Leidenschaften unserer User gesegnet", beschreibt Peter Levinsohn, Präsident des MySpace-Besitzers Fox Interactive Media, die Datengoldgrube in der "New York Times".

Was den Unternehmern Dollarzeichen in die Augen schreibt, ist unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes mehr als zweifelhaft. Die Profile der MySpace-Nutzer werden nach bestimmten Schlagwörtern durchsucht und in zehn Gruppen vorsortiert. Man muss also keineswegs explizit Interesse an der Finanzwelt in seinem Profil angeben, um im entsprechenden Topf zu landen.

Dort wird auch einsortiert, wer zum Beispiel Donald Trump als Vorbild nennt oder "Wall Street" als Lieblingsfilm. Dann erfolgt in einem zweiten Schritt die Feinjustierung, beim sogenannten "Hyper Targeting" werden aufgrund von Vorlieben bei Sport, Mode, Reise oder Autos Hunderte weiterer Unterkategorien gebildet. Diese Technik, an deren Einsatzfähigkeit auch die Konkurrenz von Facebook längst werkelt, rundet MySpace mit einem weiteren Zuckerchen für seine Werbekunden ab: Die sollen nämlich weitergehende Informationen über diejenigen unter den Nutzern erhalten, die auf die jeweiligen Anzeigen und Werbeeinblendungen reagieren.

Was nicht nur bedeutet, dass MySpace-Nutzer ohne Gegenleistung Firmen kostspielige Marktforschungsstudien ersparen, sondern ihnen bei jedem Treffen mit Online-Freunden oder anderen virtuellen Aktivitäten Big Brother zusieht.

Online-Durchsuchung: Vorbild Rasterfahndung nur teilweise effizient

Immer wieder wird von den Befürwortern der Online-Durchsuchung das Vorbild der vor 15 Jahren eingeführten Rasterfahndung erwähnt. Diese war ein spätes Ergebnis der Erfahrungen mit den RAF-Terroristen und stellt im Grunde nichts anderes als die Vernetzung von unterschiedlichsten Orten gesammelten Angaben zu bestimmten Personen dar. Die so gewonnenen Datensätze können dann nach bestimmten Merkmalen durchsucht werden. Mit den heutigen Möglichkeiten der Informationstechnik lassen sich wesentlich größere Datenmengen bewältigen als je zuvor. Doch wie ist es eigentlich um die Effizienz dieses Fahndungsinstruments bestellt, das nach einem Spruch des Bundesverfassungsgerichts im vergangenen Jahr ohnehin nur im Falle einer konkreten Gefahr, aber nicht auf einen allgemeinen Verdacht hin eingesetzt werden darf? Dazu liegt nun eine empirische Untersuchung des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht vor.

Insgesamt wurden 27 Verfahren untersucht, in deren Verlauf 31 Maßnahmen der Rasterfahndung unternommen worden waren, deren Häufigkeit übrigens seit dem 11. September 2001 deutlich zugenommen hat. Die Bilanz fällt gemischt aus. Uneingeschränkt erfolgreich waren nur 13 Prozent der Aktionen, sie führten in vier Fällen zu Festnahmen. "Bedingt erfolgreich" seien weitere 58 Prozent gewesen, hier seien neue Ermittlungsansätze gewonnen worden. Ohne jeden Erfolg blieben 16 Prozent der Rasterfahndungen. Außer der häufig unzureichenden Erörterung der Begründung für konkrete Maßnahmen sei ein weiterer Punkt bedenklich, so die Studie. In beinahe zwei Drittel der Fälle seien die betroffenen Zielpersonen auch im Nachhinein nicht über die Ermittlungen benachrichtigt worden, wie es eigentlich gesetzliche Pflicht ist. Die Stärken der Rasterfahndung lägen sicherlich in Verbindung mit DNS-Reihenuntersuchungen, aber als Mittel zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität tauge sie nicht. Seit ihrer Einführung wurde sie lediglich in zwei entsprechenden Verfahren eingesetzt.

Office 2003 Service Pack 3 ist da

Ungeachtet der wachsenden Konkurrenz von allen Seiten werkelt Microsoft weiter an seinem MS Office. Für die Version 2003 steht nun das dritte Servicepack zur Verfügung. Damit wird eine Reihe von kleineren Fehlern behoben, auch die Kompatibilität mit Office 2007, dem Internet Explorer 7 und Windows Vista soll nun hergestellt sein. Außerdem gibt es keine Schnellspeicherung mehr. Die sicherte bisher nur die letzten Änderungen an einem Dokument, nicht aber die komplette Datei. Das aber hatte zu Sicherheitsproblemen geführt, denn oft rutschten so auch Autorenangaben, bereits längst gelöschte Textteile aus älteren Bearbeitungen in die aktuelle Version.

Geld verdienen mit Zensur

Seitdem in den USA nach dem 11. September 2001 die Homeland Security die Sicherheit des Landes gewährleisten soll, hat sich im Schatten der Organisation ein florierender Markt für Sicherheits- und Überwachungstechnik aller Art entwickelt. Doch warum die Aktivitäten nur auf Amerika beschränken, wo doch auch in anderen Gegenden gerne überwacht wird und das große Geld lockt? Das jedenfalls sagten sich Retentia und Xalted, zwei Unternehmen der Branche, sie schlossen nun einen Vertrag mit einem "großen asiatischen Land", wohl China, ab, wie es etwas nebulös und geheimnisvoll beim Wired Blog heißt.

Für 40 Millionen Dollar soll ein System installiert werden, das die landesweite Überwachung und Speicherung von Abermillionen Telefon- und Internetaktivitäten gewährleisten soll. Außer der üblichen Vorratsdatenspeicherung bietet das Unternehmen auch die Identifizierung des Computertyps, verwendeter Software, E-Mail-Adressen, Proxy-Server-Logs bis hin zu Mac-Adressen an, was eigentlich nur mit gesonderter Spyware möglich wäre. Natürlich diene alles der Bekämpfung des weltweit zunehmenden Terrors.

Die Technik ermögliche es Strafverfolgungsbehörden, Kriminelle und Terroristen noch schneller zu identifizieren und zu verhaften, so Ian Rice, Chef des Retentia-Eigners Intelligentias. Wer nun die Nase rümpft, dass ein amerikanisches Unternehmen hier nichts anderes als Beihilfe zu Zensur und Unterdrückung leistet, möge bedenken, dass auch deutsche Unternehmen an durchaus anrüchigen Geschäften gut verdienen. Immerhin ist Deutschland der Welt drittgrößte Waffenexporteur.

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